Miro Schluroff stand maximal unter Druck. Er hatte angesichts des von den Schiedsrichtern angezeigten Zeitspiels keinen Pass mehr zum Mitspieler übrig, wurde zudem von drei Portugiesen attackiert. Der deutsche Rückraumspieler musste einen Notwurf nehmen. Er dribbelte nach rechts und zog den Ball um die gegnerische Verteidigung herum. Der Ball schlug mit 118,4 km/h perfekt unten am Pfosten ein, tickte von da an den Rücken des portugiesischen Keepers und ins Tor. Das Tor zum 25:23 war Ausdruck purer Willenskraft.
Schluroff vermittelte in diesem Moment das, was der deutschen Offensive zum Auftakt der EM-Hauptrunde so lange gefehlt hatte. „Wir haben in der ersten Halbzeit, glaube ich, kein einziges Tor aus dem Rückraum gemacht“, befand Bundestrainer Alfred Gislason nach dem 32:30-Sieg in der ARD. Der Angriff präsentierte sich im ersten Durchgang fahrig, produzierte einen Ballverlust nach dem anderen und konnte sich bei Torwart Andreas Wolff bedanken, dass ein Sieg beim Zwischenstand von 11:11 überhaupt noch in Reichweite war.
„Dann kam Schluroff rein, auch Uscins taute auf und Lichtlein hat das Spiel sehr gut geleitet“, sagte Gislason über das, was sich nach der Pause änderte. Vor allem erstgenannter stand sinnbildlich für die Leistungssteigerung. Schluroff schaffte es auf sieben Treffer und war damit Toptorschütze, obwohl er erst nach der Pause seine Einsatzzeit bekam. Gislason bewies mit seiner Hereinnahme ein gutes Händchen.
Der Mann des VfL Gummersbach steht für pure Wurfgewalt, führt mit 134,10 km/h immer noch die Statistik für das schnellste Tor bei dieser EM an (aufgestellt gegen Serbien). Mit genau dieser Qualität weckte er Deutschland immer wieder auf, als das Spiel in die andere Richtung zu kippen drohte. So auch bei umgeschriebenen 25:23. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt in Unterzahl, Portugal hätte theoretisch im nächsten Spielzug ausgleichen können. Schluroff aber hatte etwas dagegen.
Sonderlob von Andreas Wolff
Sonderlob für den EM-Debütanten im linken Rückraum gab es hinten. „Dank Miro Schluroff, der vorne die Pille wirklich reingeschrotet hat, konnten wir das Spiel für uns entscheiden und nehmen einen sehr guten Start mit in die Hauptrunde“, sagte Torwart Wolff, der Schluroff durch seine vielen guten Paraden den Titel als Spieler des Spiels wegschnappte.
Schluroff wollte den Sieg ohnehin nicht auf seine Person reduziert wissen. „Ich finde, wir haben einen unfassbar tiefen Kader, das hat man heute wieder gesehen. Erste Halbzeit hat nicht alles funktioniert: Die Abwehr war top, der Torwart war top, der Angriff hat gehakt. Da konnte ich heute in der zweiten Halbzeit zum Glück helfen. Nils (Lichtlein, d. Red.) war auch super. Im nächsten Spiel sind es dann wieder andere, die helfen“, sagte der 25-Jährige.
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Einen Makel erkannte Bundestrainer Gislason im sonst so starken Spiel des 25-Jährigen übrigens auch noch. „Mit dem Wurf, den er hat, ist sein Fehler meistens, dass er zu nah an die Abwehr geht. Auf neun Metern muss er nur das Tor treffen, den Ball kann mal als Torwart nicht sehen“, sagte er.
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