Das Konfetti von der Decke, Pitbulls „Green Light“ aus den Boxen und mittendrin Luke Littler mit einem Pokal im Arm. Die Bilder am Ende der großen Turniere gleichen sich immer häufiger. So auch beim World Matchplay in Blackpool, dem nach der Weltmeisterschaft wichtigsten Turnier der professionellen Dartspieler.
Der 19-Jährige verteidigte seinen Titel aus dem Vorjahr durch ein 18:9 gegen Gerwyn Price und hat in Addition seiner 225.000 Pfund Siegprämie nun binnen zwei Jahren bei Ranglistenturnieren als erster Spieler der Geschichte mehr als drei Millionen Pfund eingestrichen. 3.143.500 sind es genau. Zum Vergleich: Der zweitplatzierte Luke Humphries kommt auf 1.008.000 Pfund.
Wer's tragen kann: Luke Littler und die Phil Taylor Trophy„So etwas Dominantes habe ich noch nicht gesehen“, sagte Deutschlands Top-Spieler Gabriel Clemens, der dem Spektakel als Co-Kommentator bei DAZN beiwohnte, über Littlers Leistungen bei diesem denkwürdigen Major-Turnier.
Das World Matchplay unterstrich einmal mehr, dass der junge Engländer in diesem Jahr nur noch scheinbar gegen den jeweils anderen Spieler auf der Bühne antritt. Es geht momentan nur noch um das Brechen von Rekorden – entweder die eigenen oder die der großen Darts-Legende Phil Taylor. Auch das Endspiel des World Matchplay war geprägt vom Versuch, die Bestmarken der Vergangenheit zu knacken. In diesem Fall ging es neben dem Rekordpreisgeld um drei Averages, also die mit drei Würfen durchschnittlich erreichte Punktzahl.
Zwei davon wurden an diesem 26. Juli aus den Büchern radiert. Littler spielte gegen Price einen Average von 111,53 und übertraf damit die 11,23 Taylors aus dem Endspiel 2013. Über das gesamte Turnier blieb Littler mit 111,5 mehr als fünf Punkte über dem Bestwert Taylors aus 2010. Lediglich dessen Maximal-Average von 114,99 in der ersten Runde 2010 hat nach wie vor Bestand.
Dafür legte Littler die Latte bei den geworfenen 180ern ein kleines Stück höher. 2025 hatte er mit 64 Maximums einen Turnierrekord geschafft, diesmal gelangen ihm zwei mehr.
Es ist beeindruckend, ihm dabei zuzuschauen, mitunter atemberaubend. Nur echte Spannung gibt es keine mehr, was manchen Fan dazu veranlasst, den großen Dominator nicht zu mögen. „Wer diesen Jungen ausbuht, macht etwas falsch. Er ist so gut und so wichtig für unseren Sport“, sagte Price nach seiner Niederlage, die sich bereits in den ersten Legs angebahnt hatte.
Littler spielt sechs Highfinishs
Littler lieferte ein 167er-Checkout zum ersten Break, nachdem Price zuvor 145 Punkte verpasst hatte: 3:1 für Littler, der eine 110 folgen ließ, mit 4:1 in die erste Pause ging und nach der Unterbrechung dank sechs perfekten Darts gleich das nächste Break hinlegte. Price wurde überrollt. In elf Darts stellte der Teenager auf 6:1 und hob seinen Average auf 115,57 Punkte – mehr als 1,5 Punkte über dem World-Matchplay-Rekord Taylors.
Nachdem Littler die 167 nur knapp auf dem Bullseye ausließ, kam der Waliser immerhin zu seinem zweiten Leg-Gewinn und anschließend sogar zum ersten Break. Mit 3:7 ging es in die zweite Pause.
Littler antwortete mit seinem vierten und fünften Highfinish, checkte erst 128 und dann auch noch 127 Punkte. Von seinen 13 Versuchen auf den Doppelfeldern waren es die Treffer acht und neun – beeindruckende Präzision, aber wer würde sich darüber noch wundern?
„Irgendwann werde ich wirklich noch zum Luke-Littler-Fanboy“, sagte auch Clemens, gemeinhin nicht für überbordende Euphorie oder gar Übertreibungen verdächtig, „und ich bin eigentlich einer, der eher für die Old-School-Spieler ist.“
Als Littler 85 Punkte zum 11:3 über das Bullseye checkte und bei einem Average von 118 angekommen war, konnte Price nicht anders, als nur noch ungläubig zu lachen. Bilder, wie man sie bereits im epischen Achtelfinale Littlers gegen Aspinall gesehen hatte. Da hatte der Superstar einen Durchschnitt von 113,68 geworfen.
