Wyndham Clark hatte vor wenigen Wochen bei den US Open Scottie Scheffler in der Finalgruppe an seiner Seite und nun bei der BMW Championship Rory McIlroy. Beide Male startete er mit einem komfortablen Vorsprung auf die Golf-Superstars und musste zusehen, wie dieser dahinschmolz. Und beide Male war unübersehbar, wen die Zuschauer lieber gewinnen sehen wollten. Nicht ihn. Und dennoch hielt Clark stand.

Erst als am Sonntag in Bellerive alles vorbei war und die Trophäen der BMW Championship sowie der Western Golf Association neben ihm standen, wiederholte Clark mit einem breiten Grinsen die Bemerkung eines Freundes: „Darth Vader hatte mehr Spaß.“

Clark hielt dem Druck auf den letzten neun Löchern in Bellerive stand und akzeptierte seine Rolle im Golfsport. „Ich war bei fast allen meinen Siegen irgendwie der Außenseiter“, sagte er. Mit einem perfekten Eisen-5-Schlag hatte er das entscheidende Birdie vorbereitet und ließ zwei weitere folgen. Damit rettete er eine Even-Par-Runde von 70 Schlägen und sicherte sich mit drei Schlägen Vorsprung seinen dritten Sieg in diesem Jahr.

„Ich weiß, dass viele Leute mir das Leben schwer machen und lieber anderen die Daumen drücken“, sagte Clark: „Aber ich habe das Gefühl, dass ich inzwischen meinen Platz gefunden habe. Drei Siege in einer Saison sind das Beste, was ich je geschafft habe. Und das nach meinem schlechtesten Jahr überhaupt. Ich bin wirklich zufrieden damit, wo ich gerade stehe.“

Mit diesem Erfolg gehört Clark eindeutig zum Kreis der Kandidaten für die Auszeichnung als Spieler des Jahres. Zumal einer seiner Siege bei einem Major-Turnier gelang, doch wie schon bei den US Open in Shinnecock Hills wurde es am Ende nicht einfach.

Rory McIlroy hadert mit sich

Seinen Vorsprung von fünf Schlägen auf McIlroy verspielte Clark innerhalb von elf Löchern. Die letzte Stunde blieb hochspannend, bis Clark, der den ganzen Tag kein Birdie gespielt hatte, auf dem Par-3-Loch 16 auf McIlroys hervorragenden Abschlag antwortete. Sein Schlag mit dem Eisen 5 war ebenso stark. Clark lochte seinen Birdie-Putt aus etwas mehr als vier Metern, während McIlroys Versuch aus ähnlicher Distanz zur geteilten Führung vorbeiging.

„Ich hatte immer das Gefühl, dass ich einmal die Nase vorn haben musste, um Wyndham wirklich unter Druck setzen zu können. Aber das ist mir nicht gelungen“, sagte McIlroy nach seiner 69er-Runde, die ihm Rang drei einbrachte.

Clark musste in Bellerive nicht die Anfeindungen über sich ergehen lassen, die ihn in Shinnecock Hills getroffen hatten. Dort hatte das New Yorker Publikum Scottie Scheffler bei dessen Versuch unterstützt, den Karriere-Grand-Slam zu komplettieren, und dabei offen gegen Clark Stimmung gemacht.

In Bellerive rief lediglich ein Zuschauer „Ab in den Bunker!“, als Clark seinen Ball am Par-3-Loch 13 schlug. Ansonsten war die Unterstützung der Fans zwar klar auf McIlroys Seite, aber positiv und nicht derart ablehnend gegenüber Clark wie im Juni. Sein Fazit: „Natürlich hätte ich den Sieg lieber ungefährdet eingefahren, aber es war auch schön, wieder richtig Adrenalin zu spüren. Ich bin wirklich stolz darauf, dass mir das Turnier nicht entglitten ist.“

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