Kurz vor Harry Kanes erstem Elfmeter-Fehlschuss in der Fußball-Bundesliga tauchte plötzlich Jeanuël Belocian am Elfmeterpunkt auf. Der Wolfsburger stampfte mit den Füßen ein paar Mal auf die Stelle, von der Kane wenig später schießen wollte. Der sonst so sichere Brite rutschte dann beim Strafstoß etwas weg und schoss über das Tor. Wohl auch, weil Belocian den Elfmeterpunkt zuvor malträtiert hatte.
Nach dem Spiel auf die Situation angesprochen, sagte der 21-Jährige: „Ja. Das war einfach.“ Was genau er damit meinte, ließ er offen. Belocians Mannschaftskollege Patrick Wimmer erklärte: „Das sind natürlich dreckige Spielchen, die man vielleicht auch anwenden muss, wenn man da unten drinsteht.“
Harry Kanne hatte bisher alle Elfmeter in der Bundesliga verwandelt
Beim FC Bayern München stieß die Aktion auf gemischte Reaktionen. „Ich weiß, dass Wolfsburg darum kämpft, in der Bundesliga zu bleiben. Trotzdem finde ich es eine unnötige Aktion. Fairplay macht man trotzdem, auch wenn es um viel geht“, kritisierte Defensivspieler Tom Bischof.
Die ganz große Empörung blieb aus. Auch, weil die Bayern die Partie dennoch 1:0 gewannen und den Meistertitel schon eine Weile sicher haben. „Ich weiß, im Abstiegskampf versucht man alle Mittel und Wege, damit der Gegner das Tor nicht schießt. Dann haben wir es anderweitig geschossen“, sagte Sportvorstand Max Eberl im ZDF-Sportstudio.
Bayern-Trainer Vincent Kompany zeigte sogar etwas Nachsicht für das Verhalten des Wolfsburgers. „Natürlich wünschen wir uns das nicht, aber ich habe auch ein bisschen Verständnis dafür. Für Wolfsburg geht es um alles“, sagte der Belgier, der auch die Passivität seiner eigenen Spieler in dieser Szene ansprach. „Wenn das am Mittwoch gegen Paris passiert wäre, wären wir mit zwei, drei Leuten dahin gerannt“, sagte er.
So reagierten die Münchner gar nicht und Kane verschoss – nachdem er zuvor alle 24 Elfmeter in der Bundesliga verwandelt hatte. Nur in zwei anderen Wettbewerben scheiterte er jeweils einmal vom Punkt: im DFB-Pokal dieser Saison im Erstrundenspiel beim SV Wehen Wiesbaden. Und in der Champions League im Januar gegen Union Saint-Gilloise.
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