Said El Mala hat sich trotz lukrativer Angebote aus England für einen Verbleib beim 1. FC Köln entschieden. Der 20-Jährige absolvierte im vergangenen Oktober sein erstes Länderspiel für Deutschland. Auch für die nächsten Nations-League-Partien in Serbien und gegen die Niederlande steht er wieder im Aufgebot.

Frage: Glückwunsch zur DFB‑Nominierung. Wann hat Bundestrainer Jürgen Klopp Sie informiert?

Said El Mala: Danke. Er hat sich am Dienstag bei mir gemeldet. Da war ich gerade mit meinem Bruder essen und hatte den Anruf erst nicht gesehen.

Frage: Hatten Sie seine Nummer diesmal wenigstens abgespeichert?

El Mala: Ja. Er steht bei mir als „Jürgen Klopp – Trainer Germany“ im Handy. Keine Ahnung, warum. Dann habe ich ihn zurückgerufen und er hat mir gesagt, dass ich dabei bin. Da war ich natürlich glücklich. Er hat mir gesagt, dass es ihn auch sehr gefreut hat, dass mein Bruder und ich beim 1:1 in Berlin zum ersten Mal zusammen in der Bundesliga auf dem Platz standen.

Jürgen Klopp (M.) freut sich mit El Mala über dessen erstes Länderspiel

Frage: Hat er Ihren Bruder Malek schon auf dem Schirm?

El Mala: Hoffentlich (schmunzelt).

Frage: Kann er es so weit schaffen wie Sie?

El Mala: Zu 100 Prozent. Er hat das Potenzial und die Qualität. Davon bin ich überzeugt.

Bruder-Jubel: Said und Malek El Mala feiern ihr Tor bei Union Berlin

Frage: Zurück zu Klopp: Ist er der vielzitierte Menschenfänger?

El Mala: Absolut. Er weiß genau, was er macht. Das ist aber auch kein Geheimnis, nach dieser Riesenkarriere. Man hört ihm automatisch ganz genau zu, wenn er etwas sagt. Und man spürt, dass er diesen Sport liebt. In den Gesprächen, Ansprachen und bei den Spielen ist er extrem emotional.

Frage: Wie ist das, wenn man sich beweisen will und direkt vor der Trainerbank spielt?

El Mala: Wenn man Klopps Stimme im Hintergrund hört, macht einen das schon ein wenig nervös. Dann denkst du: Hoffentlich mache ich nichts falsch. Aber er hatte uns vor den Spielen schon auf seine emotionale Art vorbereitet.

Frage: Wie groß war die Enttäuschung, im vergangenen Sommer unter Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht bei der WM dabei zu sein?

El Mala: Schon groß. Er hatte mir konkrete Aufgaben mitgegeben und ich hatte das Gefühl, dass ich vieles gut umgesetzt habe. Wenn man dann nicht dabei ist, ist das traurig. Den Jungs habe ich natürlich trotzdem die Daumen gedrückt.

Frage: Seitdem ist viel passiert: Sie haben Ihren Vertrag in Köln bis 2031 verlängert und die Fans liegen Ihnen zu Füßen, wie einst bei Lukas Podolski. Wie erleben Sie diesen Hype?

El Mala: Vergangene Saison war das schwieriger, weil einfach alles neu für mich war. Inzwischen versuche ich, entspannt damit umzugehen. Ich nehme den Trubel wahr. Aber es ist ja auch etwas Schönes.

Frage: Es ist vor allem einzigartig, wenn 20.000 Fans im Stadion plötzlich eine El-Mala-Hymne nach der Melodie des Party-Klassikers „Give It Up“ singen …

El Mala: Unfassbar, oder? Wenn ich daran denke, kriege ich Gänsehaut. Das ist einfach unbeschreiblich.

Frage: Haben Sie den Hit schon als Klingelton auf dem Handy?

El Mala: Nee. Das wäre zu viel des Guten (lacht).

Frage: Weil?

El Mala: Wir haben da so ein paar Talente in der Mannschaft, die das Lied auch in der Kabine singen. Da denke ich dann schon: „Kommt, Leute, reicht jetzt auch.“

El Mala trägt wie einst Lukas Podolski die Rückennummer 10

Frage: Dann lieber wieder im Stadion?

El Mala: Gegen Leverkusen? Da würde ich nicht Nein sagen.

Frage: Können Sie in Köln noch vor die Tür gehen?

El Mala: Unsere Nachbarn lassen uns natürlich in Ruhe. Aber wenn mein Bruder und ich zusammen durch die Stadt gehen, ist es schon extrem.

Frage: Gibt es so was wie Fanpost noch?

El Mala: Die gibt es tatsächlich noch. Ich bekomme irre viele Briefe. Viele wurden zur Arbeit meiner Mutter geschickt, oder landen bei meinen Eltern zu Hause. Da ist alles dabei: Autogrammwünsche. Grüße. Liebesbriefe. Oder sie fragen meine Eltern, ob sie ihnen ein Trikot schicken können.

Frage: Sind auch Heiratsanträge dabei?

El Mala: Bislang nicht (lacht). Aber zuletzt kam ein Brief am Geißbockheim für mich an. Auf dem Umschlag stand „Finanzamt“. Da habe ich erst einmal einen Schock bekommen. Am Ende war es ein zweiseitiger Liebesbrief von einem Fan.

Frage: Gibt es eigentlich aktuell eine Frau El Mala?

El Mala: Nein. Ich bin Single.

Frage: Die wichtigste Frau in Ihrem Leben ist Ihre Mutter, die auch Ihre Beraterin ist. „Bild“ gab ihr den Spitznamen „El Mama“ – gefällt der Ihnen?

El Mala: Meine Mutter mag ihn nicht so. Aber ihre Freundinnen und Freunde sagen das jetzt immer zum Scherz.

Frage: Wofür geben Sie gern Geld aus?

El Mala: Ich mag coole Klamotten.

Frage: Ihr Vorbild?

El Mala: Cristiano Ronaldo.

Frage: Sie hätten schon letzten Sommer gehen können. Die Premier-League-Klubs Brighton und Brentford wollten Sie. Der BVB bot sogar 50 Millionen Euro. Sind Sie so viel wert?

El Mala: Ehrlich gesagt ist es nur eine Zahl.

Frage: Bei der einem aber schon schwindelig werden kann …

El Mala: Fragen Sie mal meine Mutter (lacht). Aber im Ernst: Man weiß inzwischen, wie sich der Fußball entwickelt hat.

Frage: Während Brighton und Dortmund um Titel kämpfen, droht Ihnen der Abstiegskampf. Warum war es trotzdem richtig, in Köln zu bleiben?

El Mala: Der FC hat immer an mich geglaubt – ich hatte hier von Anfang an ein gutes Gefühl. Schon als ich mit Malek von Viktoria hierher gewechselt bin, war das so. Im Sommer haben Thomas Kessler und René Wagner sehr viel mit mir gesprochen. Ich spüre großes Vertrauen, ich komme jeden Tag gern ans Geißbockheim und habe einfach Bock darauf, hier mit den Jungs Fußball zu spielen.

Frage: Im Winter könnte es wieder Gerüchte um Ihre Zukunft geben. Oder schließen Sie einen Wechsel aus?

El Mala: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Meine Eltern kümmern sich um diese Themen. Ich konzentriere mich auf meinen Fußball und will das machen, was ich liebe, und das ist, mit meinem Bruder und den Jungs zusammen auf dem Platz zu stehen.

Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT , SPORT BILD , BILD) verfasst und zuerst in BILD AM SONNTAG veröffentlicht.

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