Bei der Siegerehrung wirkte Wu Yize noch etwas unbeholfen. Nach einem kurzen Kuss auf seine Trophäe verlor der frischgebackene Snooker-Weltmeister im Konfettiregen gleich mal die chinesische Fahne von seinem Rücken. Ihm musste von seinen Eltern geholfen werden, sich das Symbol seines Landes wieder umzuhängen.

Am Snookertisch hatte sich Yize zuvor eiskalt präsentiert und sich auf dramatische Weise erstmals in seiner noch jungen Karriere die Krone seines Sports aufgesetzt. Der 22-Jährige setzte sich im englischen Sheffield in einem bis zum letzten Frame offenen Finale mit 18:17 gegen Lokalmatador Shaun Murphy durch. Gespielt wurde im Format „Best of 35 Frames“. Es war das erste Mal seit 24 Jahren, dass ein Finale über die volle Distanz ging.

Der Moment, als der Triumph des Wu Yize feststeht

„Ich glaube, entscheidend war der Glaube“, sagte der Gewinner unmittelbar nach dem größten Erfolg seiner Laufbahn. „Seit Jahren habe ich daran gearbeitet – und ich bin glücklich darüber, es ins Ziel gebracht zu haben.“ Yize hatte im Finale gegen Murphy ein Auf und Ab erlebt. Erst verspielte er eine 3:0-Führung, beendete den ersten Tag aber dennoch mit einem 10:7. Dann kassierte er fünf Frames in Folge, um die nächsten vier wieder auf seine Seite zu ziehen. Am Ende hatte der Chinese die besseren Nerven.

Im Interview wurde es dann emotional. Yize wandte sich mit einem Dolmetscher an seiner Seite an seine Eltern. „Meine Eltern sind die wahren Helden. Seit ich mich entschieden habe, die Schule abzubrechen, steht mir mein Vater zur Seite“, sagte der neue Weltranglistenvierte vor vollen Rängen im Crucible Theatre. Immer wieder wurden seine Eltern von den TV-Kameras eingefangen. Yizes Mutter wischte sich mehrfach die Tränen aus dem Gesicht. „Auch meine Mutter hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Sie sind meine Kraftquelle – ich liebe sie so sehr“, sagte er weiter über seine Eltern.

Yize ist der zweite chinesiche WM-Sieger in Serie

Yize ist der zweitjüngste Snooker-Weltmeister aller Zeiten, nur der Schotte Stephen Hendry war bei seinem Titelgewinn 1990 mit 21 Jahren noch jünger. Und er ist der zweite chinesische Titelträger in Serie. Yize folgt auf seinen Landsmann Zhao Xintong, der im Vorjahr Mark Williams aus Wales bezwungen hatte (18:12). Snooker, jahrelang eine britische Phalanx, wird mittlerweile von den Spielern aus Asien dominiert.

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„Plötzlich haben sich die Schleusen geöffnet“, sagte der sechsmalige Weltmeister Steve Davis über die beiden chinesischen Sieger in Folge. „Die Spielweise, die sie an den Tag legen, ist der Maßstab für die kommenden europäischen und britischen Spieler.“

Für den Unterlegenen Murphy bleibt der WM-Triumph 2005 der bislang einzige in seiner Karriere. Danach erreichte der Engländer noch vier Finals – verlor aber alle. „Ich hasse es, Recht zu behalten“, sagte Murphy. „Zu Beginn der Saison hatten wir ein großartiges Spiel in China, das ich irgendwie gewinnen konnte, und danach sagte ich, dass er eines Tages Weltmeister werden würde. Es ist einfach wirklich schade, dass es ausgerechnet heute passiert ist.“

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