Das Drama am Mount Everest im Mai 1996 ist eines der fürchterlichsten und verheerendsten Unglücke in der Geschichte des Höhenbergsteigens. Acht Bergsteiger starben, als sie nach dem Gipfelversuch in einen extremen Schneesturm gerieten.
Am 10. Mai 1996 versuchten mehrere Gruppen, darunter zwei große kommerzielle Expeditionen (Adventure Consultants und Mountain Madness), den Gipfel zu erreichen. Zu den Leitern gehörten erfahrene Bergsteiger wie Rob Hall und Scott Fischer. Das Problem: Es gab zu viele Bergsteiger am Berg. Die Teams behinderten sich gegenseitig, was zu langen Wartezeiten führte. Um der Höhenkrankheit und Kälte zu entgehen, war ein festes Zeitfenster (die sogenannte „Turnaround-time“) essenziell. Viele Gruppen ignorierten diese strikt und erreichten den Gipfel erst am späten Nachmittag.
Das Drama am Mount Everest veränderte den Alpinismus
In dem dichten Schneetreiben und der Dunkelheit verloren die Kletterer die Orientierung. Einige biwakierten in der Todeszone, da sie den Abstieg zu den Zelten im Camp IV – auf rund 7900 Metern – nicht mehr schafften.
Insgesamt starben damals fünf Menschen auf der Südseite – darunter die Expeditionsleiter Rob Hall und Scott Fischer – und drei auf der Nordseite. Der bekannte Journalist und Autor Jon Krakauer nahm an einer der Expeditionen teil und verarbeitete das Drama später in dem Weltbestseller „In eisige Höhen“.
Das Drama veränderte den Alpinismus und den Everest-Tourismus nachhaltig.
- Die Einhaltung von strikten Umkehrzeiten wurde für professionelle Veranstalter zum absoluten Gesetz.
- Die Anzahl der Sherpas und der mitgeführte Sauerstoff pro Kunde wurden drastisch erhöht, um die Sicherheit zu gewährleisten.
- Die meteorologische Überwachung vor und während der Expeditionen ist heute ungleich präziser und professioneller als damals.
- Am Berg wurden durch die Einheimischen, die sogenannten Sherpas, deutlich bessere Pfade mit Fixseilen angelegt, um Staus an kritischen Engpässen wie dem Hillary Step zu minimieren.
Schlussendlich wurde die Katastrophe zum Mahnmal für den ausufernden Bergtourismus im Himalaja. An sich. Denn ausgerechnet am 30. Jahrestag des Dramas hat Nepal nach Behördenangaben so viele Genehmigungen wie nie zuvor für die Besteigung des Mount Everest in der Frühjahrssaison erteilt.
Nach Angaben des Tourismus- und Kulturministeriums in Kathmandu wurden bis zu diesem Wochenende 492 Zulassungen für Kletterer aus 55 Ländern ausgegeben, die den Everest-Gipfel erklimmen wollen. Der Sprecher der Tourismusabteilung, Himal Gautam, sprach von „einem historischen Moment“.
Die vorige Rekordzahl lag demnach bei 478 und stammte aus dem Jahr 2023. Im vergangenen Jahr gab es 468 Zulassungen für die Besteigung des mit 8849 Metern höchsten Bergs der Erde. Trotz der Gen-Z-Proteste in Nepal und des Kriegs im Nahen Osten sei eine Rekordzahl an Genehmigungen an Kletterer für die diesjährige Hauptsaison erteilt worden, sagte Gautam.
Im vergangenen September war es in dem Himalaya-Land zu schweren Unruhen gekommen. Eine Sperrung von Social-Media-Plattformen hatte Zehntausende, meist junge Menschen der Generation Z, auf die Straße getrieben. Der damalige Regierungschef trat zurück, das Parlament wurde aufgelöst. Inzwischen hat das Land nach Wahlen eine neue Regierung.
Als weiterer Grund für die Rekordzahl ist nach Berichten nepalesischer Medien auch der Umstand, dass China den Aufstieg zum Everest von der tibetischen Seite geschlossen hat. Amtlichen Angaben in Nepal zufolge kommen dieses Mal die meisten Anmeldungen aus China, gefolgt von Kletterern aus den USA und Indien.
Die Route zum Gipfel war im Khumbu-Eisbruch versperrt
Nepal spülten die Genehmigungen den Angaben zufolge bisher mehr als 7,1 Millionen Dollar (etwa 6 Millionen Euro) in die Kasse. Die Zulassungsgebühren und andere Ausgaben sind für das Land eine wichtige Einnahmequelle. Im vergangenen Jahr hatte es die Gebühren von 11.000 auf 15.000 Dollar für die Besteigung über die Südroute zum Everest-Gipfel erhöht. In Nepal befinden sich acht der 14 Achttausender der Welt, darunter der Everest. Das Land ist damit ein globales Zentrum für Höhenbergsteigen.
Die diesjährige Klettersaison für den Everest begann mit erheblichen Verzögerungen. Die Route zum Gipfel war von einem Sérac – einem aufgetürmten Eisblock – im Khumbu-Eisbruch versperrt. Es bestand die Gefahr eines Einsturzes in dem ohnehin besonders kritischen Gletschergebiet. Laut Gautam gelang es jedoch bis zum Freitagabend Spezialisten, darunter Sherpa-Bergsteigern, die Aufstiegsroute bis zum Camp 4 auf 7906 Meter Höhe zu öffnen. Die Fixseile seien verlegt worden, sagte Gautam.
Die Route zum Lager 2 ist normalerweise ab Mitte April geöffnet. Bergsteiger können sich durch wiederholte Lagerwechsel vor den Gipfelversuchen akklimatisieren. Erste Gipfelbesteigungen gelingen üblicherweise Anfang Mai. Wegen der Hindernisse in diesem Jahr wird befürchtet, dass es durch einen extremen Ansturm zu Staus auf der Strecke kommen kann.
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