Der Mittwochabend bei der Schwimm-EM, das stand vorher fest, könnte aus deutscher Sicht spektakulär werden. Doppelsieg über 800 Meter Freistil? Sehr gut möglich. 1,57 Millionen TV-Zuschauer schalteten dann bei der ARD ein, um ab 18.25 Uhr die Übertragung aus Paris zu sehen. Beim wichtigsten Rennen aus deutscher Sicht schauten sie allerdings in die Röhre. Denn den Gold-Coup von Johannes Liebmann über 800 Meter Freistil, bei dem Sven Schwarz mit Silber einen deutschen Doppelsieg perfekt machte, gab es nirgends live zu sehen – das Unverständnis und der Unmut von Deutschlands Topschwimmern ist groß.

Das ist passiert: Nachdem ein Großteil des Finalabschnitts bereits absolviert ist, schaltet die ARD gegen 19.45 Uhr zur Leichtathletik-EM nach Birmingham. Von dort geht es um 20 Uhr pünktlich zur Tagesschau. Das 800-Meter-Finale startet allerdings um 20.03 Uhr. Knapp acht Minuten später sind Liebmann und Schwarz Europa- beziehungsweise Vize-Europameister. Dass zu diesem Zeitpunkt die Tagesschau läuft, scheint für viele noch verständlich zu sein.

Doch selbst in einem extra für die Schwimm-EM deklarierten Livestream auf „sportschau.de“ läuft das Finale nicht. Dort gibt es ebenfalls die Tagesschau zu sehen. Als die Nachrichtensendung dann vorbei ist, geht es mit der Leichtathletik weiter. Dabei hatte Moderatorin Christina Graf noch zum Start der Schwimm-Übertragung erklärt: „Johannes Liebmann ist heute das heißeste Eisen im Wasser über die 800 Meter Freistil. Das Ganze gibt es heute nach der Tagesschau in der Leichtathletik-Sendung bei uns.“

ARD zeigt das Finale fast anderthalb Stunden später

Aber selbst als Liebmann und Schwarz um 20.30 Uhr bei der Siegerehrung die deutsche Nationalhymne singen, ist vom Rennen immer noch nichts zu sehen. Erst kurz nach 21.30 Uhr, also knapp 90 Minuten nach dem Start, zeigt die ARD dann den Doppelerfolg im Hauptprogramm. Immerhin: Dort schauen 4,08 Millionen Menschen vor dem TV zu.

Johannes Liebmann (Mitte) mit Sven Schwarz (l.) und Zalan Sarkany

Die deutschen Topschwimmer sind trotzdem enttäuscht. Olympiasieger Lukas Märtens, der gemeinsam mit Liebmann in Magdeburg trainiert, sagt am Donnerstagmorgen nach seinem 200-Meter-Freistil-Vorlauf über den Erfolg seines Teamkollegen: „Ich habe es leider nur im Liveticker gesehen. Dass das nicht im TV übertragen wurde, ist eine absolute Schande, finde ich.“

Silberheld Schwarz erklärt: „Das ist schon ein Schlag ins Gesicht von Johannes und mir. Die Quote später am Abend zeigt ja, dass viele Leute das gerne gesehen hätten. Und das wiederum ist ein Trostpflaster. Im Endeffekt hatten wir extrem viel Pech mit der Tagesschau. Aber man hätte es ja direkt nachreichen können und nicht erst 90 Minuten später.“

So reagiert die ARD

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagt auf Anfrage: „Bei der produktionellen Planung der Livestreams von der Schwimm-EM in Paris ist uns ein Fehler unterlaufen, mit der Folge, dass die Wettbewerbe am gestrigen Abend mit der Freistil-Entscheidung über 800 Meter nicht live abgebildet wurden. Diesen Fehler bitten wir zu entschuldigen.“

Und weiter: „Wir hoffen, alle Interessierten haben den Wettbewerb, den wir dann am späteren Abend gegen 21.30 Uhr in voller Länge während unserer Live-Übertragung von der Leichtathletik-EM gezeigt haben, sehen können. Über vier Millionen Zuschauer haben zu diesem Zeitpunkt die Gold- und Silbermedaille von Johannes Liebmann und Sven Schwarz verfolgt. Für unsere nächsten Sendetage, an denen wir Leichtathletik in Birmingham und Schwimmen in Paris miteinander verbinden, haben wir vorgesorgt: Sowohl am Freitag als auch am Sonntag wird es einen Livestream vom Schwimmen bis zum Ende der Wettbewerbe geben.“

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