Ein historisches Tor nach einem Patzer von Manuel Neuer hat dem FC Bayern den Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga gekostet. Beim 2:2 (0:1) des Rekordmeisters in Augsburg verursachte der Torhüter mit der ersten Aktion das Gegentor und ermöglichte FCA-Profi Robin Fellhauer nach offiziell 8,4 Sekunden den schnellsten Treffer der Ligageschichte.
Ismael Saibari (55. Minute) und Nathaniel Brown (80.) retteten den Münchenern immerhin noch das Unentschieden. Die Rückkehr auf Platz aber verpasste das Starensemble – auch weil den Münchenern mehrere Tore wegen Abseitsposition aberkannt wurden. Rodrigo Ribeiro (65.) hatte Augsburg mit 2:1 in Führung gebracht.
Nach Dortmunds 2:2-Patzer am Vorabend gegen Bremen waren die Bayern eigentlich extra motiviert, Rang eins zu übernehmen. Coach Vincent Kompany sagte vor dem Anpfiff bei DAZN, in solchen Partien „musst du eigentlich sofort da sein mit deiner besten Leistung“. Just der Beginn ging dann aber brachial schief.
Neuers fataler Chipball
Mit dem ersten Kontakt nach dem Anstoß wollte Münchens Torhüter Neuer den Ball über den heranstürmenden Fellhauer chippen, verschätzte sich dabei aber. Das Leder flog an den Rücken des FCA-Angreifers, der daraufhin das leere Tor vor sich hatte und nach etwas mehr als acht Sekunden zum 1:0 einschob.
Das war in mehr als sechs Jahrzehnten Bundesliga-Historie niemandem so schnell gelungen. Der 28-Jährige schnappte sich die Bestmarke für das schnellste Tor vom Leverkusener Karim Bellarabi und Hoffenheims Kevin Volland, die jeweils neun Sekunden für ihre Rekordtreffer gebraucht hatten. Die meisten der 30.660 Fans feierten in der Arena, Torwart Neuer hob nach seinem folgenschweren Lapsus zerknirscht und entschuldigend die Arme.
Drei aberkannte Tore des FC Bayern wegen Abseits
Angestachelt vom Rückschlag drängte das Münchener Starensemble auf den Ausgleich – und kam phasenweise zu Chancen im Minutentakt. Harry Kane etwa schoss zunächst knapp vorbei (9.), köpfte kurz danach drüber (14.) und traf in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit volley nur die Latte (45.+5). Auch Saibari auf der Münchener Zehnerposition war nah dran am Ausgleich, zielte aber aus spitzem Winkel daneben (37.) und dann nicht platziert genug (45.+2).
Ein 1:1 zum Seitenwechsel wäre angesichts von zwei Dritteln Ballbesitz und mehr Torabschlüssen nicht unverdient gewesen. Allerdings hätten sich die Münchener auch mehr Gegentore fangen können: Der FCA trieb einige Konter gefährlich über den Platz, nur den Abschluss verpassten die Fuggerstädter. In der 35. Minute hatte Juma Bah das 2:0 auf dem Fuß – nach einer Flanke aber lenkte der Verteidiger den Ball aus nächster Nähe über die Latte.
Kane mit Torvorlagen auf Saibari und Brown
Der deutsche Rekordchampion hatte in der vorigen Bundesligasaison nur eine Partie verloren, daheim gegen just die Augsburger. Weder Coach Kompany hatte das vergessen noch seine Schützlinge. Nationalspieler Aleksandar Pavlovic räumte vor dem Anpfiff ein: „Das schmerzt natürlich schon.“
Kurz nach dem Wiederanpfiff konnten die Bayern dann zumindest der Schmerz des frühen Gegentors etwas lindern, als Saibari nach Kane-Vorlage zum 1:1 traf. Kurz davor hatten die Gäste noch Pech, dass ihnen ein Treffer von Luis Diaz (51.) nach VAR-Eingriff wegen Abseits aberkannt wurde. Augsburgs Keeper Finn Dahmen hatte den Volley-Schuss durch die Hände flutschen lassen.
Bayern drängte auf die Führung – und wurde ausgekontert. Einen Schuss des aufgerückten Linksverteidigers Calvin Brackelmann konnte Neuer nicht gut genug zur Seite abwehren, Ribeiro staubte zum 2:1 ab.
Nachdem München zwei weitere Treffer wegen Abseits aberkannt worden waren, gelang Brown nach Vorlage von Kane ganz regulär der Ausgleich. Der eingewechselte Serge Gnabry scheiterte danach am Pfosten (83.). In einer wilden Schlussphase wehrte sich Augsburg erfolgreich gegen das 2:3 und die Niederlage.
1899 Hoffenheim – HSV 2:3 (1:1)
Miro Muheim hat dem HSV einen späten Sieg bei der TSG Hoffenheim beschert und Jubelstürme bei den Hanseaten ausgelöst. Nach der dreiwöchigen Bundesliga-Pause gewann die Mannschaft von Trainer Merlin Polzin durch den Treffer des Jokers in der 4. Minute der Nachspielzeit mit 3:2 (1:1). Vor 25.929 Zuschauern in Sinsheim feierten die Gäste damit ihren zweiten Saisonerfolg.
In der hektischen Partie wurden zwei Tore nach Videobeweis zurückgenommen. Für den stark verbesserten HSV vergab Fabio Viera in der Schlussphase zunächst noch den Sieg, als er an Torhüter Oliver Baumann scheiterte. Doch Muheim traf doch noch.
Yussuf Poulsen (11. Minute) hatte die Hanseaten früh in Führung gebracht. Ein Eigentor von Sebastiaan Bornauw (45.+6) führte zum Ausgleich. Jung-Nationalspieler Bambasé Conté gelang dann kurz nach der Pause das 2:1 (53.). Die Hausherren mussten von der 66. Minute an zu zehnt auskommen, da Bernardo wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot sah. Der eingewechselte Terem Moffi sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich (83.).
Mainz 05 – Bayer Leverkusen 3:4 (2:2)
Erst der Blitzstart, dann der Ausgleich des FSV Mainz 05 – und am Ende jubelt Bayer Leverkusen doch über einen knappen Auswärtssieg. Durch das 4:3 (2:2) meldet sich die „Werkself“ eindrucksvoll aus der XXL-Länderspielpause zurück und verlängert zugleich die Heimflaute der Rheinhessen, die seit sechs Bundesliga-Spielen auf ein Erfolgserlebnis in der MEWA Arena warten.
Die Grundlage legte Bayer vor 33.000 Zuschauern in der Anfangsphase: Robert Andrich traf in seinem 200. Bundesliga-Spiel bereits nach fünf Minuten mit Wucht und Patrik Schick machte den frühen Doppelschlag gefühlvoll perfekt (9.). Mainz kam durch die beiden Treffer von Anthony Caci zwar noch vor der Pause zum Ausgleich (33./42.). Doch die Gäste streiften die zwischenzeitlich spürbare Verunsicherung wieder ab und jubelten nach einem heftig diskutierten Kopfballtor von Jarell Quansah sowie Moussa Diabys Treffer zum 4:2 (55./65.). Der eingewechselte Benedict Hollerbach erzielte nur noch das 3:4 (90. +2).
SC Paderborn – VfB Stuttgart 0:2 (0:1)
Der VfB Stuttgart hat nach der langen Länderspielpause den ersehnten zweiten Saisonsieg gefeiert. Die Schwaben gewannen beim SC Paderborn mit 2:0 (1:0) und bleiben gegen die Ostwestfalen damit ungeschlagen.
Nach drei Niederlagen in den ersten vier Ligaspielen sorgten Jeff Chabot (25. Minute) und Chris Führich (83.) vor 15.000 Zuschauern für den umkämpften, aber letztlich verdienten Sieg. Der Aufsteiger verpasste dagegen den zweiten Saisonerfolg. Schon in zweieinhalb Wochen haben die Paderborner an gleicher Stelle in der zweiten Runde des DFB-Pokals aber die Chance zur Revanche.
Union Berlin – SV Elversberg 1:0 (0:0)
Der 1. FC Union Berlin und Neu-Trainer Mauro Lustrinelli haben dank eines späten Treffers von Livan Burcu einen Befreiungsschlag geschafft. Die Köpenicker bescherten ihrem Coach am fünften Spieltag den ersten Bundesligasieg mit einem 1:0 (0:0) gegen Aufsteiger SV Elversberg. Der erste Dreier der Spielzeit schloss auch ein mögliches Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz am Sonntag aus.
Vor 22.012 Fans im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei zeigte sich der FCU stabiler, blieb offensiv aber häufig immer noch zu zaghaft. Burcus Treffer erlöste die Berliner in der 81. Minute und sorgte für den am Ende verdienten Sieg.
Nach einem Punkt und 17 Gegentoren in den ersten vier Partien – inklusive einer 0:7-Klatsche in München – stand Lustrinelli nach nur 101 Tagen im Amt schon unter Druck. Mit dem Erfolg dürfte nun etwas Ruhe einkehren. Am kommenden Wochenende wartet mit den noch ungeschlagenen Dortmundern aber schon die nächste schwere Aufgabe. Für die Saarländer war es die zweite Niederlage in ihrer Premierensaison im Oberhaus. Mit sieben Punkten steht Elversberg aber weiter gut da.
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