Am Ende einer anstrengenden Dienstreise mit neun Spielen binnen 18 Tagen stand für die deutschen Handballer eine Niederlage: Das 27:34 (16:18) im Finale der Europameisterschaft mochte für Kapitän Johannes Golla und Co. anfangs Schmerzen verursacht haben, nach einer Weile aber wird der Stolz über die Taten bei der Europameisterschaft überwiegen. Denn zum einen folgte die finale Pleite im Endspiel gegen die Überflieger aus Dänemark, denen derzeit nur schwer beizukommen ist. Und zum anderen durften die Mannen von Bundestrainer Alfred Gislason für sich reklamieren, dass sie den Weg zurück in die Weltklasse ihrer Sportart gefunden haben. Auch ohne errungene Goldmedaille.
Während bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren noch der undankbare vierte Platz stand und bei der WM 2025 nur der sechste Rang, hat die deutsche Auswahl nun endlich mal wieder etwas mitgebracht von einem der großen Turniere im Januar eines jeden Jahres. Und mehr noch: Diese Dienstreise war durchaus ein Statement an den Welthandball, dass hier ein Team herangereift ist, das bei künftigen Titelvergaben nicht mehr in der Rolle des Zuschauers sein wird, sondern in der des Mitfavoriten auf den Titelgewinn.
Mit einem Durchschnittsalter von 26,1 Jahren kann das deutsche Ensemble sogar noch einige Turniere in der aktuellen Besetzung bestreiten. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis der kontinentalen Titelkämpfe in Dänemark, Schweden und Norwegen.
Widerstandsfähig durchs Turnier
Eine andere besteht darin, dass der 18 Spieler umfassende Kader inzwischen auf einem derart hohen Niveau ist, dass Wechsel ohne Qualitätsverlust möglich sind. Ob das nun auf der Kreisläuferposition zwischen Golla und dem im Finale krank fehlenden Justus Fischer der Fall ist oder auf Halblinks zwischen Julian Köster und Marko Grgic oder in der Mitte zwischen Juri Knorr und Nils Lichtlein – derart viele Alternativen hatte Gislason in seiner sechsjährigen Ägide noch nicht annähernd beisammen.
Hinzu kommt eine andere, wegweisende Charaktereigenschaft innerhalb der Mannschaft. Sie zeigte in Herning eine ungewohnte Resilienz, trotzte erst dem historischen Vorrundenaus, siegte dann, als es drauf ankam, im abschließenden Hauptrundenspiel gegen Frankreich mit der besten Turnierleistung und behielt schließlich auch im Habfinale gegen Kroatien am Freitagabend recht souverän die Oberhand. War das Team um Weltklassekeeper Andreas Wolff in unschöner Regelmäßigkeit allzu oft am großen Druck zerbrochen, so zeigte es sich nun absolut widerstandsfähig – selbst im Finale, als es galt, zwei Rote Karten gegen Tom Kiesler und Jannik Kohlbacher zu verkraften.
Die gezeigten Leistungen sind definitiv ein wichtiger Treiber in Sachen Vermarktung und Imagesteigerung. In einem Jahr findet die Weltmeisterschaft in Deutschland statt, schon jetzt sind 180.000 Karten für das Turnier verkauft worden. Der Run dürfte anhalten, denn Deutschland wird dort wieder als Medaillenkandidat ins Rennen gehen. War man zuletzt in der Branche noch zwiegespalten darüber, ob der überraschende Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2024 eher dem Zufall (und dem Unvermögen von Dika Mem) geschuldet war, so steht der am Sonntagabend errungene zweite Platz für weitaus mehr: Es ist der nächste wichtige Entwicklungsschritt einer hochtalentierten Mannschaft.
Bei all diesen positiven Erkenntnissen wird die errungene Silbermedaille für die deutschen Handballer bald schon Gold wert sein.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke