Beim 60. Super Bowl rückt der Sport immer weiter in den Hintergrund. Im Wirbel um das diesjährige Line-up der Halbzeitshow stellt die Trump-Bewegung ein Alternativprogramm.

Der Super Bowl scheint sich dieses Jahr mehr zwischen den politischen Lagern als zwischen den Mannschaften auf dem Feld abzuspielen. Die angespannte Lage in den USA überschattet das sportliche Mega-Event, im Mittelpunkt der Diskussionen steht dabei besonders das Line-up der Halbzeitshow. So sehr, dass es in diesem Jahr sogar zwei davon gibt.

Performance auf spanisch beim Super Bowl

Der aus Puerto Rico stammende Sänger Bad Bunny wird die berühmte Halbzeitshow im Stadion in Los Angeles spielen. Dort will er, wie für den Sänger üblich, ausschließlich auf spanisch performen. 

Erst vor wenigen Tagen räumte Bad Bunny bei den Grammys ab, in einer seiner Dankesreden sprach er sich gegen die US-Einwanderungsbehöre ICE aus © Chris Pizzello / DPA

Angesichts der aktuellen Lage in den USA hatte der 31-Jährige eigentlich erklärt, keine Shows mehr auf dem US-amerikanischen Festland spielen zu wollen. Grund dafür sei die Sorge, dass ICE-Beamte vor den Konzerten lauern und eine Gefahr für seine lateinamerikanischen Fans darstellen könnten. Für den Super Bowl macht Bad Bunny jetzt allerdings eine Ausnahme.

Das gefällt dem Trump-Lager überhaupt nicht. Laut einer Umfrage der Quinnipiac University halten gerade einmal 16 Prozent der Republikaner Bad Bunny für eine gute Auswahl. Die NFL begründet die Entscheidung mit dem selbsterklärten Ziel, international wachsen zu wollen, insbesondere bei der lateinamerikanischen Fanbase. Dafür wäre Bad Bunny die perfekte Wahl, schließlich ist er aktuell der am meisten gehörte Künstler weltweit.

Trump-Lager sichtlich unzufrieden

US-Präsident Donald Trump selbst ist offenbar kein Fan, er bezeichnete den Puerto-Ricaner als eine "schreckliche Auswahl". Trump will dieses Jahr nicht zu dem Sport-Event nach Kalifornien kommen, es sei ihm "zu weit weg". Unabhängig von der langen Reise dürfte jedoch auch das weitere Line-up eine Rolle spielen.

Neben Bad Bunny soll nämlich auch die Rockband Green Day auftreten, deren Frontman Billie Joe Armstrong schon seit Jahren in der Öffentlichkeit gegen Trump austeilt. Anhänger des US-Präsidenten beschimpfen die Sportveranstaltung angesichts der angekündigten Musikacts als "Woke Bowl". In ihrem Ärger über das diesjährige Line-up hat die rechtspopulistische Bewegung "Turning Point USA" sogar ein Alternativprogramm ins Leben gerufen.

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Bei der "All American Halftimeshow" ruft die Organisation die Zuschauer dazu auf, die Super-Bowl-Übertragung in der Halbzeitpause abzuschalten und stattdessen die alternative Show in den sozialen Medien zu streamen. Die vom getöteten Aktivisten Charlie Kirk gegründete Bewegung wirbt damit, bei dem Event "Glaube, Familie und Freiheit" zu zelebrieren. 

Trump-Kumpel als Headliner der Gegenbewegung

Im Mittelpunkt des Spektakels steht der amerikanische Musiker Kid Rock, welcher seit Jahren erklärter Trump-Unterstützer und enger Freund des Präsidenten ist. Begleitet wird er von den Country-Künstlern Brantley Gilbert, Lee Brice und Gabby Barrett. "Wir wollen großartige Songs für Leute spielen, die Amerika lieben", sagte Kid Rock in einer Erklärung und stichelte dabei gegen den tatsächlichen Halbzeit-Performer.

Einen prominenten Fan hat die konservative Gegenveranstaltung jedenfalls schon: US-Vizepräsident JD Vance teilte die Ankündigung in den sozialen Medien und lobte dabei das "fantastische Line-up".

Aus dem demokratischen Lager muss die alternative Halbzeitshow vor allem Spott einstecken. Kaliforniens Gouverneur und Trump-Widersacher Gavin Newsom witzelte auf X über die "MAGA-Republikaner", die extra eine eigene Backup-Veranstaltung bräuchten, damit "ihre Gefühle nicht verletzt werden".

Kulturkampf stellt alles andere in den Schatten

Ob Bad Bunny die Bühne des Super Bowl für eine politische Botschaft nutzen wird, lässt sich nur schwer voraussagen. NFL-Boss Roger Goodell lobte den Erfolg des Sängers, betonte allerdings, dass der Super Bowl kein Ort für spaltende Äußerungen sei. Auch Bad Bunny habe das ihm zufolge "verstanden".

Die Vorbereitungen für das Finalspiel im Levi's Stadion in Santa Clara, Kalifornien sind bereits im vollen Gange © Jessica Christian / DPA

Selbst wenn der Künstler entscheiden sollte, sich politisch zu äußern, dürfte das für die Trump-Anhänger ohnehin keinen Unterschied mehr machen. Für die war allein die Ankündigung eines spanischsprachigen Headliners schon Provokation genug. Im Lärm des von den Republikanern ausgerufenen Kulturkampfes scheint der Sport und die Musik, um die es sich bei dem jährlichen Mega-Event sonst dreht, jedenfalls völlig unterzugehen. 

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