Es wären historische Spiele. „Mit KölnRheinRuhr“, sagte kürzlich Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, „wären es die größten Spiele aller Zeiten.“ Und damit ist nicht Gigantismus im Sinne neuer, teurer, moderner Bauten gemeint. Das Olympia-Konzept der Region setzt hingegen stark auf Nachhaltigkeit und 100 Prozent bestehender und temporärer Bauten. Mit dem Superlativ meint Wüst die Zuschauerzahlen vor Ort und damit auch Stimmung und Spektakel. 17,6 Millionen Tickets gäbe es – das wäre eine olympische Rekordkulisse, selbst im Vergleich mit Los Angeles 2028. Dort wird mit 14 Millionen Tickets geplant.

Der Strahlkraft Berlins mitsamt der Vielzahl historischer Bauten und der olympischen, kompakten Tradition Münchens setzt NRW die Kraft und Sportbegeisterung einer gewachsenen Region mit insgesamt 15 Städten und Köln als Hauptaushängeschild entgegen. Die vermeintliche Schwäche einer geringeren internationalen Bekanntheit und der Bewerbung einer ganzen Region lässt man in NRW nicht gelten und hat auch deshalb Köln als sogenannte „Leading City“ in den Fokus gerückt. „KölnRheinRuhr muss sich nicht verstecken. Diese Region hat alles, was es für große Sportereignisse braucht: Wir haben so viele Menschen hier, können Großereignisse ausrichten und leben Sport“, sagt der fünfmalige Paralympics-Sieger Markus Rehm, der die Bewerbung unterstützt.

Der 38-Jährige weist auf einen weiteren großen Pluspunkt hin: „Wir hatten hier die größte Abstimmung über Olympische und Paralympische Spiele in der Geschichte mit mehr als 1,4 Millionen abgegebenen Stimmen und 66 Prozent Zustimmung von den Menschen in der Region.“ Das ist in der Tat die größte demokratische Legitimation, die es je gab.

Schwimmen auf Schalke, Inklusion als wesentlicher Teil

Durch die Verteilung auf viele Städte entstehen zwar auch Entfernungen, dezentral aber ist das Konzept nicht: eine große Stadiondichte, moderne, teils riesige Arenen, wodurch beispielsweise das Schwimmen in der Veltins-Arena geplant ist, dazu der Kölner Dom, die Rheinwiesen in Düsseldorf oder die Zeche Zollverein in Essen als Kulissen – die meisten Wettkampfstätten liegen innerhalb von 40 Kilometern, manche auch in Fußweite. Die nötige Infrastruktur dazwischen besteht, wird täglich von Tausenden Menschen genutzt und würde verbessert.

„Besonders ist“, sagt Rehm, „dass auch der Parasport eine riesige Bühne mit denselben Sportstätten bekommt. Von vornherein wird alles gemeinsam geplant.“ Inklusion ist ein wesentlicher Teil des Konzeptes. Bezogen auf den paralympischen Sport, so Rehm, werde schon jetzt weltweit auf die Region, gerade auf den Stützpunkt in Leverkusen, geschaut. Dass Nordrhein-Westfalen kürzlich ein großes Investitionsprogramm für den Sport aufgelegt hat, unabhängig von Olympia, unterstreicht zudem die generelle Bedeutung auch des Breitensports im Land.

Zwei Fechter kämpfen vor dem Schriftzug „JA“ auf der Rheinpromenade, im Hintergrund der Kölner Dom

Was nicht existiert: ein Leichtathletik-Stadion in entsprechender Größe. Es soll als modularer Bau im Kölner Norden entstehen – gemeinsam mit dem olympischen Dorf. Nach den Spielen soll beides umfunktioniert und Teil eines neuen Stadtquartiers mit sozialem Wohnraum werden. Die Arena-Form des Stadions soll dabei erhalten bleiben, der Innenraum ein Park werden und auf den Tribünen sollen im Anschluss an das ersehnte Großereignis Wohnungen, Büros, Geschäfte und soziale Einrichtungen Platz finden.

Den Kritikpunkt, das Athletendorf könnte durch die Verteilung der Sportstätten nicht für alle passend und sinnvoll sein, hat man aus der Welt geschafft, indem es sogenannte „Athletes Performance Center“ an den Sportstätten geben wird. Dort können Athleten kurz vor einem weiter entfernten Wettkampf schlafen, sodass insgesamt rund 95 Prozent der Teilnehmer im olympischen Dorf untergebracht werden können. „Dass dort derart viele Athleten gemeinsam leben, ist für uns Sportler ein Highlight“, sagt Rehm. „Dort wird das gelebt, was man sich weltweit wünscht.“ Der Kritik unter anderem des BUND an der Bebauung des Gebietes im Norden Kölns setzt man unter anderem eine nachhaltige und ressourcenschonende Planung entgegen.

„Nachhaltig und ressourcenschonend“, dazu eine Vision

Mit einem Umweltscreening durch die Sporthochschule Köln geht man beim Thema Nachhaltigkeit weiter als gefordert, um auch einem gewachsenen Anspruch in mehreren Jahren gerecht zu werden. „Ich fände es nicht mehr verantwortbar, wenn man so gigantische Spiele ausrichtet, ohne nachhaltig und ressourcenschonend zu planen“, sagt Rehm. „Nichts läge später brach. Vieles würde auch für den Sport und die Menschen in der Region aufbereitet werden. Der öffentliche Nahverkehr profitiert, ebenso die Barrierefreiheit.“

Rehm hat darüber hinaus eine Vision, die ihn umtreibt, einen großen Traum. „Ich wünsche mir, dass die olympischen und paralympischen Athleten näher zusammenrücken. Und das wünsche ich mir auch für die Spiele. Warum können wir nicht sagen: Die Abschlussfeier der Olympischen Spiele ist die Eröffnungsfeier der Paralympics?“ Seine weitergehende Idee: die Verbindung beider Events mit einer Mixed-Staffel bei der Feier. Acht Bahnen, acht Nationen, pro Nation zwei olympische, zwei paralympische Athleten. „Ich stelle es mir so vor, dass wir das olympische Feuer symbolisch im Staffelstab tragen und die Siegernation dann die Ehre hat, das Feuer wieder zu entzünden.“

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