Auf dem ausgelassenen Mannschafts-Siegerfoto nach dem 2:1 im Supercup bei Borussia Dortmund fehlt ein Spieler, dem beim FC Bayern normalerweise eine besondere Bedeutung zukommt: Jamal Musiala. Der 23 Jahre alte Offensiv-Star trat die Reise in den Signal-Iduna-Park nicht an, blieb am Samstag stattdessen zu Hause in München.
Grund dafür waren seine Zusammenbrüche in den Testspielen gegen RB Leipzig (3:1) und den 1. FC Heidenheim (4:2), die auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind. Dabei geht es um sogenannte Absencen (Bewusstseinspausen). Um ihren Spieler in erster Linie mental zu schützen, verordneten die Bayern Musiala im Anschluss an die Vorfälle eine Spielpause. Die öffentlichen Sorgen waren groß.
Der Bayern-Star bekam zahlreiche Nachrichten auf sein Handy. Und einen ganz besonderen Anruf: Wie „Sport Bild“ berichtet, griff Jürgen Klopp in der vergangenen Woche nach Musialas zweitem Zusammenbruch in Heidenheim zum Hörer und wählte die Nummer des Spielmachers. Der Bundestrainer erkundigte sich nach dem Wohlergehen des Nationalspielers, sagte ihm seine Unterstützung zu. Klopp wollte Musiala am Telefon ein gutes Gefühl geben, ihm Mut zusprechen und klarmachen: Du bist zentraler Bestandteil meiner Zukunftsplanung, wir setzen auf dich und werden dir helfen. Musiala imponierten die Worte des ehemaligen Liverpool-Coaches.
Die Bayern sind schon deutlich länger als Klopp über Musialas Absence-Anfälle informiert. Diese sollen auch im Training schon einmal aufgetreten sein. Sportvorstand Max Eberl verriet am Freitag auf der Supercup-Pressekonferenz: „Wir wissen es schon die ganze letzte Saison. Für uns ist es Alltag geworden.“
Keine Extra-Klauseln in Musialas Vertrag
Zum Zeitpunkt der Vertragsverlängerung im Februar 2025, die Musiala mit einem Jahresgehalt von geschätzt rund 25 Millionen Euro zum Spitzenverdiener des deutschen Rekordmeisters machte, sollen die Absencen aber noch nicht aufgetreten sein. Deshalb enthält der Kontrakt keine entsprechenden Klauseln oder Rückversicherungen. Musiala unterschrieb einen handelsüblichen Bayern-Vertrag bis 2030. Mögliche Prämien sind wie bei seinen Mannschaftskollegen an Leistung und Einsatzzeit geknüpft.
In der vergangenen Saison jedenfalls hatte Musiala die Absencen dank guter medikamentöser Einstellung weitestgehend im Griff. Auch während der Weltmeisterschaft soll es keine Vorfälle gegeben haben. Nach der WM wurde die Medikation dann heruntergefahren. Die Umstellung wurde bewusst in der Sommerpause vorgenommen und nicht während einer laufenden Saison. Eberl sagte am Wochenende: „Er hat ein bisschen reduziert, jetzt müssen wir ein bisschen hochfahren wieder.“ Nach den beiden Kollapsen gegen Leipzig und Heidenheim wurde die Medikation wieder entsprechend umgestellt. Ziel ist es, den alten und im Optimalfall absencefreien Status wiederzuerlangen.
Nach seinen beiden Zusammenbrüchen wird Jamal Musiala im Kader des FC Bayern für den Franz-Beckenbauer-Supercup bei Borussia Dortmund fehlen. „So einen tollen Fußballer wollen wir wieder voll im Saft zurück auf dem Platz sehen“, sagt WELT-Reporter Christian Beilfuß.Bis die neue Dosis der Medikamente greift, dauert es üblicherweise zehn bis 14 Tage. Solange trainiert Musiala an der Säbener Straße nicht mit der Mannschaft, sondern individuell. Er wird beim Bundesliga-Auftakt am Freitag gegen den VfB Stuttgart definitiv nicht im Kader des Deutschen Meisters stehen. Als wahrscheinlicher Zeitpunkt für seine Rückkehr gilt intern der 5. September. Dann treten die Bayern am zweiten Spieltag beim FC Schalke an.
Zweimal umkippen – dann an die Öffentlichkeit gehen
Über den Umgang der Münchner mit der Thematik ist Musiala äußerst froh. Die Bayern wie auch sein familiäres Umfeld und der Beraterstab unterstützen ihn auf ganzer Linie, halten ihm so gut es geht den Rücken frei. Nach dem ersten öffentlichen Kollaps gegen Leipzig kam es am Montag (17. August) zu einer Sitzung im zweiten Stock der Geschäftsstelle an der Säbener Straße. Am Besprechungstisch saßen Eberl, Sportdirektor Christoph Freund, Musiala, dessen Management und einer der behandelnden Ärzte.
Die Bayern schlugen vor, schon jetzt die Karten auf den Tisch zu legen und die Öffentlichkeit über die gesundheitlichen Probleme zu informieren. Auf Wunsch von Musiala wurde an jenem Montag aber folgender Kompromiss geschlossen: Erst wenn er noch ein zweites Mal im Stadion umkippen sollte, wird er sich öffentlich äußern. In Absprache mit dem FC Bayern formulierte Musiala das Instagram-Statement, das letztlich schon am Dienstagabend (18. August) nach dem nächsten Vorfall in Heidenheim veröffentlicht wurde.
Darin ist unter anderem von temporär auftretenden, aber gut behandelbaren Absencen die Rede. Musiala schrieb auch: „Ich weiß, dass diese auf den ersten Blick scary (beängstigend; d. Red.) wirken – für mich sind sie aber aktuell Teil meines Alltags. Ich bin diesbezüglich in bester medizinischer Behandlung und sehr optimistisch. Wichtig ist: Es besteht kein darüber hinausgehendes gesundheitliches Risiko.“
So geht Kompany mit Musiala um
Laut „Sport Bild“ raten die behandelnden Ärzte Musiala sogar explizit dazu, Sport zu treiben und Fußball zu spielen. Körperlich ist er kerngesund. Das merkt auch Vincent Kompany.
Musialas Zusammenbruch im Spiel gegen LeipzigMit Musialas sportlicher Saisonvorbereitung ist der Trainer mehr als zufrieden. Die beiden kommunizieren viel miteinander. In einem Vier-Augen-Gespräch ließ Kompany seinen Schützling wissen, dass er sportlich der beste Musiala sei, den er seit seinem Amtsantritt als Bayern-Coach im Sommer 2024 gesehen habe. Den schweren Wadenbeinbruch, den er vergangenes Jahr bei der Klub-WM in den USA erlitt, hat Musiala überwunden. Das Vertrauen von Kompany spürt er im Austausch an der Säbener Straße täglich. Ebenso wie den Rückhalt der Vereinsführung. An Gerüchten, die Bayern könnten nach den beiden Zusammenbrüchen auf dem Transfermarkt noch einmal tätig werden, ist nichts dran. Auf der Zehner-Position wird fest mit Musiala geplant.
In Planung ist aktuell auch eine Dokumentation über den Offensivwirbler. Musiala soll bereits seit mehreren Monaten abseits des Spielfeldes für Filmaufnahmen von einer Kamera begleitet werden. Regelmäßig werden mit ihm dafür auch Interview-Sequenzen gedreht. Die Aufnahmearbeiten sollen in den kommenden Wochen fortgesetzt werden. Spätestens Anfang September sollen dann auch wieder die Scheinwerfer in den Fußballstadien auf Musiala gerichtet sein.
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