Ein alternder Boxer ist nur einen Kampf davon entfernt, ein Clown zu werden.“ Gilt dieser böse Satz des US-Boxtrainers Teddy Atlas etwa auch für Manuel Neuer nach dessen Slapstick-Aktion gegen Augsburg – Gegenspieler Fellhauer hatte er nach einem Rückpass angeschossen und so nach 8,4 Sekunden das schnellste Tor der Liga verursacht. Geschichte schreibt unser 2014er-Weltmeister also auch mit 40 Jahren. Zum Gratulieren war’s eher nicht …
Richtig ist: Je älter Neuer wird, desto weniger scheint er noch der „Alte“ zu sein. Den Lauf der Zeit hält selbst der einst weltbeste Torwart nicht auf. Neben dem Superbock zum 0:1 sah er beim 1:2 der Augsburger – sagen wir es freundlich – unglücklich aus.
Sein WM-Comeback war im Nachhinein schon nicht die beste Idee. Neuer passte sich einfach nur dem Restniveau der Nationalmannschaft an.
Ist er also (frei nach dem Boxer-Spruch) nur noch ein paar Spiele davon entfernt, ein Clown zu werden? Nein! So weit darf und wird es nicht kommen. Nach einer so grandiosen Überflieger-Karriere hat er eine ehrenvolle Landung im Leben danach verdient.
Ein vernünftiger Machtwechsel muss her
Neuer und Bayern-Trainer Vincent Kompany müssen sich jetzt ernsthaft Gedanken machen: Wie bekommen sie einen vernünftigen Machtwechsel zu Jonas Urbig hin – und das bei laufendem Spielbetrieb?
Heißt: Neuer sollte sicher nicht sofort raus aus der Kiste. Das würde Kompany niemals tun. Es wäre auch grober Unfug, zumal seine Statistik besser ist, als es nach dem Slapstick wirkt. In dieser Bundesliga-Saison wehrte er 75 Prozent aller Torschüsse ab. In der vergangenen waren es 63 Prozent.
Aber spätestens in der Rückrunde, der heißen Phase in Meisterschaft und Champions League, sollte Urbig zu seinen Einsätzen kommen. Es kann nicht sein, dass die wohl zukünftige Nummer eins von Deutschland nur Spielpraxis bei Bundestrainer Klopp erhält.
An Neuers Patzern allein lag es nicht, dass die Bayern wieder gegen den Baum geprallt sind. Gegen den Augsburg-Baum.
Ja, Trainer Manuel Baum ist nun schon im zweiten Ligaspiel gegen den Rekordmeister ungeschlagen. Vier Abseitstreffer, Dutzende Chancen und kein Kane-Tor plus großer Kampf der Augsburger. Mit dem 2:2 verdienen sie sich den inoffiziellen Titel des Bayern-Schrecks.
Die Dortmunder hätten es sich nach der verblödelten Führung gegen Werder am Freitag nicht träumen lassen, dass sie das Wochenende noch vor den Bayern überstehen. Auf einen dramatischen Meisterkampf bis zum Schluss sollte man daraus noch nicht schließen.
Wenn Neuer ein Verlierer des Spieltages ist, dann ist Niclas Füllkrug einer der großen Sieger. Bereits vier Tore hat er für Werder geknipst. Eines mehr als der gleichaltrige Harry Kane (33). Kann Füllkrug beim DFB vielleicht doch die Mittelstürmer-Lücke füllen?
Der Kommentar wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.
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