Die Belohnung landete gleich mal in einem hohen Bogen in den Zuschauerrängen. Andreas Wolff war just zum „Man of the Match“ gewählt worden und bekam neben einem kleinen Banner mit entsprechender Aufschrift noch einen Ball überreicht. Den feuerte die deutsche Nummer eins im Tor gleich mal weiter Richtung der jubelnden Fans in der am Donnerstagnachmittag nur mit 6145 Besuchern gefüllten Jyske Bank Boxen von Herning.

Die Auszeichnung war durchaus folgerichtig. Denn neben dem famos aufspielenden Miro Schluroff konnte auch Wolff zum Auftakt der Hauptrunde bei der Handball-Europameisterschaft in Dänemark, Norwegen und Schweden beim 32:30 (11:11)-Erfolg über Portugal mit einer Weltklasseleistung aufwarten.

Insbesondere in der von beiden Seiten mit vielen technischen Fehlern versehenen ersten Halbzeit „hat uns Andi im Spiel gehalten“, sagte Kapitän Johannes Golla hinterher. Und Bundestrainer Alfred Gíslason setzte sogar zu einer für ihn ungewöhnlichen Lobrede an: „Andi war das ganze Spiel über super. An der Anzeigetafel stand, dass er 13 Bälle gehalten hat. Er hat aber laut unserer Statistik 16 gehalten. Und er hat die ganz wichtigen Bälle gehalten, wo es um viel ging, gerade von Außen mit Riesenwinkeln. Er hat extrem wichtige Bälle gehalten.“

Dann erinnerte der Isländer gar an den deutschen „Hexer“ im Kasten: „Ich glaube, Andi Thiel hat das mal gesagt: ‚Man muss nicht super viele Bälle halten, aber die ganz wichtigen.‘“

Andreas Thiel (heute 65 Jahre alt) war in den 1980er-Jahren ein Weltklassetorhüter gewesen und hatte sich den Spitznamen „Hexer“ erworben, weil er bisweilen außergewöhnliche Würfe nahezu unmenschlich hatte abwehren können. Wolff steht ihm 40 Jahre später in nichts nach. Wie schon beim schmerzhaften Viertelfinalaus vor einem Jahr bei der WM brachte er die Portugiesen mit mehreren spektakulären Paraden zur Verzweiflung.

Diesmal aber hatte Deutschland im Gegensatz zur Pleite bei der WM 2025 am Ende die Nase vorn. „Ich bin froh, dass wir das Spiel heute trotz eines ähnlichen Verlaufs gewinnen konnten“, erklärte Wolff. Portugal spiele extrem hart in der Abwehr und sei dann gut im Umschaltspiel. „Die beiden Costa-Brüder sind überragende Handballspieler, die trotz ihres noch jungen Alters Abwehrreihen im Alleingang auseinandernehmen. In Person von Kiko Costa haben sie heute gezeigt, warum es so schwierig ist, gegen sie zu spielen.“ Francisco Costa, genannt Kiko, traf zehnmal und war damit bester Torschütze des Spiels.

„Schnell in die Kabine kommen, essen und nach Hause fahren“

Dass Deutschland diesmal gewonnen habe, sei auch im Mitwirken von Schluroff begründet gewesen, der vor einem Jahr noch gefehlt habe, so Wolff. „Dank Miro Schluroff, der vorne die Bälle wirklich reingeschrotet hat, konnten wir das Spiel für uns entscheiden und nehmen einen sehr, sehr guten Start mit in die Hauptrunde“, sagte der Torwart in der ARD. Schluroff, der mit 134,10 km/h auch den bislang härtesten Wurf dieser EM abfeuerte, erzielte sieben Tore.

Dass seine Mannschaft nun sogar die Maximalausbeute von 4:0-Punkten erreicht hatte, mochte der 34-Jährige aber nicht überbewerten. „Wir haben noch drei weitere Top-Gegner vor uns, die vielleicht zwei besten Mannschaften der Welt kommen gegen Ende der Spieltage“, meinte Wolff. „Wir müssen schauen, dass wir uns jetzt gut auf die Norweger vorbereiten, schnell in die Kabine kommen, essen und dann nach Hause fahren.“

Gegen Norwegen geht es am Samstag (20.30 Uhr), ehe die beiden wohl schwierigsten Aufgaben auf Gíslason Mannen warten: Am kommenden Montag (20.30 Uhr) heißt der Gegner Dänemark und zum Abschluss der Hauptrunde geht es am Mittwoch (18 Uhr) gegen Frankreich.

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