Der FC Bayern hat zwei richtige und wichtige Entscheidungen getroffen. Mit den Verlängerungen der Verträge von Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl bis Sommer 2029 hat er zwei entscheidenden Personen im Verein das notwendige Vertrauen demonstriert und ausgesprochen. Und mit diesen Schlüsselpersonalien den Klub für die nähere Zukunft aufgestellt.
Beide haben sich ihre neuen Verträge absolut verdient. Der 58-jährige Dreesen hat dazu beigetragen, den Klub nach der chaotischen Zeit unter seinem Vorgänger Oliver Kahn zu befrieden. Zudem hat Dreesen in wichtigen Vertragsverhandlungen Geschick, Timing und Strategie bewiesen. Unter anderem bei der Verpflichtung von Topstürmer Harry Kane vor drei Jahren. Langfristig braucht der Verein eine Vision für einen neuen Vorstandschef, auch in Zukunft wird sicher immer wieder Thomas Müller gehandelt werden, aber mittelfristig ist Dreesen eine mehr als solide Lösung.
Eberl hat in seinen ersten zwei Jahren beim deutschen Fußball-Rekordmeister ebenfalls wichtige Entscheidungen getroffen. Mit Michael Olise ist dem 52-Jährigen einer der besten Einkäufe der gesamten Bundesliga in den vergangenen Jahren gelungen. Zudem stimmt die gesamte Entwicklung des Vereins unter dem weltweit gelobten Trainer Vincent Kompany, den Eberl verpflichtete. Immer wieder schaffen es Talente vom FC Bayern Campus in den Profikader.
Kontinuität sorgt für Orientierung, Stabilität verschafft Stärke – so erklärte Vereinspräsident Herbert Hainer in einer Klubmitteilung die Vertragsverlängerungen. Der ehemalige Adidas-CEO hat recht. Der FC Bayern braucht Konstanz an seiner Spitze und in der sportlichen Leitung.
Max Eberl steckte beim FC Bayern einige Attacken ein
Der Klub steht vor enormen Herausforderungen. Die finanzielle Kraft der Konkurrenz aus der europäischen Fußball-Elite ist enorm. Die Internationalisierung, die ausbaufähige Vermarktung im Vergleich zur Premier League, die Sehnsucht nach dem Titel in der Champions League, die erhoffte und kostspielige Vertragsverlängerung mit Stürmerstar Kane – die Bayern haben große Träume und Aufgaben.
Entscheidend ist nun, dass der Aufsichtsrat um Ehrenpräsident Uli Hoeneß das in Dreesen und Eberl gesetzte und betonte Vertrauen auch lebt. In seinen ersten Jahren bei den Bayern wurde es Eberl phasenweise schwer gemacht. Nach außen wurde das Vertrauen nicht sonderlich demonstriert, es gab öffentliche Kritik an Eberl und immer wieder Zweifel. Sogar über eine „Blitz-Trennung“ wurde spekuliert.
Eberl hat sich (öffentlich) nicht beschwert, maximal das Timing infrage gestellt. Er hat eingesteckt und abgeliefert. Und erkannt, dass ein engerer Draht zu Hoeneß und den weiteren Verantwortlichen im und um den Klub hilfreich ist. Eberl hat sich entwickelt, aus Fehlern gelernt und zuletzt sehr gute Transferentscheidungen getroffen.
Mit Nathaniel Brown und WM-Star Ismael Saibari hat er den Kader der Bayern verstärkt und zudem in diesem Sommer beinahe 40 Millionen Euro Transfereinnahmen erzielt. Die Münchner haben einen Kader, mit dem sie um den Titel der Champions League mitspielen können. Auch dank Eberl.
Vor dem Supercup bei Borussia Dortmund bleibt Jamal Musiala das Hauptthema beim FC Bayern. Er wird nicht im Kader stehen für das Spiel beim BVB. Cheftrainer Vincent Kompany und Sportvorstand Max Eberl haben weitere Details auf der Pressekonferenz vor dem Spiel enthüllt.Vor allem war es eindrucksvoll, wie der Sportvorstand mit den Attacken und dem Druck in den vergangenen Monaten umging. Und auch der Umgang mit der sensiblen Personalie Jamal Musiala (neurologische Erkrankung) gelingt ihm bislang.
Zu kontrollieren und zu hinterfragen, ist die Aufgabe und Pflicht des Aufsichtsrats. Der FC Bayern profitiert seit Jahrzehnten von Reibung und kritischen Blicken auf die eigene Transferplanung und die Kaderumbauten. Doch im Vordergrund muss immer die gemeinsame Arbeit an den Zielen stehen.
Der FC Bayern hat hier entsprechend justiert. Gerade bei großen Transfers wird intern inzwischen mehr kommuniziert, Abläufe wurden optimiert. Eberl muss weiter den hohen Ansprüchen des Weltklubs gerecht werden. Er hat es sich redlich verdient, künftig mit mehr Ruhe und Vertrauen aus seinem Verein heraus arbeiten zu können.
Rund um seine Vertragsverlängerung wurde von vielen Personen in der Vereinsführung das Wort „Vertrauen“ benutzt, gerade in Bezug auf den Aufsichtsrat. In England sagen sie: Talk is cheap. Frei übersetzt: Es ist einfach, große Worte zu machen, aber schwieriger, Taten folgen zu lassen.
Jetzt muss der FC Bayern das so viel erwähnte Vertrauen auch leben.
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Zuletzt war er bei der Fußball-WM in den USA.
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