Plötzlich hatten es Manager Clemens Fritz, Klub-Chef Klaus Filbry und Kaderplaner Markus Pilawa eilig. Das Trio verließ gegen 13.45 Uhr die Restaurant-Terrasse der „Klosterpforte“ in Harsewinkel, wo Werder Bremen im Trainingslager zu Gast war, und fuhr von Ostwestfalen Richtung Hannover. Denn am Nachmittag des 12. August stand ein wichtiger Termin auf der Agenda: das Geheimtreffen mit Niclas Füllkrug.
Die „Sport Bild“ hat nun enthüllt, wie der norddeutsche Traditionsverein den Stürmer zurück an die Weser holte. Füllkrug hatte an jenem Mittwoch einen freien Tag, den er für einen Heimatbesuch nutzte. Zu dem Zeitpunkt war ein möglicher Wechsel des 24-maligen Nationalspielers von West Ham United zu Venezia FC vom Tisch. Die Engländer hatten eine Ablöse von rund fünf Millionen Euro für den Angreifer gefordert, die dem italienischen Serie-A-Klub zu hoch war.
Der gescheiterte Deal war Werders große Chance. Denn Füllkrug hatte gegenüber West Ham immer betont, auch gern nach Bremen zurückkehren zu wollen – sofern es keine Alternative gibt. Mit dem Bundesligisten stand der Mittelstürmer seit Mai 2026 in ständigem Kontakt.
Füllkrug soll bei Werder junge Spieler führen
Und was den Bremern noch in die Karten spielte: Der Premier-League-Absteiger wollte den 33-Jährigen von der Gehaltsliste bekommen, weil er unter Trainer Nuno Espírito Santo keine Chance hatte. Allerdings wussten die Londoner: Im Gegensatz zu Venezia hat Werder keine Kohle für eine Ablösesumme.
An jenem Nachmittag in Hannover führte Füllkrug ohne Berater die Gespräche mit den Bremer Verantwortlichen. Sie erklärten dem umworbenen Angreifer ihren Plan mit ihm, nämlich dass er die Rolle als Anführer auf dem Platz und in der Kabine einnehmen und dazu die jungen Spieler führen soll.
Auch das Thema Gehalt wurde offen diskutiert. Füllkrug kassierte bei West Ham in der Premier League bis zu fünf Millionen Euro. Nach dem Abstieg musste er dort zwar Einbußen hinnehmen, dennoch hätte er in England mehr bekommen als nun bei Werder. Füllkrug kam Bremen deutlich entgegen und soll jetzt rund zwei Millionen Euro im Jahr verdienen. Er wollte unbedingt zurück zu dem Verein, wo er zum Profi ausgebildet wurde und emotional prägende Zeiten erlebte.
Nach Informationen der „Sport Bild“ konnten die Bremer zusätzlich bei Füllkrug punkten, indem sie ihm eine Karriere nach der Fußballer-Laufbahn im Verein anbieten. Heißt: Füllkrug kann bei Werder ein Traineeprogramm absolvieren, um herauszufinden, ob er später zum Beispiel als Trainer oder im Managementbereich arbeiten will.
Der Fan-Liebling kann sich auch einen Job als TV-Experte vorstellen, diverse Anfragen hat er bereits. Doch für ihn ist noch lange nicht der Zeitpunkt gekommen, über ein Ende seiner Karriere nachzudenken. Er will noch einige Jahre auf höchstem Niveau Tore schießen.
Als sich Füllkrug sowie Fritz, Filbry und Pilawa einig waren, bereiteten die Bremer die notwendigen Dokumente vor, um den Wechsel voranzutreiben. Füllkrug reiste noch an jenem Mittwochabend nach London zurück und besprach in den folgenden Tagen – erneut ohne Agenten – mit den West-Ham-Bossen seine Zukunft. Mit Erfolg: Sie stimmten am Ende einer Leihe ohne Gebühr bis 2027 zu. Allerdings ohne Kaufoption. Nach bestandenem Medizincheck am 18. August war die Rückkehr perfekt.
„Wir waren lange im Austausch“, sagt Füllkrug, der vergangene Saison von West Ham an den AC Mailand ausgeliehen war, „ich bin froh, dass es geklappt hat. Es ist für mich wichtig, in einem guten Umfeld zu sein. Es gibt für mich kein besseres – fußballerisch wie menschlich.“
Wie wohl sich der Heimkehrer bei den Bremern fühlt, wurde bereits bei seinem ersten Pflichtspiel deutlich: Die Fans feierten ihn vor und während des DFB-Pokal-Erstrundenspiels gegen den Oberligisten Lüneburger SK – und Füllkrug erzielte beim 3:0 gleich einen Treffer. Sein erstes Tor seit dem 18. Januar, als er Milan zum 1:0‑Sieg gegen Lecce geköpft hatte.
Werder trifft am Sonntag zum Start in die neue Saison auf den SC Freiburg (15.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). Bremens letzter Sieg an einem 1. Spieltag liegt 13 Jahre zurück – 2013 gab es ein 1:0 in Braunschweig, der Torschütze war Zlatko Junuzovic. Seitdem weisen die Hanseaten zum Auftakt fünf Remis (inklusive eines 1:1 im Jahr 2021 in der 2. Liga gegen Hannover 96) und sieben Niederlagen auf. In der Vorsaison gab es zum Bundesligastart ein 1:4 in Frankfurt.
Werder war mal ein Angstgegner des SC, doch das ist lange her: Von den ersten 27 Bundesligaduellen verlor Freiburg 19, seitdem nur noch fünf von 23. Von den vergangenen acht Partien gegen Werder gewann Freiburg sieben und zuletzt feierte der Klub erstmals vier Siege in Folge gegen Bremen.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
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