Für seine Kritiker waren weniger seine zwei Tore interessant, sondern das, was er danach tat. Nachdem Felix Nmecha den BVB gegen SV Elversberg mit einem platzierten Flachschuss von der Strafraumgrenze in Führung gebracht hatte, drehte er Richtung Eckfahne ab, ging auf die Knie und stellte pantomimisch dar, wie er sich eine imaginäre Krone vom Kopf nimmt und sie vor sich auf den Boden legt.
Diese Geste zeigt der Nationalspieler nach seinen Treffern häufig. Sie symbolisiert für ihn, dass Erfolg und Ruhm nicht ihm selbst gebühren, sondern Jesus Christus, dem König. Sie geht auf die religiös motivierte Kampagne „The King’s Return“ zurück, die Nmecha unterstützt.
Nach seinem zweiten Treffer am Samstag, einem fulminanten Fernschuss, zeigte Nmecha mit den Fingern nach oben – auch das war für den evangelikalen Christen Ausdruck seines Glaubens. Dieser Jubel ist ein Bekenntnis zur umstrittenen christlichen Fußball-Initiative „Ballers in God“, die extrem konservative Ansichten zu Themen wie Schwangerschaftsabbruch oder Homosexualität vertritt.
„Glaube sollte nicht missbraucht werden“
Die Debatte, ob Nmecha auf solche Aktionen verzichten sollte, bekam also wieder einmal neue Nahrung – zumindest bei denen, die über den Hintergrund der Gesten informiert waren. Dazu dürfte zwar nur eine geringe Minderheit der 81.365 Zuschauer in Dortmund gezählt haben. Doch die im BVB angesiedelte Fan-Abteilung sah sich tags darauf zu einer Stellungnahme genötigt, in der die Aktionen Nmechas und seine Motivation dafür kritisiert werden.
„Wir respektieren das Recht jedes Menschen, seinen Glauben zu leben und öffentlich zu bekennen. Unsere Kritik richtet sich gegen die Abwertung und Ausgrenzung von Menschen – auch dann, wenn sie religiös begründet wird. (…) Unsere Kritik richtet sich gegen religiöse Netzwerke, die unter dem Deckmantel des Glaubens ein Weltbild verbreiten, in dem Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer Lebensweise oder ihrer persönlichen Entscheidungen abgewertet oder ausgegrenzt werden“, heißt es dort. Und das würden sowohl „Ballers in God“ als auch „The King’s Return“ tun. Fußballer sollten ihre Reichweite nicht nutzen, um sie zu unterstützen.
Die Reaktion der Fanabteilung ist gerade zu diesem Zeitpunkt von nicht unerheblicher Bedeutung. Am 22. November steht die Mitgliederversammlung des BVB an. Erst auf der letzten Versammlung hatte das Thema für Diskussionen gesorgt. „Glaube sollte nicht dafür missbraucht werden, die Vielfältigkeit der Gesellschaft, in der wir leben, nicht anzuerkennen“, hatte Tobias Westerfellhaus, der Vorsitzende der Fanabteilung, damals erklärt.
Diese Debatte überlagert die starke Entwicklung, die Nmecha durchläuft und die am Samstag ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Ohne den Mittelfeldspieler wäre es den Dortmundern kaum möglich gewesen, sich punktgleich mit den Bayern an der Spitze der Bundesliga zu halten. Mit seinen Saisontoren drei und vier trug er maßgeblich zum 2:1 (0:0)-Erfolg bei. Für den BVB war es der sechste Sieg im neunten Saisonspiel.
„Er ist eine Maschine“, sagt Klopp
„Vom Talent, seinen Qualitäten und seiner Technik ist er einer der besten Mittelfeldspieler der Welt. Wenn er noch seinen Abschluss dazunimmt, gibt es nicht viele, die besser sind“, sagte BVB-Sportdirektor Ole Book. Tatsächlich gibt es nur wenige Mittelfeldspieler, die ein besseres Gesamtpaket in Bezug auf Veranlagung und körperliche Robustheit anbieten. Nmecha hat sowohl im Defensiv- als auch im Offensivverhalten Stärken. Er kann Bälle erobern, Angriffe einleiten und selbst torgefährlich werden. Diese Qualitäten in einem Spieler vereint – das ist selten.
Dortmunds Sportdirektor Ole BookDas hat auch Jürgen Klopp erkannt. „Felix ist einfach jemand, der unglaublich viel Fantasie hat. Er ist eine Maschine – physisch unglaublich stark und fußballerisch wahnsinnig talentiert“, sagte der Bundestrainer, nachdem er Nmecha für die Spiele in der Nations League am 13. November in Serbien und gegen die Niederlande (16. November) nominiert hatte.
Nmecha habe bislang noch nicht ansatzweise alles gezeigt, was er könne. „Es gibt so ein paar Dinge, wo man sich wirklich Gedanken machen kann: Wo kann das noch hinführen“, erklärte Klopp. Auf Sicht könnte der 26-Jährige wohl auch eine Führungsrolle in der Nationalelf einnehmen.
Nmecha selbst freute sich über das Lob, blieb jedoch bescheiden. Auf die Frage, ob der BVB vielleicht sogar Meister werden kann, sagte er: „Wir gehen es Spiel für Spiel an.“ In Bezug auf seinen Torjubel war er weit weniger zurückhaltend.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke