Deutschland will Olympische Sommerspiele. Die Hoffnungen und Erwartungen auf positive Effekte für Wirtschaft und Gesellschaft sind riesig. Am 26. September wird aus drei verbliebenen Bewerbern der Kandidat bestimmt. Das will und kann München:
Die Meldungen vom Wochenbeginn sorgten noch einmal für reichlich Genugtuung. „Bayern und Sportevents sind ein perfektes Match“, sah sich auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bestätigt und verwies stolz auf die Bekanntgabe, wonach die Landeshauptstadt München 2028 das Endspiel der Fußball-Champions-League ausrichten darf und drei Jahre später auch noch Gastgeber der Weltmeisterschaften der Leichtathleten sein wird.
Geht es nach Söder, wird das alles jedoch nur ein erstes Stelldichein vor dem ganz großen Coup sein. Zum zweiten Mal in der Geschichte sollen Olympische Sommerspiele in München stattfinden. Bei der Bewertung ihrer Bewerbung werden die beiden jüngsten Akquise-Erfolge jedoch keine Auswirkungen haben – zumindest nicht im Rahmen der Evaluierung, da die Kommission nur einfließen ließ, was bereits in den am 4. Juni abgegebenen Unterlagen stand. Unter dem Beurteilungspunkt „Internationale Strahlkraft im Kontext Sport“ werden ohnehin nur Events der Jahre 2006 bis 2025 berücksichtigt.
Gleichwohl dürften die beiden erhaltenen Großveranstaltungen auch bei den Wahlberechtigten noch einmal den Eindruck Bayerns und Münchens als verlässliche Partner verstärkt haben: politisch gut vernetzt in der Welt des Sports und routiniert in der Durchführung von Veranstaltungen. Zweifel über Kompetenz und Umsetzbarkeit scheinen in München nicht angebracht. Die Favoritenrolle für das kommende Wochenende ist ohnehin vergeben, seit im Oktober 2025 66,4 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für die Olympiabewerbung votierten. Der Spitzenwert bedeutete einen fulminanten Start für München und die gesamte deutsche Bewerbung. Auch diesbezüglich war auf München Verlass.
Deutsche Konkurrenten würden aus der Nachbarschaft stammen
Ein weiterer Pluspunkt: Beim DOSB geht man aktuell davon aus, dass es bei der Vergabe der Spiele für 2036 und 2040 keinen interkontinentalen Wettbewerb geben wird. Demnach werden die Veranstaltungen in Katar und Europa stattfinden. Offen sei lediglich noch die Reihenfolge. Die deutschen Konkurrenten würden dann aus der Nachbarschaft stammen.
Mit dem Erhalt der Leichtathletik-WM gingen die Münchener nun aus einem ganz ähnlichen Prozess als Sieger hervor. Der Leichtathletik-Weltverband vergab die Titelkämpfe 2027 nach Asien (Peking), 2029 erstmals nach Afrika (Nairobi) und hatte für 2031 einen europäischen Ausrichter favorisiert. Am Ende setzte sich München gegen die namhafte Konkurrenz aus Rom und London durch.
„Wir sind überzeugt, dass München 2031 alle Voraussetzungen für spektakuläre Leichtathletik-Weltmeisterschaften mitbringt“, lobte Weltverbandspräsident Sebastian Coe. Zunächst muss am kommenden Wochenende in Baden-Baden aber die nationale Hürde genommen werden. Bei der Evaluierung punktete München im Vergleich zu den beiden Konkurrenten primär mit seinen kurzen Wegen für Athleten, Zuschauer und Funktionäre. 90 Prozent aller Wettkampfstätten seien innerhalb von 30 Minuten vom Olympischen Dorf erreichbar oder maximal 30 Kilometer entfernt.
Dass nicht nur das ikonische Olympiastadion, sondern sämtliche Wettkampfstätten der Spiele von 1972 auch Teil des Konzepts von 2036 oder 2040 sind, sticht ebenfalls als besonderes Merkmal der Bewerbung heraus. Gelebte Nachhaltigkeit: Das Konzept enthält nur drei temporär benötigte Hallen für Handball, Volleyball und Bahnrad.
Blick auf den Olympiapark mit den diversen Sportstätten und den markant verglasten Dächern, sowie das Olympiadorf im Norden der bayerischen LandeshauptstadtStimmungsmäßig ist München ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Zumindest national wirken die bunten Bilder der European Championships 2022 immer noch nach. 1,4 Millionen Besucher erlebten damals ein zeitgemäß inszeniertes Großereignis mit begleitenden Breitensportangeboten, Kunst und Kultur. Die an elf Tagen in neun Sportarten durchgeführten Europameisterschaften wirkten wie ein gelungenes Mini-Olympia.
Die vielleicht einzige echte Schwäche liegt im Umland, das mit Standorten wie Nürnberg und Ingolstadt Teil der Bewerbung sein wird. Der DOSB, Politik und Wirtschaft möchten einen modernen, zukunftsorientierten Gastgeber, der das spiegelt, wofür das gesamte Deutschland stehen will – auch optisch und kulturell. Die wirtschaftliche und innovative Kraft Bayerns ist unbestritten. In vielen Disziplinen ist man bundesweit Vorreiter und Vorbild. Spitzenleistungen, die jedoch allzu oft im Widerspruch zum traditionellen, mithin provinziellen Image stehen, das das Bundesland hauptsächlich jenseits der Münchener Stadtgrenzen öffentlich produziert.
Laptop und Laser, ja, aber eben auch Lederhosen und ländliche Bierzelt-Kleingeistigkeit mit Radi und Rummtata. Und schuhplattlernde, lederbehoste Männer und Frauen im Dirndl entsprechen nicht den Bildern, mit denen sich Deutschland im In- wie im Ausland modern und weltoffen präsentieren will.
Gelingen kann der Spagat trotzdem, wie der FC Bayern seit Jahrzehnten erfolgreich zeigt und die Widersprüche in seinem Claim „Mia san Mia“ sogar kultiviert hat. „Wir wollen gemeinsam zeigen, dass München nicht nur eine Weltstadt mit Herz ist, sondern eine Weltsportstadt mit Herz“, sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer mit Blick auf Olympia in München. Gemeinsam mit Söder wird er am Wochenende nach Baden-Baden reisen.
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