Der französische Basketball-Star Victor Wembanyama hat sich mit den Protesten an Frankreichs Schulen solidarisiert. „Ich möchte meine Unterstützung zeigen“, sagte der 22 Jahre alte Center nach einem Vorbereitungsspiel seines NBA-Teams, der San Antonio Spurs.
Zuvor hatte Wembanyama eine Reihe von Fotos aus seinem Sommer in Frankreich auf Instagram veröffentlicht. Ein Kommentator lud ihn ein, sich den Schulprotesten in seiner Heimat anzuschließen. Darauf antwortete er: „Das würde ich sehr gern.“ Von einem Reporter darauf angesprochen, bestätigte Wembanyama: „Das meinte ich ernst.“
Er sei selbst vor nicht allzu langer Zeit in einer ähnlichen Situation gewesen. „Ich hatte die Möglichkeit, diesem System und diesen Problemen zu entkommen. Aber das ist eine Chance, es ist Glück.“ Deshalb wolle er seine volle Solidarität bekunden.
Seit zwei Wochen demonstrieren Schüler in Frankreich
Wembanyama geht in seine vierte NBA-Saison, verbringt Medien zufolge aber einen Teil seines Sommerurlaubs weiter in Paris und seiner Heimatstadt Nanterre, einem Vorort der französischen Hauptstadt. Überdies war es nicht das erste Mal, dass sich Wembanyama zur innenpolitischen Lage in seiner Heimat äußerte.
Wembanyama beim Team-Fotoshooting seines Klubs San Antonio SpursBereits seit knapp zwei Wochen demonstrieren Schüler in Frankreich für eine bessere Ausstattung der Gymnasien, mehr Vertretungslehrer und Investitionen in das Bildungswesen. Allgemein bricht sich eine Wut angesichts von Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und fehlenden Perspektiven Bahn.
Dem Protest haben sich inzwischen auch Studierende angeschlossen. Bisher ist die Regierung nicht mit konkreten Zusagen auf die Schüler eingegangen. Für die kommenden Tage wurden weitere Proteste angekündigt.
Empörung gibt es über die rabiaten Polizeieinsätze gegen die zumeist minderjährigen Demonstranten. Das UN-Menschenrechtsbüro verfolgt die Vorfälle im Kontext der Schülerproteste in Frankreich mittlerweile „mit Sorge. Wir rufen jeden dazu auf, sicherzustellen, dass die Proteste friedlich bleiben und kein unverhältnismäßiger Einsatz von Gewalt durch die Sicherheitskräfte erfolgt“, erklärte die Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros, Shabia Mantoo, mit Blick auf teils gewaltsame Ausschreitungen. Das Recht auf Versammlungsfreiheit müsse gewahrt bleiben, fügte sie hinzu.
In Frankreich eskalieren landesweit Schülerproteste gegen Lehrermangel und marode Schulgebäude. Präsident Macron hat eine Krisensitzung einberufen. In die Kritik gerät auch Bally Bagayoko, der Bürgermeister von Saint-Denis.Mehr als 6800 Menschen wurden nach Angaben des Justizministeriums seit Beginn der Proteste in Gewahrsam genommen, der überwiegende Teil von ihnen Minderjährige. Gegen knapp 2400 Menschen wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. 21 Menschen wurden demnach in Untersuchungshaft genommen, darunter sechs Minderjährige.
Zudem wurden mehrere Jugendliche schwer verletzt. Sicherheitskräfte setzten unter anderem Tränengas ein. Menschenrechtsaktivisten und Schüler werfen den Sicherheitskräften ein unverhältnismäßig hartes Vorgehen vor. Ein 15-Jähriger verlor am Montag eine Hand, nachdem die Polizei eine Blendgranate eingesetzt hatte. Die Regierung hat angeordnet, den Einsatz von Blendgranaten vorerst auszusetzen. Die Polizei hat in 18 Fällen interne Ermittlungen wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens von Beamten eingeleitet.
Am Freitagmorgen blieben gut 140 von 3700 Oberschulen in Frankreich geschlossen. Das Bildungsministerium erklärte, dass „mehr als 96 Prozent der Oberschulen“ geöffnet seien. Am Donnerstagmittag waren 157 Schulen geschlossen gewesen, zudem gingen landesweit mehr als 70.000 Menschen auf die Straße. Das war deutlich weniger als am Dienstag, als bis zu 450.000 Menschen an Protestaktionen teilnahmen. Für den kommenden Dienstag riefen die Organisatoren zu neuen Protesten auf.
Mit Blick auf Ankündigungen von Bildungsminister Edouard Geffray, bis Dienstag 3000 Vertretungslehrer an betroffenen Schulen einzusetzen, hieß es vom Gewerkschaftsbund CFDT, dies könne nur eine „erste Antwort“ sein. Die Ankündigung liege „weit unter dem, was erwartet wird“, sagte CFDT-Generalsekretärin Marylise Léon im Sender Franceinfo. Die Forderungen der Schüler müssten „respektiert“ werden. Ein Schüler in Toulouse sagte mit Blick auf Geffrays Ankündigung: „Wir sind von der Zielmarke weit entfernt.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke