Angesichts der niedrigen Füllstände in deutschen Gasspeichern bereitet sich Trading Hub Europe (THE) „kontinuierlich“ auf einen möglichen Gaseinkauf im Auftrag des Staates vor. Das sagte THE-Geschäftsführer Torsten Frank im Interview mit dem Pro-Newsletter „Energie & Klima“ des Nachrichtenmagazins „Politico“.

„Ich kann weder ausschließen noch bestätigen, dass THE in diesem Herbst erneut im staatlichen Auftrag Gas beschafft“, sagte Frank. Das hänge sehr stark von der Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium (BMWE) und auch der Bundesnetzagentur ab. „Wenn dort dieser Auftrag erteilt wird, dann würden wir diese Beschaffung natürlich auch durchführen – und darauf bereiten wir uns natürlich auch kontinuierlich vor.“

THE ist als Marktgebietsverantwortlicher für den Betrieb des deutschen Gasmarktgebiets zuständig und kann vom Staat – entsprechend dem Energiewirtschaftsgesetz – mit der Befüllung von Speichern beauftragt werden. Zuletzt geschah dies im Jahr 2022, als Russland seine Gaslieferungen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine drosselte und die Bundesregierung die Versorgungssicherheit gefährdet sah.

Füllstandsvorgaben könnten verfehlt werden

Die derzeit niedrigen Füllstände deutscher Gasspeicher von rund 51 Prozent haben eine neue Debatte über ein mögliches staatliches Eingreifen entfacht. Bleibt es bei den niedrigen Einspeicherungen, könnten nicht nur die geltenden Füllstandsvorgaben – im Gesamtdurchschnitt 70 Prozent zum 1. November – verfehlt werden, sondern es könnte auch ein Puffer für einen besonders kalten Winter fehlen.

„Im Moment wird das vom BMWE offenbar so bewertet, dass ein Eingreifen nicht erforderlich ist“, sagte Frank hierzu. „Natürlich kann man auch zu einer anderen Bewertung kommen. Ich halte es aber für nachvollziehbar, dass man ein Eingreifen derzeit nicht zwingend für erforderlich hält.“

Trotzdem hält es der THE-Chef für ungewiss, ob die gesetzlichen Füllstandsvorgaben bis zum 1. November erreicht werden können. „Bei einer technischen Betrachtung – was geht maximal – muss man berücksichtigen: Das Gas, das eingespeichert werden soll, muss ja auch erst dorthin transportiert werden können. Und dafür muss es vorher im Marktgebiet zur Verfügung gestellt werden. Da wird es tricky“, sagte er. „Ob all diese Rädchen so perfekt ineinandergreifen, dass das punktgenau gelingt, kann ich nicht zu 100 Prozent sagen – dafür gibt es zu viele Einflussfaktoren.“

Regionale Mangellagen „theoretisch“ denkbar

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei im bundesweiten Vergleich den niedrigen Speicherfüllständen in Süddeutschland, darunter Wolfersberg, Inzenham-West und Breitbrunn. „Denkbar je nach Szenario ist eine regionale Mangellage theoretisch. Wir haben ja auch in der Vergangenheit regionale Mangellagen gehabt in bestimmten Wintersituationen“, sagte Frank.

Zugleich stellt der THE-Chef klar: „Ich würde allerdings davor warnen, einen vergleichsweise niedrigen Speicherstand in den deutschen Speichern im südlichen Bereich damit gleichzusetzen, dass wir vermutlich eine Krise in Bayern oder Baden-Württemberg haben.“ Denn es gebe ja auch Importmöglichkeiten.

Speziell über Österreich könne Gas nach Deutschland in das THE-Marktgebiet transportiert werden. Zudem gebe es Speicherorte in Österreich, die ebenfalls in das deutsche Marktgebiet hineinwirken könnten, weil sie dort Flexibilität bieten würden. „Und die sind ja vergleichsweise gut gefüllt“, so Frank.

Skeptischer ist der THE-Geschäftsführer bei der Frage, ob Flüssiggas (LNG) allein reicht, um niedrige Füllstände auszugleichen: „LNG wirkt manchmal wie die Wunderwaffe. Einzelne glauben, weil wir jetzt Terminals haben, gibt es keine Probleme mehr. Das ist natürlich nicht richtig“, sagte er „Politico“. Es sei zwar sehr gut, dass Deutschland jetzt solche Terminals habe, dass dort also eine höhere Flexibilität dann für den deutschen Markt bestehe – aber es gebe eben nur begrenzte Möglichkeiten, dort Schiffe anzulanden.

Joana Lehner ist Policy-Reporterin beim „Politico“-Newsletter „Energie & Klima“

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