Stellen wir uns kurz vor, dass – sagen wir – der FC Bayern mit Harry Kane ins neue Jahr geht, der beste Torjäger der Liga aber ohne Vertrag dasteht, weil der deutsche Ligaboss seit Wochen Einwände gegen Kanes Gehalt hat. Die Konkurrenz aus dem Ausland reibt sich derweil die Hände, überhäuft Kane mit verlockenden Angeboten.

So in etwa lief es bei Trinity Rodman ab. Ein irres Vertragshickhack zwischen Klub, Liga und schließlich auch noch Spielerinnengewerkschaft, das zum Krimi mit unbekanntem Ausgang wurde. Geht der zweifelsohne größte Star des US-Frauenfußballs, weil sich die Verstrickungen des Regelwerks nicht auflösen lassen? Topklubs, insbesondere aus England, winkten längst mit lukrativen Verträgen.

Nun aber ist offiziell, dass die 23 Jahre alte US-Nationalstürmerin mindestens bis 2028 der National Women’s Soccer League (NWSL) und vor allem ihrem alten Klub Washington Spirit erhalten bleibt. Mehr noch: Rodman wird zur bestbezahlten Spielerin der Welt, was Rodmans Agent Mike Senkowski von der Upper 90 Sports Group unverhohlen auf Instagram bekräftigte.

„The Athletic“, das Sportportal der „New York Times“, berichtet, dass ihre Unterschrift ihr einschließlich Prämien ein Gehalt von mehr als zwei Millionen Dollar pro Jahr bringen wird. Ihr Klub nannte es „einen der bedeutendsten Verträge in der NWSL und im weltweiten Frauenfußball“.

„Monumentaler Moment“, sagt Trinity Rodman

Bei Rodman flossen schon vor der Unterzeichnung des Kontrakts Tränen. Sie sei „erleichtert sowie gesegnet“, sagte sie: „Ich denke, das ist ein monumentaler und bahnbrechender Moment. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie es sich anfühlt. Natürlich wird jeder seine eigene Meinung dazu haben, aber das war mir eigentlich immer egal.“ Sie hoffe, betonte sie später im Interview mit ESPN, dass sie so etwas „wie die Türöffnerin“ sei, damit andere Spielerinnen in Zukunft ähnlich gut bezahlt werden wie sie.

Dem vorausgegangen war jedoch eine nahezu endlos scheinende Hängepartie. Ihr Vertrag war am 31. Dezember 2025 ausgelaufen. Wegen der Gehaltsobergrenze der NWSL von 3,5 Millionen Dollar pro Team konnte Washington mit der Konkurrenz aus dem Ausland nicht mithalten.

Deshalb einigten sich der Klub und Rodman Ende November auf eine kreative Lösung: Ein Vierjahresvertrag, mit dem sie zum Ende des Vertrags signifikant mehr verdient hätte. Liga-Kommissarin Jessica Berman lehnte den Deal aber ab, da er aus ihrer Sicht „gegen den Geist der Regeln“ verstieß. Die Liga warf Rodman zudem ein vorsätzliches Umgehen der Gehaltsobergrenze vor. Demnach soll sie ihr Salär vorzeitig kassiert haben.

Dagegen klagten Rodman und die Spielergewerkschaft NWSLPA. Die Gewerkschaft bezeichnete die Einmischung der NWSL in ein rechtmäßiges Vertragsangebot als „flagrante Verletzung“ der freien Vertragswahl der Spielerin und als Verstoß gegen „mindestens fünf Abschnitte des Tarifvertrags“.

Die „Rodman-Regel“ ebnete Trinity Rodman den Weg zur Vertragsunterschrift

Auch um ihr Aushängeschild nicht nach Europa zu verlieren, führte der Ligavorstand schließlich die sogenannte „Rodman-Regel“ ein. Die war bereits seit Monaten diskutiert worden, wurde aber aufgrund der Dringlichkeit von Rodmans ungewisser Zukunft vorangetrieben worden. Die High Impact Player Rule ist eine Ausnahmeregelung innerhalb der Bestimmungen zu der Gehaltsobergrenze. Sie erlaubt es den Mitgliedsklubs, das Gehaltslimit zu überschreiten, wenn Spielerinnen bestimmte Kriterien erfüllen, die sich „an ihrer individuellen Marktattraktivität“ orientieren.

„Ich hatte schon immer eine Vorstellung davon, wie mein Vermächtnis aussehen und weiterbestehen soll. Ich denke, das eröffnet amerikanischen Mädchen mit Träumen neue Möglichkeiten, und ich bin eine von ihnen und war eine von ihnen, und dafür bin ich sehr dankbar“, sagte Rodman nun. Zuvor galt die dreimalige Weltfußballerin Aitana Bonmatí vom FC Barcelona mit 1,6 Millionen Euro Jahresgehalt als bestbezahlte Fußballerin weltweit.

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Trinity Rodman gilt als Spielerin, die eine Inspiration für junge Mädchen in ganz Amerika ist, weil sie sich gut mit ihr identifizieren können. Sie ist eloquent, recht bodenständig und geht unbeirrt ihren eigenen Weg. Neben ihren herausragenden Offensivqualitäten wird Rodman aber insbesondere auch wegen ihres Glamours zum nahezu unverzichtbaren Kulturgut des Klubs gezählt. Sie ist Tochter der US-Basketballlegende Dennis Rodman und Michelle Moyer, der dritten Ehefrau der exzentrischen NBA-Ikone. Beide sind seit Langem geschieden.

Trinity Rodman hat ein überaus gestörtes Verhältnis zu ihrem Vater. Im Podcast „Call her Daddy“ sagte sie vor rund einem Jahr, der 64-Jährige sei „kein Vater. Vielleicht durch Blut, aber sonst nichts. Seine Stimme zu hören, ist schmerzhaft“. Ihre Mutter, ihr Bruder DJ Rodman und sie mussten phasenweise in einem Ford Expedition-Wagen leben, weil Dennis Rodman seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkam. „Vor der Scheidung hat mein Vater uns sogar finanziell geholfen. Er hat meiner Mutter Geld gegeben und uns ein bisschen leben lassen. Aber als die Scheidung kam, hieß es nur noch: „Fickt euch, Leute‘“, berichtete sie.

Trinity Rodman spielt seit 2021 bei Washington Spirit, sie kommt in der Nationalmannschaft bereits auf 46 Einsätze, bei Olympia 2024 in Paris gewann sie mit dem US-Team die Goldmedaille. Liiert ist sie mit dem US-Tennisprofi Ben Shelton. Beide machten ihre Beziehung im März des vergangenen Jahres publik. Shelton ist aktuell die Nummer neun der Tennis-Weltrangliste. Trinity Rodman nannte den 23-Jährigen ihren „Seelenverwandten“.

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