Best of the Rest: Gerwyn Price war der beste menschliche Teilnehmer beim World Matchplay 2026In keinem seiner fünf Matches hatte er unter 109 Punkten gespielt: 109,53 zum Auftakt gegen Niko Springer, 113,68 gegen Aspinall, im Viertelfinale dann 109,57 gegen Josh Rock und im Halbfinale 110,88 gegen Dirk van Duijvenbode.
In den ersten 15 Legs gegen Price hatte Littler sich ganze fünf Aufnahmen ohne mindestens ein großes Triplefeld genehmigt und besorgte in 11, 14 und 12 Darts nun die Vorentscheidung zum 14:5.
Littler schien den Taylor-Rekord ausgerechnet im Finale zu knacken, zeigte in der Phase aber erstmals menschliche Züge. Ein minimales Nachlassen, das seinen Average auf 110 regulierte und Price die Chance zur Schadensbegrenzung bot. Der Waliser nahm dankend an und verkürzte auf 9:15. Ehe aber auch nur der Hauch eines Zweifels in den ikonischen Empress Ballroom einziehen konnte, reagierte „The Nuke“ mit einem 148er-Finish – es war bereits sein sechstes Highfinish – zum 16:9 und zog dann auch über die Linie.
Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.
„Es war eine der besten Wochen meines Lebens. Die Darts flogen gut“, sagte er und lieferte einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer, dass die Dominanz zumindest irgendwann auch mal ein Ende haben könnte: „Es sieht leicht aus, aber das war es nicht. Es ist hart.“
Auch beim World Matchplay der Frauen setzte sich die junge Topfavoritin am Ende durch. Beau Greaves sicherte sich die Siegprämie von 15.000 Pfund. Die 22-Jährige besiegte Fallon Sherrock in einem engen Match mit 6:5. Das entscheidende elfte Leg gewann sie in 15 Darts. Die Engländerin hat damit einen Startplatz beim Grand Slam of Darts und bei der Darts-Weltmeisterschaft im Dezember sicher.
World Matchplay, Ergebnisse
Erste Runde
- Josh Rock (NIR/8) – Luke Woodhouse (ENG) 10:4
- Stephen Bunting (ENG/9) – Niels Zonneveld (NED) 13:12 n.V.
- Luke Littler (ENG/1) – Niko Springer (D) 10:6
- Nathan Aspinall (ENG/16) – Joe Cullen (ENG) 10:5
- Chris Dobey (ENG/13) – Dirk van Duijvenbode (NED) 11:13
- Gary Anderson (SCO/12) – Ryan Joyce (ENG) 10:2
- Michael van Gerwen (NED/4) – Andrew Gilding (ENG) 10:6
- Jonny Clayton (WAL/5) – Damon Heta (AUS) 10:7
- Ryan Searle (ENG/11) – William O’Connor (IRL) 10:6
- James Wade (ENG/6) – Jermaine Wattimena (NED) 10:7
- Gian van Veen (NED/3) – Krzysztof Ratajski (POL) 10:6
- Wessel Nijman (NED/14) – Dave Chisnall (ENG) 10:5
- Ross Smith (ENG/15) – Kevin Doets (NED) 10:6
- Gerwyn Price (WAL/7) – Martin Schindler (D) 11:9 n.V.
- Luke Humphries (ENG/2) – Cameron Menzies (SCO) 7:10
- Danny Noppert (NED/10) – Rob Cross (ENG) 3:10
Achtelfinale
- Jonny Clayton (WAL/5) – Gary Anderson (SCO/12) 7:11
- Michael van Gerwen (NED/4) – Dirk van Duijvenbode (NED) 12:14 n.V.
- Luke Littler (ENG/1) – Nathan Aspinall (ENG/16) 11:8
- Josh Rock (NIR/8) – Stephen Bunting (ENG/9) 11:6
- Cameron Menzies (SCO) – Ross Smith (ENG/15) 2:1, Aufgabe Menzies
- Gian van Veen (NED/3) – Wessel Nijman (NED/14) 14:12 n.V.
- Gerwyn Price (WAL/7) – Rob Cross (ENG) 11:5
- James Wade (ENG/6) – Ryan Searle (ENG/11) 11:8
Viertelfinale
- Dirk van Duijvenbode (NED) – Gary Anderson (SCO/12) 16:13
- Luke Littler (ENG/1) – Josh Rock (NIR/8) 16:7
- Ross Smith (ENG/15) – Gerwyn Price (WAL/7) 12:16
- Gian van Veen (NED/3) – James Wade (ENG/6) 16:3
Halbfinale
- Luke Littler (ENG/1) – Dirk van Duijvenbode (NED) 17:5
- Gerwyn Price (WAL/7) – Gian van Veen (NED/3) 17:10
Finale
- Luke Littler (ENG/1) – Gerwyn Price (WAL/7) 18:9
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke