Da war Miron Muslic, was ihm in dieser Saison selten passiert, offenbar ein taktischer Fehler unterlaufen. „Die Jungs sind in der Kabine schon komplett durchgedreht und haben ‚drei Tage frei‘ gesungen“, erklärte der Schalker Trainer nach dem 2:1 (1:1) im Spitzenspiel gegen den SC Paderborn. „Ich habe mitgesungen und ich glaube, das war ein Fehler. Ich muss mir das noch gut überlegen“, so Muslic. Natürlich lächelte er, als er dies sagte. Aber wahrscheinlich wird er jetzt tatsächlich nicht darum herumkommen, den Spieler ein paar Tage freizugeben.
Es ist schwer, sich der positiven Stimmung, die derzeit auf Schalke herrscht, zu entziehen. Am Freitagabend eroberte die Mannschaft die Tabellenführung in der zweiten Liga. Nach dem Schlusspfiff der Partie gegen den bisherigen Spitzenreiter tanzten die Spieler vor der Nordkurve – und Muslic war mittendrin. „Jeder Einzelne ist bereit, sich für Königsblau zu zerreißen, alles reinzuhauen, alles zu investieren – und dann dürfen wir in die Kurve gehen und gemeinsam singen, springen und tanzen“, sagte der Trainer.
Die von ihm gepredigten Tugenden waren auch für den bereits zehnten Sieg im 14. Saisonspiel ausschlaggebend. Die Schalker ließen einfach nicht locker, auch nicht nach Rückschlägen. Nach zehn Minuten hatte der VAR einen bereits gegebenen Strafstoß für die Gastgeber wieder einkassiert. Selbst die Paderborner Führung durch Laurin Curda (38. Minute) ließ keine Selbstzweifel aufkommen. Schalkes Kapitän Kenan Karaman schaffte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit den Ausgleich.
Nach dem Wechsel entwickelten die Schalker, denen trotz ihrer starken Saison öfter der Vorwurf gemacht worden ist, spielerisch limitierter als andere Spitzenteams zu sein, dann totale Dominanz. „Und das sage ich ganz klar, weil es unheimlich schwierig ist, so eine physische, so eine schnelle Mannschaft so unter Druck zu setzen, so viele Tormöglichkeiten herauszuspielen, wie wir es getan haben“, so Muslic. Nach 86 Minuten gelang es endlich, in Führung zu gehen. Der erst zehn Minuten zuvor eingewechselte Bryan Lasme überlupfte Paderborns Keeper Dennis Seimen gekonnt zum 2:1.
Schallenberg erinnert sich an Krisen der Vergangenheit
„Wir stehen zu Recht oben, weil wir vieles gut machen. Trotzdem gilt es, bodenständig, bescheiden zu bleiben“, sagte Ron Schallenberg. Der Mittelfeldspieler kann sich noch gut an die fast schon permanenten Krisenszenarien der vergangenen Jahre erinnern. „Es sah hier auch schon ganz anders aus. Von daher bin ich weit davon entfernt, jetzt durchzudrehen“, so Schallenberg.
Vor zweieinhalb Jahren war er von Paderborn nach Schalke gewechselt. Seitdem gab es sechs Trainerwechsel, inklusive Interimslösungen. Er sah Sportvorstände und -direktoren kommen und gehen. Vor allem erlebte er mehrfach, wie er und seine Teamkollegen ausgepfiffen, ja sogar verspottet wurden.
All das, so scheint es, ist Vergangenheit. Das hängt vor allem mit Muslic zusammen. Er hat es geschafft, dem Team eine klare Ausrichtung zu geben. Schalke verfügt über die beste Defensive der zweiten Liga. Es ist schwer, gegen die Königsblauen Tore zu erzielen. Nur achtmal gelang es in der laufenden Saison. Alles andere baut darauf auf. Mittlerweile spielt die Mannschaft auch immer besser Fußball – und träumt, nicht ganz unrealistisch, von der Rückkehr in die erste Liga.
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