Er gewann zweimal die legendäre Streif, war auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als ihn im Dezember 2024 bei der Abfahrt in Bormio ein Sturz fast aus dem Leben riss. Cyprien Sarrazin (31) lag sechs Tage im Koma, hatte Hirnblutungen, die Schädeldecke musste aufgeschnitten werden. Das Loch war so groß wie drei Kreditkarten. Bis heute kämpft er um eine Rückkehr in den Weltcup. Ein Treffen beim legendären Hahnenkammrennen in Kitzbühel, 13 Monate nach seinem schlimmen Sturz.

Frage: Wie geht es Ihnen, wenn Sie hier die Strecke sehen?

Cyprien Sarrazin: Es sind viele Emotionen. Ich fühle mich gut, körperlich und geistig. Das ist das Wichtigste.

Frage: Vor einem Jahr haben Sie per Video-Botschaft einen Gruß nach Kitzbühel geschickt.

Sarrazin: Ja, das wollte ich unbedingt machen. Es war ein guter Moment, weil ich gerade ein MRT gemacht hatte und wusste, dass ich am Kopf und den Nerven keine bleibenden Schäden haben werde. Die Nachrichten in diesem Moment waren also endlich gut. Davor wusste niemand, ob ich wieder ein normales Leben führen könnte.

Frage: Normal war bis dahin für Sie auch, Skiprofi zu sein, die gefährlichsten Abfahrten der Welt zu fahren. Wird es das für Sie jemals wieder geben?

Sarrazin: Es gab nach dem Sturz Ärzte, die sagten: „Vielleicht erholen Sie sich nie wieder von den Folgen des Sturzes, den Sport können Sie vergessen. Und es wäre ein Wunder, wenn Sie wieder ein normales Leben führen könnten.“ Derselbe Typ sagte fünf Monate später: „Hey, wir sehen uns bei den Olympischen Spielen.“ Ich selbst habe nie gesagt, dass ich sicher zurückkehren werde. Ich fühle aber, dass es möglich sein könnte.

Frage: Gibt es eine Deadline?

Sarrazin: Ganz bestimmt. Wenn ich nächste Saison nicht zurück bin, ist es vorbei.

Frage: Hängt es am Kopf oder am Körper?

Sarrazin: Aktuell ist es eher der Körper. Ich hatte schon vor dem Sturz Probleme mit den Knien. Es war so schlimm, dass ich vor den Rennen keine Schwünge mehr gefahren bin. Das erste Tor im Rennen war die erste Kurve des Tages, davor bin ich nur gerutscht. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, ohne Schmerzen Ski zu fahren. Es tut sogar weh, wenn ich nur auf einem Stuhl sitze. Aber soll ich Ihnen etwas sagen? Vor drei Tagen war ich Langlaufen und es hat nicht wehgetan. (lacht)

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Frage: Und der Kopf? Denken Sie, Sie können dieses Risiko wieder eingehen, nachdem Sie erlebt haben, wie schlimm es ausgehen kann?

Sarrazin: Wenn es mir Spaß macht und ich so Ski fahre wie vor zwei Jahren, ist das ein Teil meiner Persönlichkeit und meines Lebens. Dann nehme ich dieses Risiko auch in Kauf. Ich fühle mich dabei so lebendig wie nirgendwo sonst und nichts kann das ersetzen. Aber wenn ich diesen Spaß nicht mehr fühle, werde ich sicher aufhören.

Frage: Welche Erinnerungen haben Sie noch an den Sturz?

Sarrazin: Ich kann mich an den Unfall nicht aus meiner Perspektive erinnern. Die Erinnerung reicht bis 40 Meter vor dem Sturz und setzt sechs Tage danach wieder ein. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich Skifahren noch genießen kann. Andernfalls wäre es pure Furcht.

Frage: War Ihr Sturz typisch für die schwere Strecke in Bormio oder hätte es so überall passieren können?

Sarrazin: Ich habe ja das Video vom Sturz gesehen, habe da keinen Fehler gemacht. Die Bedingungen auf der Piste waren nicht gut. Es war eisig und direkt danach sehr aggressiver Schnee und dazu noch diese Welle. Das kann aber überall passieren. Wir sind Abfahrer, das ist vielleicht der gefährlichste Sport der Welt.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) geführt und zuerst in BILD am SONNTAG veröffentlicht.

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