Jüngst erschütterte der Fall Stefan Kuntz und der Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen den Ex-Boss den HSV. Die Wege des Bundesligaklubs und seines Sportvorstandes trennten sich daraufhin. Anfang Januar hieß es vonseiten des Klubs noch, dass familiäre Gründe der Grund dafür seien. Dann berichtete „Bild“ als erstes von den Anschuldigungen gegen Kuntz. Der Aufsichtsrat des Hamburger SV teilte daraufhin mit, der Abschied stehe im Zusammenhang mit Vorwürfen „eines schwerwiegenden Fehlverhaltens von Stefan Kuntz“.
Eine eigene Anzeige gegen Unbekannt wegen des Vorwurfs der Nachstellung hat Kuntz mittlerweile zurückgezogen. Der Fall reiht sich ein in die aufsehenerregenden Trennungen in der Bundesliga-Geschichte. Eine Übersicht.
Willi Kraus verdiente sich bei Einbrüchen in Supermärkten und Tabakläden gern etwas dazu. Gesamtbeute: 66.000 Mark. Im Februar 1968 klickten die Handschellen, Schalke 04 warf ihn raus. Die Mitspieler atmeten auf: Sie hatten sich schon länger gewundert, warum der Torjäger im Trainingslager mit einer Pistole unterm Kopfkissen schlief.
Branko Zebec wurde zum tragischen Fall. Der Jugoslawe war alkoholkrank – ein offenes Geheimnis in der Liga. Alle Welt sah es im April 1980, als der HSV-Trainer in Dortmund betrunken auf der Bank saß – und die zweite Hälfte im Bus verbrachte. Nach weiteren Vorfällen erfolgte im Dezember 1980 die überfällige Trennung.
Schumacher fliegt für seinen Bestseller
Als amtierender Nationaltorwart deckte Toni Schumacher in seinem Enthüllungsbuch „Anpfiff“ Dopingpraktiken in der Bundesliga auf – und zog über seine Konkurrenten Uli Stein und Eike Immel her. Das Buch wurde ein Bestseller, aber auch zu seinem Abpfiff. Köln warf ihn 1987 raus, in die Nationalmannschaft wurde er nie mehr berufen. Bei Schalke kassierte Schumacher in der Saison darauf 80 Gegentore in 33 Spielen, stieg als Tabellenletzter aus der Bundesliga ab und verabschiedete sich zu Fenerbahce Istanbul. Auf seine alten Torwart-Tage kam Schumacher noch bei Bayern München und Borussia Dortmund unter.
Nach einem Gegentreffer durch Bayerns Jürgen Wegmann (61) im Finale um den Supercup 1987 rammte HSV-Keeper Uli Stein dem Torschützen die Faust ins Gesicht. Stein sah Rot – und war auf einen Schlag arbeitslos. Der DFB sperrte ihn für zehn Spiele, der Klub warf ihn raus. Drei Monate später kam er bei Eintracht Frankfurt unter, 1994 kehrte er zum HSV zurück.
Ingo Böbel wurde 1993 als Schatzmeister des 1. FC Nürnberg wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Klub hatte in großem Stile von 1990 bis 1992 Schiedsrichtern aus einer schwarzen Kasse Geschenke (u. a. Hometrainer) gemacht und sich Gegenleistungen erhofft. Böbel trat zurück und seine Haft an. Seitdem dürfen Schiedsrichter keinerlei Geschenke mehr annehmen.
Hoeneß setzt Detektiv auf Basler an
Wegen seiner nächtlichen Casino-Besuche stand Mario Basler bei den Bayern unter Beobachtung, der damalige Manager Uli Hoeneß schickte ihm sogar einen Detektiv hinterher. Da war ein Vorfall während seiner Reha 1999 einer zu viel. Eine Rangelei in einer Regensburger Pizzeria mit einem Gast, der ihn provoziert hatte, sorgte für seinen fristlosen Rauswurf – Ersatzkeeper Sven Scheuer, ebenfalls anwesend, durfte gleich mitgehen.
Thorsten Legat flog in der Saison 1999/2000 beim VfB Stuttgart raus. Der Grund: Rassismus. Der Profi hatte im Kraftraum des Bundesligisten auf ein Poster, das seinen dunkelhäutigen Mitspieler Pablo Thiam (52) mit einer Trinkflasche zeigte, eine Beleidigung gekritzelt.
Er war der designierte Bundestrainer, hätte am 1. Juli 2001 von Bayer Leverkusen zum DFB wechseln sollen. Da gab Uli Hoeneß in einem Interview den Kokain-Gerüchten um Christoph Daum neue Nahrung. Dieser wehrte sich lautstark und gab eine Haarprobe ab, die ihn überführte. Er flog 2000 in Leverkusen über Nacht raus, Bundestrainer wurde er nie.
Sunday Oliseh war während eines Heimspiels des VfL Bochum 2004 gegen Hansa Rostock kurz davor gewesen, sich mit Kollege Vahid Hashemian zu prügeln. Der Nigerianer wollte sich vom Iraner nichts sagen lassen. In der Kabine krachte es dann doch. Mit einem Kopfstoß brach Oliseh Hashemian das Nasenbein, der VfL warf ihn sofort fristlos raus.
Meier und Spahic, Freunde der Kopfnuss
Trainer Norbert Meier leistete sich 2005 gegen den 1. FC Köln als Duisburg-Trainer ein Wortgefecht mit Albert Streit, setzte zu einem Kopfstoß an und mimte dann das Opfer. Schiedsrichter Manuel Gräfe schickte ihn auf die Tribüne. Auf der Pressekonferenz bestritt Meier die Attacke, die Bilder überführten ihn. Später gab er seinen „Blackout“ zu. Weil Meier gelogen hatte, warf ihn der MSV raus. Der DFB sperrte ihn für drei Monate und verhängte 12.500 Euro Geldstrafe.
Nach dem verlorenen Pokalspiel 2015 gegen die Bayern streckte der Leverkusener Defensivspieler Emir Spahic einen Ordner des eigenen Vereins per Kopfstoß nieder. Der DFB sperrte ihn drei Monate (plus 75.000 Euro Strafe), Bayer warf ihn raus.
2016 flog Stefan Effenberg als Trainer beim SC Paderborn raus. „Die Penis-Affäre im Trainingslager (ein Spieler zog vor einer Frau die Hosen runter; d. Red.), Führerscheinentzug und die fehlende Fußballlehrer-Lizenz“, führte Präsident Wilfried Finke als Gründe an und richtete hart: „Die Symbiose Effenberg SC Paderborn ist nicht gelungen. Es war im Nachhinein ein Fehler.“
Kevin Großkreutz wurde 2017 beim VfB Stuttgart entlassen, nachdem er in eine nächtliche Schlägerei im Rahmen einer Tour im Stuttgarter Rotlichtmilieu verwickelt war, zu der er minderjährige Jugendspieler mitgenommen hatte. „Eine doofe Aktion, dazu muss man stehen“, gab er später zu, aber auch, dass er „keinen geschlagen“ habe, sondern von vier Männern verdroschen worden war.
Markus Anfang war 2021 als Trainer von Werder Bremen zurückgetreten. Der Grund: Er hatte sich nicht gegen Corona impfen lassen, das seinem neuen Arbeitgeber verschwiegen und den Impfpass fälschen lassen. Die Sache flog auf – und Anfangs Zeit bei Werder war vorbei.
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