Sogar Portugals Premierminister hat sich eingeschaltet: Luís Montenegro will zwischen Superstar Cristiano Ronaldo, Nationaltrainer Jorge Jesus und dem Verband vermitteln und die Länderspiel-Karriere des fünfmaligen Weltfußballers doch noch versöhnlich beenden. Stand jetzt tritt Europameister Ronaldo (234 Einsätze für Portugal) allerdings mit einem Riesen-Knall ab. Dass er mit Jesus noch einmal auf einen Nenner kommt, scheint derzeit ausgeschlossen.
Kommt es so, dürfte sich Ronaldo in einen Kreis illustrer Namen begeben, die auch einen unwürdigen Abtritt in ihrer Nationalmannschaft hatten. Eine Auswahl.
Diego Maradona
Für den argentinischen Nationalhelden endet seine letzte WM 1994 im Doping-Skandal. Nach starken Leistungen (ein Tor, eine Vorlage) gegen Griechenland (4:0) und Nigeria (2:1) wird in seiner Urinprobe die verbotene Substanz Ephedrin festgestellt, ein Appetitzügler. Schuld ist laut Maradona sein Fitnesstrainer, der in den USA aus Versehen eine illegale Variante eines schon länger genutzten Medikaments besorgt haben soll. Die Folge: Der Weltmeister von 1986 wird von der Fifa 15 Monate gesperrt (zum zweiten Mal nach seinem Kokain-Befund 1991) und wird noch im gleichen Turnier TV-Experte. Ohne ihn scheidet Argentinien im Achtelfinale aus.
Nicolas Anelka
Die Vorrunde der WM 2010 in Südafrika: Weil er Frankreichs Nationaltrainer Domenech (74) mit den Worten „F*** dich in den A****, du dreckiger H****sohn!“ beleidigt haben soll, fliegt der meinungsstarke Stürmer aus dem Team. Problem: Der Vorwurf, aufgebracht in der Zeitung „L’Équipe“, stimmt nicht, wie Domenech Jahre später zugibt. Das Team boykottiert nach dem Anelka-Rauswurf aus Solidarität ein Training und scheidet in der Gruppenphase aus.
Stefan Effenberg
Bei der WM 1994 fordern deutsche Fans während des Gruppenspiels gegen Süd-korea (3:2) „Effenberg raus“. Der antwortet mit der Stinkefinger-Geste. Der DFB wirft ihn danach aus dem Kader. Effenberg, der danach noch zehn Jahre auf Vereinsebene, aber für Deutschland nur 1998 in zwei Freundschaftsspielen aufläuft, sagt Jahre später: „Es war eine Überreaktion, die mir im Nachhinein leidtut.“
Michael Ballack
Die WM 2010 verpasst der langjährige DFB-Kapitän verletzungsbedingt. In der Folge findet er unter Trainer Löw nicht zurück in die Nationalelf. Löw verkündet 2011, dass er jetzt ohne Ballack plane. Ein angebotenes Abschiedsspiel lehnt Ballack (98 DFB-Einsätze) ab, spricht in diesem Zuge von „Farce“ und wirft Löw „Scheinheiligkeit“ vor.
Toni Schumacher
Europameister 1980, Vizeweltmeister 1982 und 1986: Bis zur Veröffentlichung seines Buchs „Anpfiff“ war „Tünn“ mehr als sechs Jahre DFB-Stammkeeper. Im Bestseller von 1987 schrieb er u. a. von Doping im Bundesliga-Alltag sowie von Feier- und Frauengeschichten in der Nationalmannschaft. Der DFB kündigte danach an, ihn nicht mehr zu berufen. Schumacher verpasste so den WM-Titel 1990.
Paul Gascoigne
Der Superstar rastet aus, als ihn England-Coach Hoddle wegen mangelnder Disziplin kurz vor der WM 1998 aus dem Kader schmeißt. Er zertrümmert Hoddles Hotelzimmer, wirft dabei u. a. einen Tisch um und tritt gegen die Tür. Danach wird er nie mehr in den Kader der „Three Lions“ berufen.
Uli Stein
Der Torwart wird zur WM 1986 zum deutschen Ersatztorwart gemacht. Als Höhepunkt des Konflikts mit Bundestrainer Beckenbauer († 78) nennt Stein ihn intern „Suppenkasper“ und wird als erster DFB-Spieler während eines Turniers rausgeworfen.
Gerd Müller
Als Finaltorschütze tritt der „Bomber der Nation“ direkt nach dem WM-Titel 1974 überraschend und mit nur 28 Jahren beim DFB zurück. Angeblich geschieht dies im Streit über Prämien und den Umgang mit Spielerfrauen. Müller beteuerte stets, dass der Grund war, dass er mehr Zeit mit der Familie verbringen wollte. 2012 sagt er: „Die Entscheidung würde ich heute nicht mehr so treffen.“
Zinédine Zidane
Im letzten Spiel seiner Fußballer-Karriere steht er mit Frankreich im WM-Finale 2006 gegen Italien. Weil Gegenspieler Materazzi in der Verlängerung seine Schwester übel beleidigt, streckt Zidane ihn, meterweit vom Ball entfernt, per Kopfstoß nieder. Zidane sieht die Rote Karte, und Frankreich verliert den Titel im Elfmeterschießen (4:6 n. E.). „Ich bin nicht stolz auf das, was passiert ist. Aber ich bereue es nicht“, betonte Zidane gerade in der vergangenen Woche noch einmal. Sein erstes Heimspiel als Frankreich-Trainer brachte ihm ausgerechnet ein Spiel gegen Italien (1:1).
Mesut Özil
Mit knapp 30 tritt der Spielmacher kurz nach dem deutschen WM-Aus in der Gruppenphase 2018 als Nationalspieler zurück. Er wirft u. a. Medien und DFB-Boss Grindel (65) vor, ihn zum „Sündenbock“ machen zu wollen. Bereits zuvor steht Özil in der Kritik, weil er (gemeinsam mit seinem Teamkollegen Gündogan) unmittelbar vor der WM mit dem autokratisch regierenden türkischen Präsidenten Erdogan für ein Foto posiert.
Iker Casillas
Spaniens Welt- und Europameister-Keeper verliert vor der EM 2016 seinen Stammplatz an Konkurrent de Gea. Danach spricht er mit dem Trainerteam nur noch das Nötigste und verhält sich so abweisend, dass ihm Coach del Bosque als Einzigem keine Abschieds-SMS nach dem Turnier schickt. Nachfolger Lopetegui beruft ihn gar nicht mehr.
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