Der Vorsitzende des Siemens-Gesamtbetriebsrats, Tobias Bäumler, hat den Konzernumbau des ehemaligen Vorstandschefs Joe Kaeser scharf kritisiert. „Die unter Herrn Kaeser vollzogenen Abspaltungen, namentlich Siemens Healthineers und Siemens Energy, sind aus Arbeitnehmervertretersicht ein Fehler gewesen“, sagte Bäumler gegenüber WELT AM SONNTAG.

„Beide Unternehmen haben sich hervorragend entwickelt, und mit ihnen wäre Siemens heute noch wertvoller“, sagte er. Die Abspaltungen der beiden Konzerne wurden von 2018 bis 2020 vollzogen und haben die geschäftliche Ausrichtung von Siemens grundlegend geändert. Heute ist Kaeser Aufsichtsratschef bei Siemens Energy, das zuletzt eines der erfolgreichsten Dax-Unternehmen war.

Dem aktuellen Konzernumbau durch Siemens-CEO Roland Busch steht Bäumler hingegen positiv gegenüber. „Im Gegensatz zu dem letzten Konzernumbau unter Joe Kaeser sehen wir den derzeitigen Umbau durch Roland Busch positiv.“

„Damals stellten wir uns als Betriebsrat gegen den Umbau und die Zerschlagung, weil diese rein margengetrieben waren. Unter Herrn Busch ist es bei Siemens allerdings zu einem Paradigmenwechsel hin zur Technologie und weg von reiner Margenoptimierung durch Spaltung gekommen“, so Bäumler.

Bäumler sieht in dem aktuellen Umbau das Ziel, Siemens fit für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zu machen. „Dazu gehört etwa eine einheitliche Datenbasis für ganz Siemens. Junge Firmen wie Google oder Amazon verfügen über eine solche. In einem 179 Jahre alten Konzern wie Siemens sind verschiedene Bereiche noch nicht derart miteinander vernetzt“, so Bäumler.

Siemens-Chef soll Belegschaft transparent informieren

„Deshalb müssen wir unsere Organisationsstrukturen durchdringen, Prozesse vereinheitlichen und die Silos aufbrechen, die besonders in der Ära Kaeser gehegt und gepflegt worden sind. Bei einem Konzern unserer Größe ist all das natürlich ein zusätzlicher Kraftakt, auch für die Beschäftigten. Aber wenn es gelingt, können wir die volle Power von KI für alle entfesseln“, sagte Bäumler.

Zugleich hat Bäumler in Bezug auf den Umbau auch explizite Forderungen an das Management. „Wir haben die Neuaufstellung kritisch geprüft und sehen nach heutigem Stand keine grundlegenden Einwände gegen die eingeschlagene Richtung. Unser Anspruch an Transparenz ist allerdings hoch, und wir werden auch die Umsetzung kritisch begleiten“, so Bäumler.

Er betonte, dass das Management dem Betriebsrat gegenüber bislang sehr transparent gewesen sei. „Das erwarten wir nun auch in der Kommunikation gegenüber den Mitarbeitenden. Je detaillierter sie wissen, was auf sie zukommt, desto besser können sie das nachvollziehen und mittragen“, sagte Bäumler.

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