Portugals Nationaltrainer Paulo Pereira war kaum aufzuhalten. Wütend redete er nach dem Ende der EM-Hauptrundenpartie gegen Deutschland auf die Schiedsrichter ein. Auch mehrere Spieler machten ihrem Ärger nach der 30:32-Niederlage aus ihrer Sicht Luft. Beim Schiedsgericht an der Seitenlinie wurde ebenfalls wild diskutiert.
Was war passiert? Deutschlands Handballer führten wenige Sekunden vor Schluss mit 31:29, als Portugal den Anschlusstreffer erzielte. Torwart Andreas Wolff ließ sich Zeit beim Herausholen des Balles aus dem Tor, auch Kreisläufer Justus Fischer schlenderte gemütlich Richtung Mittelkreis. Beide wollten die Uhr herunterlaufen lassen, bloß keinen Ballverlust mehr riskieren. Mit noch fünf Sekunden zu spielen führte Fischer dann den Anwurf aus, fand Mitspieler Renars Uscins, der noch zum 32:30 traf.
Dieses letzte Tor sorgte dann auch für den Unmut der Portugiesen. Es hätte aus ihrer Sicht nicht zählen dürfen. „Mindestens ein Spieler befindet sich auf der anderen Seite, als er pfeift. Das ist ein Fehler. Er muss das Spiel unterbrechen und neu anpfeifen. Das war ein irreguläres Tor“, wütete Trainer Pereira beim dänischen TV-Sender TV2.
Eine ähnliche Sichtweise vertrat Rückraumspieler Rui Silva. „Das Problem ist, dass sich vor dem Pfiff des Schiedsrichters kein deutscher Spieler in unserer Hälfte befinden darf. Und dort standen zwei deutsche Spieler. Vielleicht kenne ich aber auch die Regeln nicht“, sagte er. Er kannte die Regeln gut genug. Tatsächlich standen sowohl Uscins als auch Miro Schluroff beim Pfiff der Schiedsrichter in der portugiesischen Hälfte. Das ist eigentlich nicht erlaubt.
Am Ausgang des Spiels hätte sich nichts geändert
Der Anwurf hätte also wiederholt werden müssen, das Tor hätte nicht zählen dürfen. Am Ausgang des Spiels hätte das aber wohl nichts geändert. „Eine Wiederholung des Abwurfs wäre zwar das korrekte Vorgehen gewesen, hätte jedoch nichts an der Ballbesitzmannschaft geändert“, hieß es in einem Statement des ausrichtenden Verbandes EHF.
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Dass die Deutschen den Ball noch verloren hätten und die Portugiesen ihrerseits zum Ausgleich gekommen wären – ist in fünf Sekunden Spielzeit mehr als unrealistisch. Im Endeffekt zielen Portugals Proteste also auf das Torverhältnis in der Hauptrunden-Gruppe ab, dass sich durch Uscins‘ Tor um einen Treffer verschlechtert hat. Zur Wahrheit gehört zudem: Ein portugiesischer Spieler befand sich bei Wiederanpfiff im Mittelkreis. Auch das ist nicht erlaubt.
Der Videobeweis, der im Handball regelmäßig zum Einsatz kommt, hätte in diesem Fall übrigens nicht angewendet werden dürfen, wie die EHF mitteilte. Die Situation falle nicht „unter die Bestimmungen der VR-Vorschrift Nr. 9 (Spielverändernde Situationen), die 7-Meter-Würfe, Strafen oder Entscheidungen umfasst, die zu einem Ballbesitzwechsel führen können“, hieß es in einem Statement.
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