Es war anders geplant, doch bestimmte Lagen erfordern kurzfristige Änderungen bei der Disponierung. Ole Book, der neue Sportdirektor von Borussia Dortmund, verzichtete dann doch auf die Reise nach Japan, auf die sich die Mannschaft des Bundesligazweiten am Sonntag begab. Er hat halt viel zu tun – in Hinblick auf die Zusammenstellung des Kaders für die kommende Bundesligasaison.

„Natürlich hätten wir gerne schon einen Offensivspieler verpflichtet, aber wir müssen auch auf die Gesetze des Marktes achten und mit der Zeit gehen. Das Timing ist da entscheidend“, sagte Book am Samstag am Rande der 1:2-Testspiel-Niederlage der Dortmunder beim Drittligaklub Fortuna Düsseldorf. Damit ihm diesbezüglich nichts verrutscht, entschied sich der 40-Jährige, nicht nach Fernost zu reisen. Von zu Hause aus kann er schneller agieren und reagieren.

Jürgen Klopp ist offiziell als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorgestellt worden. „Er ist einfach einer, der es versteht, Menschen mitzureißen, Menschen zu begeistern“, sagt BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel.

Tatsächlich haben die Dortmunder bislang überwiegend Abgänge zu verzeichnen. Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan haben den BVB ablösefrei verlassen, Karim Adeyemi wurde für eine Sockelablöse von 22 Millionen an den FC Barcelona verkauft. Auch Cole Campbell, Julien Duranville und Kjell Wätjen, die schon länger keine Perspektive mehr unter Trainer Niko Kovač hatten, wurden veräußert.

BVB hat bisher nur Perspektivspieler verpflichtet

Demgegenüber stehen mit dem brasilianischen Linksverteidiger Kaua Prates (18) und dem ecuadorianischen Mittelfeldspieler Justin Lerma (18) zwei Talente schon länger als Zugänge fest. Sie gelten jedoch eher als perspektivische Verstärkungen und waren noch von Books Vorgänger Sebastian Kehl verpflichtet worden. Der einzige Einkauf, für den Book verantwortlich zeichnet, ist bislang Joane Gadou (19), ein französisches Abwehrtalent, das für knapp 20 Millionen von RB Salzburg kam.

So langsam tickt die Uhr, was weitere, dringend benötigte Verstärkungen angeht. „Wir arbeiten weiter fleißig und werden schon etwas hinkriegen“, sagte Kovac vor dem Abflug zur Marketingreise nach Japan. Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich insbesondere für den Kreativ- und Offensivbereich Alternativen wünscht. Nach Möglichkeit sollen noch ein Mittelfeldakteur mit Spielmacher-Qualitäten und ein Stürmer kommen.

Besondere Dringlichkeit wird deshalb der Causa Konstantino Karetsas eingeräumt. Der 18-jährige Grieche, der beim KRC Genk unter Vertrag steht, könnte die Lücke schließen, die Brandt hinterlassen wird. Anfang vergangener Woche war eine Dortmunder Delegation in Genk – allerdings ohne eine Einigung mit den Belgiern erzielen zu können. Das Problem: Da Karetsas noch bis 2029 gebunden ist, verlangt sein Noch-Arbeitgeber eine Ablöse von über 30 Millionen Euro – mehr als der BVB zumindest bislang bereit war, zu zahlen.

Köln verlangt 50 Millionen Euro für El Mala

Noch mehr Geduld dürfte bei Said El Mala gefragt sein, der perfekt die durch den Adeyemi-Verkauf frei gewordene Stelle im Angriff ausfüllen könnte. Die Kölner, bei denen der 19-Jährige noch bis 2030 unter Vertrag steht, wollen jedoch für den Nationalspieler mindestens 50 Millionen Euro Ablöse haben – deutlich mehr als das, was der BVB bislang offeriert haben soll. An El Mala waren und sind zudem noch eine Reihe weiterer Klubs interessiert.

Zunächst hatte der FC Brentford mit einem Gesamtpaket von etwas mehr als den geforderten 50 Millionen Euro (inklusive Ablöse und Boni) zwar den Geschmack der Kölner getroffen – nicht aber den von El Mala. Der Spieler entschied sich gegen einen Wechsel – wohl auch, so heißt es, weil er mit dem BVB liebäugelt. Zuletzt allerdings gab sich mit der AS Rom noch ein weiterer Interessent zu erkennen.

Es dürfte also ein längeres Pokerspiel um die Zukunft eines der hoffnungsvollen deutschen Offensivtalente geben. Ole Book dürfte noch einiges an Geduld aufbringen müssen.

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