Im Volkswagen-Werk in Osnabrück sollen künftig keine Autos mehr, dafür Luftverteidigungssysteme gebaut werden. Das Land Niedersachsen, der VW-Konzern, der israelische Rafael-Rüstungskonzern und der Investor Aurelius Capital schlossen am Montag eine entsprechende Vereinbarung. VW zieht sich demnach vollständig vom Standort Osnabrück zurück.

Das Ziel sei, den Standort langfristig zu erhalten. Die jetzt angesteuerte Lösung bietet eine Zukunft für knapp 1400 der derzeit insgesamt 1800 Beschäftigten.

„Iron Dome“-Hersteller spielt wichtige Rolle

Als erstes Ankerprojekt vorgesehen ist demnach eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael. Das Unternehmen produziert Luftverteidigungssysteme und Lenkflugkörper und Anlagen für den elektronischen Kampf. Bekannt ist es als Hersteller des „Iron Dome“, mit dem Israel Raketen, Marschflugkörper und Drohnen bekämpft.

Die Kooperation soll den Weg für weitere Partnerschaften und Projekte unter dem Dach der neuen Gesellschaft ebnen. Rafael-Chef Joav Tourgeman teilte mit: „Heute bauen wir eine langfristige industrielle Partnerschaft mit unseren deutschen Partnern auf mit dem Ziel, dass die Technologie vollständig in Deutschland produziert wird, um Deutschland und Europa zu schützen.“

Zunächst werde sich die Zusammenarbeit auf die mögliche Entwicklung und Produktion von Komponenten für Luftabwehrsysteme konzentrieren. Nach VW-Angaben soll die Belegschaft in Osnabrück beim Aufbau der Fertigung und der Industrialisierung eine zentrale Rolle übernehmen.

Die Vereinbarung ist noch kein vollzogener Verkauf – bildet demnach aber die Grundlage für die nächsten Schritte. „Dazu gehören die Festlegung der künftigen Verantwortlichkeiten, die wirtschaftliche und organisatorische Ausgestaltung sowie die Vorbereitung des möglichen Übergangs“, hieß es.

Rafael produziert auch das System „Iron Beam“, eine Laserwaffe gegen Ziele in der Luft. Es liefert außerdem das aktive Schutzsystem Trophy, das anfliegende Raketen und Panzerfäuste zerstören kann und auf dem deutschen Kampfpanzer Leopard verbaut ist.

Auto-Produktion läuft aus

Zuletzt blickten die Beschäftigten des Werks in eine ungewisse Zukunft: Die Produktion der in Osnabrück gefertigten Porsche-Modelle ist bereits Ende 2025 ausgelaufen. Außerdem sagten die Stuttgarter einen erhofften Folgeauftrag für einen E-Sportwagen ab. Aktuell wird in Osnabrück nur noch das T-Roc Cabrio gebaut. Eine Nutzung des Standorts außerhalb der klassischen Pkw-Produktion war daher schon länger im Gespräch.

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