Die Erkenntnis, es nicht geschafft zu haben, nagt an Xabi Alonso. Seine Entlassung nach nur sieben Monaten als Trainer von Real Madrid nach der Pleite im Supercopa-Finale gegen den Rivalen FC Barcelona (2:3) ist die erste große Niederlage seiner Karriere. Als Spieler hat er alles gewonnen. WM, EM, Champions League. Als Trainer erschien er magisch.
Mit Real Sociedad B schaffte er den Aufstieg in die zweite Liga Spaniens, eine Sensation. Bei seiner zweiten Station führte er Bayer Leverkusen zum ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Ungeschlagen dazu. Einmalig in der Geschichte der Bundesliga. Danach gab es nur noch ein Ziel: Real. Als das Angebot kam, zögerte er anfangs, sagte aber zu. Gegen innere Zweifel. Er kannte die Schwierigkeiten bei den Königlichen, die Star-Hörigkeit. Er dachte, er könne sie in den Griff bekommen. Eine Fehleinschätzung.
Nun will Florentino Pérez seinen nächsten Wunschtrainer ködern. Jürgen Klopp soll es ab Sommer sein. Aufsteiger mit Mainz, Meister mit Dortmund, Champions-League-Sieger mit Liverpool. Ein Menschenfänger. Derzeit unter Vertrag beim Red-Bull-Konzern. Ob er widerstehen kann, wenn die Königlichen Ernst machen?
Gleich zu Beginn nahm Alonso Niederlagen im Kauf
Sicher wird sich der erfahrene Anführer nicht auf Kompromisse einlassen wie Alonso. Schon in dessen ersten konkreten Gesprächen mit Klub-Patron Florentino Pérez nahm er Niederlagen in Kauf, die er bei keinem anderen Verein akzeptiert hätte.
Bei der Kaderplanung wurden seine Wünsche abgelehnt, bevor er unterschrieben hatte. Ein zentraler Mittelfeldspieler, der nach den Abgängen von Toni Kroos 2024 und Luka Modrić 2025 wieder Spiel und Mannschaft ordnet? No! Ein echter Mittelstürmer, der Real seit dem Abgang von Karim Benzema im Sommer 2023 fehlt? Keine Chance!
Der erste Arbeitstag war der nächste Rückschlag. Alonso wollte ursprünglich erst zum Start der Vorbereitung auf die neue Saison einsteigen. Pérez erwartete, dass er die Mannschaft zur Klub-WM im Sommer übernimmt. Alonso knickte ein. Ein 0:4 im Halbfinale gegen Paris schwächte ihn, bevor es richtig losgegangen war.
Die Stars wie Vinícius Júnior hatten keine Lust auf sein automatisiertes Spiel. Intensives Training, klare Ansagen und feste Abläufe auf und neben dem Platz störten sie noch mehr. Es kam vor, dass einige der verwöhnten Kicker schon mal auf dem Trainingsplatz fehlten, obwohl sie auf dem Gelände waren. Ein Zwicken hier, ein Ziehen da. Am Vortag ging es noch.
In Leverkusen arbeiteten sie miteinander, bei Real nicht
Konsequent durchgreifen durfte Alonso nicht. In Leverkusen steuerte er die Mannschaft über Trainingsleistung, Qualitätsanspruch und Disziplin. Für jede Handlung hatte er Rückendeckung bis in die Spitze des Vereins und auch des Bayer-Konzerns. Klub-Boss Fernando Carro, Sportchef Simon Rolfes, Kader-Manager Kim Falkenberg – alle arbeiteten Hand in Hand mit Alonso. Für die geordneten Alltags-Abläufe hatte er mit Thomas Eichin einen Kabinen-Sheriff. Stars wie Florian Wirtz, Granit Xhaka und Alejandro Grimaldo waren seine Verbündeten.
In Madrid hätte Alonso, so das Versprechen von Pérez zu Beginn, eine neue Ära einleiten sollen. Die Spieler an der kürzeren Leine führen. Eine strukturierte Spielphilosophie einführen, wie sie bei PSG, Manchester City, Liverpool oder Bayern München als Basis des Erfolgs gilt. Alonso hätte alles machen dürfen – solange er jedes Spiel gewinnt.
Der Saison-Start mit 13 Siegen aus den ersten 14 Spielen gab ihm Rückenwind. Alonso leistete sich einen Machtkampf mit Vinícius, um den Brasilianer zu disziplinieren – oder loszuwerden. Da spürte er Pérez, den Präsidenten der Stars, an seiner Seite. Als die Siege weniger und die Spiele schwächer wurden, änderte sich das. Im Herbst hangelte er sich von Spiel zu Spiel. Statt die vielen Einzelkämpfer auf Linie zu bringen, musste er sich ihnen anpassen, um bleiben zu dürfen.
Real hatte ihn gefressen. Alonso verbog sich. Und scheiterte. Die Entlassung war am Ende eine Befreiung für ihn. Der Tag überraschte. Die Tat nicht. Der Weltstar empfand es als Ehre, für diesen Klub zu arbeiten. Aber er hatte in den letzten Wochen keinen Spaß. Es war nicht das, was er machen wollte. Laufen lassen, um zu überleben, statt täglich zu verbessern.
Alonsos Vorteil: Er ist bereit zu lernen. Die sieben Monate waren eine harte Schule. Sie werden ihn wahrscheinlich zu einem noch besseren Trainer machen. Zu einem kompromissloseren auf jeden Fall.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in „Sport Bild“ veröffentlicht.
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