Vor drei Jahren ging die Streaming-Plattform Dyn am 23. August 2023 auf Sendung. Dort werden fünf Sportarten – Handball, Basketball, Volleyball, Hockey und Tischtennis – gezeigt. Dyn wurde vom früheren Fußball-Bundesliga-Boss Christian Seifert gegründet. Die Axel Springer SE, zu der unter anderem auch WELT gehört, ist Anteilseigner.
Frage: Herr Seifert, welche der vor drei Jahren gesteckten Ziele wurden erreicht?
Christian Seifert: Dyn ist ja damals angetreten, um Sportarten abseits des Fußballs eine eigene, größere Plattform zu bieten und so auch für deutlich mehr Wertschätzung, Anerkennung und unterm Strich auch Erfolg zu sorgen. Nach drei Jahren kann man sagen, dass wir in ganz vielen Bereichen unsere Ziele erreicht haben, und das ist auch objektiv messbar.
Frage: Wie sieht das aus?
Seifert: Mehr Menschen interessieren sich für die Sportarten. Alle unsere Ligen haben heute in Analysen Rekordumsätze, Rekordzuschauerzahlen in den Hallen, mehr Reichweite denn je, wozu auch der Dyn-Gesellschafter Axel Springer durch seine Berichterstattung beiträgt.
Seifert (r.). mit dem ehemaligen Handball-Nationalspieler und Dyn-Experten Stefan KretzschmarFrage: Wo zahlte man Lehrgeld?
Seifert: Womit ich nicht zufrieden bin: Wir könnten schon viel weiter sein. Wenn wir uns ansehen, dass zum Beispiel 13 Millionen Menschen das Finale der Handball-EM 2026 im Fernsehen angesehen haben, dann ist offensichtlich noch viel mehr Fan-Potenzial vorhanden. Mit Dyn hätte ich natürlich gern ein noch größeres Stück vom Kuchen dieser 13 Millionen Menschen. Wir zeigen die objektiv stärkste Liga der Welt, und fast alle Profis, die man bei der EM gesehen hat, spielen in einem anderen Trikot in der Bundesliga. Das Ziel, noch viel mehr Fans zu gewinnen, eint uns mit der HBL. Deshalb haben wir auch frühzeitig die Rechte bis 2031/32 verlängert, weil wir fest davon überzeugt sind, dass Handball noch deutlich mehr Potenzial hat.
Frage: Wie sind die Zuschauerzahlen bei Dyn?
Seifert: Topspiele der Handball-Bundesliga, aber auch der Champions League, liegen bei uns deutlich in Richtung 200.000 Zuschauer. Das ist für ein Pay-Angebot sehr viel und über die Reichweiten, die manche Spiele zum Beispiel in der 2. Fußball-Bundesliga im Pay-Bereich erzielen. Im Free-TV bei der ARD funktioniert Handball ebenfalls: Im November hatte zum Beispiel die Übertragung der Partie Berlin gegen Kiel, mit fast 1,5 Millionen, deutlich mehr Zuschauer als das Berlin-Spiel der NFL. Handball ist eine sehr starke Sportart. Die Quoten bei den großen Handball-Turnieren steigen. Das liegt natürlich nicht nur an Dyn, aber auch.
Frage: Dyn überträgt im Januar die Heim-WM komplett. Wie wollen Sie das Turnier nutzen, um Abonnenten zu gewinnen?
Seifert: Mit unseren bisherigen großen Turnieren sind wir sehr zufrieden, weil sie uns zwei Möglichkeiten bieten: Erstens können wir zeigen, dass wir ganz anders redaktionell über Handball berichten. Zweitens landen dort sehr viele Handballfans zum ersten Mal tatsächlich bei Dyn. Es kommen viele Neukunden, und glücklicherweise bleiben von denen auch einige. Die WM werden wir daher mit dem größten redaktionellen Aufwand produzieren, den es jemals gab. Bei der EM 2026 hatten wir bereits Experten mit mehr als 1400 Länderspielen Erfahrung. Wenn man die Bedeutung von Sportarten unterstreichen möchte, dann muss man sie auch entsprechend groß präsentieren. Das war, glaube ich, in der Vergangenheit, ohne jetzt jemandem zu nahe zu treten, so nicht der Fall.
Der SC Magdeburg holt sich den ersten Titel der Saison. Der Deutsche Meister lässt im Supercup Pokalsieger Füchse Berlin keine Chance. Daran ändern auch zehn Tore von Füchse-Superstar Mathias Gidsel nichts. Die Highlights im Video.Frage: Dyn hat das Abo-Modell umgestellt. Es gibt jetzt Sportarten-Pakete. Der Handball kostet ab 19,50 Euro im Monat. Wieso?
Seifert: Es war auch eine Frage der Fairness gegenüber den Kunden. Denn wir haben erkennbar im Handball das größte Rechte-Portfolio, das es je bei einem Anbieter gab, weltweit. Mit den Bundesligen, Champions League, die jetzt exklusiv bei uns läuft, European League, Welt- und Europameisterschaften. Wegen dieser Investition mussten wir die Preise für Handball moderat anpassen, die aber immer noch unter den Preisen liegen, die vor einigen Jahren noch für Handball zu zahlen waren. Dort gab es nicht einmal alle Spiele im DHB-Pokal. Also haben wir heute ein sehr viel besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber wir wollten nicht die Kosten des Handballrechte-Portfolios auf die anderen Sportarten umlegen. Daher gibt es jetzt Sportarten-Pakete zu unterschiedlichen Preisen.
Frage: Dyn hat fünf Kernsportarten. Wie groß ist das Interesse an weiteren?
Seifert: Wir haben von Anfang an gesagt, wir hätten gern noch Eishockey dabeigehabt. Eishockey hat sich entschieden, bei einem anderen Marktteilnehmer (MagentaSport, die Redaktion) zu bleiben. Es gibt durchaus noch einige Sportarten, mit denen wir uns befassen. Dabei sind die Kernfragen: Interessieren sich genug Menschen für die Sportart? Und dann auch für diesen bestimmten Wettbewerb? Daraus folgt die Frage: Haben genug Menschen auch eine Zahlungsbereitschaft dafür? Denn wir sind nun mal bisher ein Pay-Angebot.
Frage: Was haben Sie im Blick?
Seifert: Es gibt populäre Sportarten wie Padel, wo es aber noch nicht den Wettbewerb gibt, der eine große Anzahl von Menschen anspricht. Im Tennis hat die Bundesliga eine andere Bewertung als zum Beispiel die ATP-Tour. Vielleicht werden wir solch andere Sportarten mit einem noch mal unterschiedlichen Preisniveau irgendwann abbilden. Aktuell haben wir bereits lineare FAST-Channels, auf denen einige Spiele komplett frei empfangbar sind. Viele Sportarten wollen gern zu Dyn, aber es muss sich eben für beide Seiten lohnen.
Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) verfasst und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.
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