Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat die geschlossene WM-Boykottdrohung der europäischen Fußballverbände ausdrücklich begrüßt. „Ich persönlich glaube, dass die Europäer noch gar nicht wissen, wie stark sie eigentlich sind. Einen Wettbewerb ohne Europäer kannst du in die Tonne treten“, sagte Hoeneß am Rande des Testspiels des FC Bayern beim Kreisklasse-Klub FC Rottach-Egern (15:0). Und weiter: „Wenn die Europäer wirklich einig sind und wenn sie konsequent daran arbeiten, wird Herr Infantino mit diesem Plan nicht durchkommen.“
Die 55 Mitglieder der Europäischen Fußball-Union hatten zuvor Einigkeit demonstriert und geschlossen einen Boykott angedroht, wenn die Fifa und Präsident Gianni Infantino nicht von ihrem geplanten Investorendeal abrücken. „Wir lehnen den Vorschlag der Fifa, Beteiligungsrechte an der WM und anderen Fifa-Wettbewerben auf private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ab“, hieß es von der Uefa.
Inzwischen hat auch der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Kontinentalverband Concacaf die Investorenpläne geschlossen abgelehnt. Das teilte der Verband nach einer gemeinsamen Sitzung mit. Einen Boykott drohten die Verbände in Nord- und Mittelamerika zwar nicht an. Sie äußerten aber hinsichtlich des fehlenden ordnungsgemäßen Verfahrens, der künstlich verkürzten Frist und des Fehlens jeglicher Prüfung oder Genehmigung durch die zuständigen Fifa-Gremien ihren Unmut und deutliche Kritik.
Hoeneß hat „spezielle Meinung“ zu Infantino
Hoeneß betonte, er könne mit dem klaren Statement von Sportvorstand Max Eberl „gut leben“. Dieser hatte unter anderem Ekel geäußert und gesagt, er schäme sich für den neuen Einfall der Fifa. Der Weltverband hatte mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils seiner kommerziellen Rechte etwa an der WM eine Milliardensumme einspielen zu wollen und künftig allen 211 Verbänden mehr Geld auszuzahlen.
Die Uefa stellt sich geschlossen gegen die Pläne der Fifa, Investoren stärker an Wettbewerben zu beteiligen, und bringt einen Boykott der nächsten Weltmeisterschaft ins Spiel. Sportökonom Christoph Breuer sieht darin den Schutz der wirtschaftlichen Interessen des europäischen Fußballs.Zu Infantino wollte sich der 74 Jahre alte Hoeneß nicht dezidiert äußern. „Ich habe ja eine spezielle, sehr starke Meinung. Aber es ist mir zu früh, die bekanntzugeben“, sagte der Bayern-Patron. Die Meinung sei „auf jeden Fall“ gegen Infantino, bestätigte Hoeneß auf eine entsprechende Nachfrage.
Es sei auch zu früh, über mögliche Nachfolger im Amt des Fifa-Präsidenten zu sprechen. Stattdessen äußerte Hoeneß seine Hoffnung, dass Europas größte Verbände eine Art Allianz schmieden und in dieser gemeinsame Interessen vertreten könnten.
Ehrenpräsident legt sich bei Eberl fest
Hoeneß äußerte sich auch zur Personalie Max Eberl. Nachdem er bezogen auf den Sportvorstand vor dem Pokalfinale im Mai noch von einer Tendenz „60 zu 40 für eine Verlängerung“ sprach, legte er sich nun fest. „Im Moment, glaub ich, hundert“, sagte der 74-Jährige auf Nachfrage, wie er es aktuell beziffern würde. Der Aufsichtsrat, dem Hoeneß auch angehört, entscheidet vermutlich im August, ob der bis 2027 laufende Vertrag von Eberl verlängert wird.
Hoeneß hatte mit seinen Aussagen im Vorfeld des vom FC Bayern gegen den VfB Stuttgart gewonnenen Pokalendspiels für reichlich Wirbel gesorgt. „Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich mich unheimlich über mich selbst geärgert habe“, sagte der Ehrenpräsident. Er sei „naiv“ gewesen, weil er dachte, dass das Interview erst Tage nach dem Spiel erscheinen würde.
„Aber offensichtlich haben meine Aussagen denen so gut gefallen, dass sie sie am Samstagmorgen schon in die Öffentlichkeit gebracht haben, und damit war natürlich Max, finde ich, vor dem Pokalendspiel nicht gut behandelt von mir und ich habe mich auch dafür entschuldigt.“ Eberl und Hoeneß wurden am Rande des Freundschaftsspiels im Gespräch gesehen. Eberl hatte am Tag zuvor bei der Frage nach der Verlängerung seines Vertrages darauf verwiesen, dass er da nicht der richtige Ansprechpartner sei.
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