Für den Chef des Verbandes Pferdesport Deutschland waren die Reit-Weltmeisterschaften „ein neues Sommermärchen“. Eine halbe Million Zuschauer in Aachen und der unangefochtene Platz eins im Medaillenspiegel machten Dennis Peiler „glücklich und dankbar“. Und zudem optimistisch beim Blick auf die Olympischen Spiele in Los Angeles. Auch wenn es ein paar Sorgen gibt.
„Besonders beeindruckend ist die Breite dieser Erfolge über olympische, paralympische und nichtolympische Disziplinen hinweg“, schwärmte Peiler. „Wir haben insgesamt 20 Medaillen gewonnen. Das unterstreicht die Stärke des deutschen Pferdesports auf allen Ebenen.“ Die Mega-Medaillenbilanz der Reit-WM verspricht erneuten Olympia-Glanz wie zuletzt 2024 in Paris. Die Olympia-Qualifikation für Dressur, Springen und Vielseitigkeit gelang beim Medaillenrausch von Aachen quasi nebenbei.
Auch wenn der krönende Abschluss mit einer Einzelmedaille im Springen fehlte, war Bundestrainer Otto Becker begeistert und durfte sich am Sonntagabend daheim über die von Frau und Töchtern heimlich geplante Überraschungsparty freuen. „Team-Gold und im Einzel drei Paare in den Top Ten sind super“, kommentierte Becker. „Ich bin guter Dinge für die Zukunft.“
Das deutsche Team gewann in Aachen so deutlich und frühzeitig wie noch nie eine WM‑Mannschaft. Und Becker konnte es sich sogar leisten, den Olympiasieger Christian Kukuk nicht zu nominieren – der entsprechend sauer war. Den Bundestrainer bewegt jedoch mit Blick auf L.A. etwas anderes. „Es ist für uns natürlich immer das Schwerste, die Pferde im Land zu behalten“, sagte Becker im ZDF. Es werde „viel weggekauft“. Er erwarte „das extrem, gerade in den nächsten zwei Jahren“. Vor allem in den USA gebe es für den Pferdekauf derzeit viel Kapital.
Nicht nur der Name Viva Gold ist vielversprechend
In der Dressur hingegen drohen aktuell keine aufsehenerregenden Pferdeverkäufe. Und vor allem hat Rekordreiterin Isabell Werth neben ihrem in den Teamwertungen von Paris und Aachen erfolgreichen Gold-Pferd Wendy auch noch eine Zukunfts-Hoffnung im Stall. Bei der ist nicht nur der Name vielversprechend: Viva Gold.
Dressurreiterin Isabell Werth auf ihrem Pferd Wendy„Wir haben schon sehr gute Nachwuchspferde in der Pipeline“, sagte der Verbands-Chef. Bundestrainerin Monica Theodorescu habe „die im Blick und schon längst in ihrer Betreuung“, erklärte Peiler: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auf diesem Niveau auch in L.A. performen werden.“
Was wird aus Michael Jungs Ausnahme-Pferd Chipmunk? Das ist derzeit eine entscheidende Frage mit Blick auf die Vielseitigkeit in Los Angeles. Der Wallach, der mit vollem Namen fischerChipmunk FRH heißt und Jung in Aachen zu Einzel-Gold und Team-Silber trug, ist bereits 18 Jahre alt. Für die Zukunft des Pferdes habe er derzeit „gar keine Pläne“, sagte der viermalige Olympiasieger in Aachen. „Aber der wird immer besser.“
Deutschland fehlt trotz der Medaillen bei EM, WM und Olympia die Breite bei den Toppaaren, wie die Briten sie haben. Die gewannen in Aachen hoch überlegen Team-Gold und hätten mit einer B-Mannschaft wohl eine weitere Medaille geholt. Aber Peiler ist nicht bange und verweist auf den Nachwuchs.
„Wir haben ja mit Calvin Böckmann die U25-Weltmeisterschaft gewinnen können, die dieses Jahr das erste Mal stattgefunden hat“, sagte der Verbands-Chef. Und er verwies auf die Initiative „Road to LA“, die zum Ziel hat, die besten Vielseitigkeits-Pferde im Spitzensport für Deutschland zu halten und darüber hinaus perspektivreiche Nachwuchs-Pferde an Top-Reiter zu binden.
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