Die Bühne im Alexandra Palace ist bereits abgebaut. Nach insgesamt 24 Kalendertagen haben die besten Dartspieler der Welt mit dem siegreichen Titelverteidiger Luke Littler ihren Champion ermittelt. Die 33. WM der Professional Darts Corporation (PDC) ist Geschichte, Fans und Spieler reisten ab. Eine aber ist im altehrwürdigen Gemäuer in Londons Norden geblieben: die Ally-Pally-Wespe.

Spätestens als sie beim Finalabend am Samstag noch einmal einen letzten großen Auftritt hatte und mit ihrem Besuch auf der Bühne sogar für eine kurze Unterbrechung des Endspiels zwischen Littler und Gian van Veen sorgte, war das Thema gesetzt. Zahlreiche TV-Zuschauer saßen vor dem Bildschirm und fragten sich beim Blick in den verschneiten Garten, wo Anfang Januar plötzlich die Wespe herkommt.

Seit langer Zeit ist sie das inoffizielle Maskottchen der Darts-WM und inspirierte schon viele Fans zu entsprechender Kostümierung. Im Endspiel wurde sie dieses Mal sogar mit Sprechhören besungen. Der übertragende Sender Sky hatte der Wespe zudem ein eigenes Highlight-Video gewidmet.

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So oft wie in diesem Jahr war sie allerdings noch nie aufgetaucht. Vergingen früher auch mal mehrere Turniere ohne einen einzigen Auftritt des Insekts, wurde sie beim am Samstag beendeten Turnier zum täglichen Gast. Mal setzte sie sich aufs Board, mal nervte sie die Schiedsrichter.

In ihrem Fokus aber vor allem: die Spieler. Der Niederländer Jurjen van der Velde präsentierte sich bei seiner WM-Premiere am besten vorbereitet und brachte extra ein Insektenspray mit auf die Bühne. Und Lourence Ilagan (Philippinen) wird womöglich immer noch keine Ruhe gefunden haben, so sehr hatte ihn das Insekt bei seinem Erstrundenduell mit Nathan Aspinall verschreckt.

Die Fans hingegen feierten jeden ihrer Auftritte belustigt, während mancher Experte der PDC Unprofessionalität vorwarf und ein Ende der störenden Bühnenflüge forderte.

Licht und Hitze auf der Darts-Bühne entscheidend

Klar ist, dass es sich bei dem Phänomen nicht um eine einzige Wespe (und schon gar keine Bienen) handelt. Doch am Ende stand und steht die Frage, weshalb die Tiere überhaupt die Dartspieler heimsuchen. Das Thema gewann an Größe, so dass die BBC nun einen Experten zurate zog. Und Professor Seirian Sumner von der University College London hatte so einiges zu berichten.

„Normalerweise begegnet man zu dieser Jahreszeit keinen Wespen. Es ist absolut ungewöhnlich“, stellte er klar und traf eine Ableitung: Da Arbeiter-Wespen im November und Dezember das Zeitliche segnen, könne es sich nur um Königinnen handeln. Diese suchen sich Ende Herbst frisch begattet einen trockenen und warmen Platz zum Überwintern, um dann im Frühjahr ihre Eier zu legen und ein neues Volk zu gründen.

Der im Jahr 1873 eröffnete Alexandra Palace, der inmitten des 79 Hektar großen Alexandra Palace Parks mit Gärtnereien und geschützten Bereichen liegt, bietet sich mit seinem alten Mauerwerk und vielen ungenutzten Winkeln offenbar als naheliegende Bleibe für die Tiere an.

Dass die Königinnen dann während der WM auftauchen, liege daran, „dass sie die Räumlichkeiten nutzen und sie die Wärme während des Turniers früher aufweckt, als es die Natur tun würde“, vermutet Sumner: „Sie werden dann von dem Licht und der Wärme angezogen und landen schließlich auf der Bühne.“

Die Häufigkeit leitet der Wissenschaftler daraus ab, dass es in diesem Winter einfach mehr Wespen gebe. „Wir hatten in letzter Zeit eine recht milde Periode“, sagte er der BBC.

Insgesamt wertet er die Beobachtungen der vergangenen Wochen positiv. „Es ist eine absolut großartige Nachricht, dass es in Ally Pally eine so gesunde Wespenpopulation gibt, denn sie leisten einen wirklich wichtigen Dienst in den Parks und Gärten der Umgebung.“

Den Mythos der Ally-Pally-Wespe hat es ebenfalls weiter verbreitet. Das Insekt ist Kult und genießt Legenden-Status, dessen Ausmaß mittlerweile wohl am besten mit einem Zitat aus der deutschen Darts-Comedy „Die Wespe“ beschrieben werden kann: „Halb Mensch, halb Halbgott.“

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