Vincent Kompany war bester Laune und reagierte mit einem augenzwinkernden Satz. Auf der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel seines FC Bayern gegen den FC Augsburg am Samstag (18.3o Uhr, Sky) stellte sich Freitagvormittag ein junger Mann höflich und professionell als Praktikant eines Fernsehsenders vor, bevor er seine Frage an den Trainer der Münchner stellte.
Kompany ist in Belgien geboren und aufgewachsen, verbrachte viele Jahre als Spieler und Trainer in England. „Was heißt Praktikant?“, fragte der 39-Jährige den jungen Fragesteller daher. Dieser erklärte, es sei etwas Kurzfristiges, für ein halbes Jahr. „Ah, so wie ein Leihspieler ...“, entgegnete Kompany lächelnd und zwinkerte den Reportern vor ihm zu. Gelächter im Pressesaal der Klubzentrale an der Säbener Straße.
Montag endet die Transferperiode. Und der deutsche Fußball-Rekordmeister versucht weiterhin, einen Spieler zu leihen, als Topkandidat gilt der 24-jährige Angreifer Nicolas Jackson vom FC Chelsea. Bis vor Kurzem wollten die Bayern Nick Woltemade vom VfB Stuttgart kaufen. Der VfB aber ließ den Nationalstürmer nicht gehen, zumindest nicht für das Geld, das die Bayern boten. Nun wechselt Woltemade aller Voraussicht nach für rund 90 Millionen Euro zu Newcastle United.
„Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen“, sagte Bayerns Sportchef Christoph Freund, der neben Kompany auf dem Podium saß. „Wenn man sieht, wie viele Topspieler aus der Bundesliga in die Premier League gewechselt sind und welche Gelder da fließen – da sieht man, wie viel Geld dort im Umlauf ist.“
Der 23-jährige Woltemade wollte offensichtlich nicht bis Sommer 2026 warten, um (erst) dann den nächsten Karriereschritt zu machen, sportlich wie finanziell. Nach dieser Saison hätte ein Wechsel nach München klappen können, zumindest hatte FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß das zuletzt hoffnungsvoll durchblicken lassen.
Man führe generell Gespräche, „es ist nicht aus den Augen, aus dem Sinn. Es gibt einen Markt, es werden Dinge abgewogen. Am Ende ist es immer auch eine Entscheidung des Spielers“, so Freund am Freitag.
Auch Kompany äußerte sich zur finanziellen Power der Premier League. „Es geht natürlich auch ums Geld. Ich bin mit Burnley in die Premier League aufgestiegen. Dadurch haben wir deutlich mehr Fernsehgelder bekommen, von knapp 25 Millionen auf 100 Millionen“, so der Bayern-Trainer. „Ein Aufsteiger aus England würde in dem Bereich in der Bundesliga zu den oberen sieben, acht Mannschaften gehören. Die Bundesliga muss einen Weg finden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Christoph Freund: „Wir können es nicht kopieren“
Freund sieht weiterhin Chancen, Topspieler zu bekommen. „Bayern München ist ein sehr großer, sehr attraktiver Verein – die Jungs können hier Titel gewinnen, international spielen“, so der Sportchef. „Es ist immer die Entscheidung der Spieler, wo sie hingehen. Die Premier League hat auch große Argumente; finanziell spielen sie ein bisschen in einer anderen Liga. Wir als Bayern München sind aber auch sehr stark und sind uns unserer Rolle bewusst.“
Wie konkret kann die Bundesliga dagegenhalten? Was ist zu tun? „Wir müssen unseren Weg gehen, können es nicht kopieren“, sagte Freund. „Es gibt immer andere Vereine, die mit den englischen Klubs mithalten können, weil sie gut arbeiten. Es muss alles zusammen stimmen, das ist das Schöne im Fußball: Man kann sich durch andere Möglichkeiten das erarbeiten.“
Während Freund mit Sportvorstand Max Eberl auf dem Transfermarkt an einer Lösung für die Bayern arbeitet, liegt Kompanys Fokus auf dem Spiel gegen Augsburg. „Ich gehe immer davon aus, dass es für jede Mannschaft gegen Bayern ein Spiel ist, als ob es um einen Titel geht“, sagte der Trainer.
Er erwartet folglich eine schwierige Partie. „Das haben wir schon oft gemerkt. Man darf aber nicht unterschätzen, wie hungrig wir sind, wie viel Bock wir auf dieses Spiel haben. Wir haben sehr viel Qualität – aber wollen nicht nur für unsere Qualitäten beurteilt werden. Die Basis ist harte Arbeit, Kampfbereitschaft und Spieler, die bereit sind über die Schmerzgrenze zu gehen. Wir nehmen unsere Basis mit ins Spiel – das ist der Hunger auf Siege, auch in Augsburg.“
Es sei nie einfach auswärts in Augsburg. „Das hat seine Gründe“, so Kompany. „Es wird wieder ein interessantes Spiel werden.“
Julien Wolff ist Sportredakteur. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen und war auf der Pressekonferenz vor dem Augsburg-Spiel.
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