Marcel Rapp zog eine besondere Weisheit zurate, um seine Vergangenheit in Kiel zu beschreiben. „Keine Ahnung, wie viel noch von mir drinsteckt. Ich glaube, so sagt man ja, wenn man mal 100 Tage weg ist, dann ist es auch vorbei mit der Art und Weise, wie man Fußball gespielt hat. Von daher sind 100 Tage schon rum, deshalb sollte nicht mehr so viel Marcel Rapp drinstecken“, sagte der neue Trainer des FC St. Pauli vor seinem ersten Liga-Auswärtsspiel mit den Hamburgern, das ihn in die alte Heimat führt.
Am Freitag (18.30 Uhr/Sky) kehrt der 47-Jährige zu seinem Ex-Club zurück. Gleich am zweiten Spieltag der neuen Saison duellieren sich die beiden Nordclubs und ehemaligen Bundesligisten in der 2. Fußball-Bundesliga. „Klar ist es ein besonderes Spiel für mich“, sagte Rapp, der dort „eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit“ gehabt habe. „Ich freue mich auf einen guten Platz, die Atmosphäre wird auch gut sein, und es wird ein gutes Spiel werden.“
Zwischen Oktober 2021 und Februar dieses Jahres arbeitete Rapp als Coach in Kiel. Der gebürtige Pforzheimer prägte eine erfolgreiche Ära der Norddeutschen und bescherte dem Club durch den Aufstieg im Jahr 2024 einen der größten Vereinserfolge. Die Kieler waren der erste Club aus Schleswig-Holstein in der Bundesliga.
„Es wird eine Zeit sein, die ich nicht vergessen werde“, schwärmte er. „Wir haben den Verein auf ein anderes Level gehoben. Aber die Zeit ist vorbei, so ist das im Fußball, es geht weiter. Aber ich werde die Zeit nie vergessen.“
Durch Tim Walter ersetzt
Nach einem Jahr mussten Rapp und seine Kieler die Rückkehr in die 2. Liga antreten. Als der Tabellen-14. einige Monate später nur noch einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt lag, musste Rapp im Frühjahr gehen und wurde durch den früheren HSV-Coach Tim Walter ersetzt. „Ich kenne den Trainer Tim Walter deutlich besser als den Menschen Tim Walter“, sagte Rapp.
Beide waren in der Vergangenheit schon häufiger gegeneinander als Trainer angetreten. Walter sagte, dass sich beide schätzen würden. „Er war hier erfolgreich, hat seine Vergangenheit hier. Genauso wie ich in anderen Vereinen. Und damit hat es sich auch.“
Rapp ist bei den Hamburgern Teil eines enormen Umbruchs, denn nach dem Abstieg haben viele Leistungsträger den Club verlassen. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir wissen aber, dass der Weg noch andauern wird und wir noch ein paar Schritte zu gehen haben“, sagte er.
Am ersten Spieltag holten beide Clubs Unentschieden. Während der Bundesliga-Absteiger St. Pauli nicht über ein 1:1 gegen Greuther Fürth hinauskam, verspielten die Kieler bei Darmstadt 98 eine 2:0-Führung. Fin Bartels arbeitet mittlerweile als Scout für die Kieler – und spielte in der Vergangenheit für beide Clubs. „Gleich zu Beginn das erste Auswärtsspiel direkt in Kiel zu haben, ist natürlich schon ein gewisser Druck“, sagte der 39-Jährige dem „Hamburger Abendblatt“. „Ich bin selbst gespannt. Beide sind so für mich noch eine Unbekannte, deswegen wage ich da erst mal keine Prognose“, sagte Bartels.
Knapp 100 Kilometer mit dem Auto liegen zwischen beiden Arenen. Allerdings wird Rapp ein verändertes Holstein-Stadion vorfinden. Die Nordtribüne ist aktuell im Zuge der Umbauarbeiten der Arena nicht mehr vorhanden. Der Ex-Coach der Kieler dürfte sich trotzdem noch sehr gut auskennen.
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