Bis zu 90 Millionen Euro für Nick Woltemade. Newcastle United wird sich den Wechsel der deutschen Sturmhoffnung richtig viel Geld kosten lassen. Es ist ein Transfer, der zeigt, wie gaga das Geschäft inzwischen ist. Und es ist ein nächster Dämpfer für den FC Bayern und die Bundesliga.
Jede fesselnde Geschichte hat eine dramatische Wende, die niemand erwartet hat. So gesehen ist die Transfer-Saga um Nick Woltemade Pulitzer-Preis-verdächtig. Der FC Bayern will ihn, Woltemade will nach München, aber der VfB Stuttgart will das nicht. Und plötzlich kommt ein lachender Dritter, schmeißt genügend Kohle auf den Tisch und schnappt sich den Begehrten.
Woltemade wird zu Newcastle United in die englische Premier League wechseln. Diese Berichte schlagen am Donnerstagabend ein wie eine Bombe. Den 23-Jährigen lässt sich Newcastle dem Vernehmen nach 85 Millionen Euro Ablöse kosten, weitere 5 Millionen Euro sollen im Erfolgsfall hinzukommen, heißt es. Bestätigt ist das alles noch nicht, aber die Masse der Quellen lässt keinen Zweifel.
Und auch der VfB Stuttgart bestätigte kurz vor Mitternacht, dass dem Klub kurz vor Ende der Transferperiode (Deadline 1. September, 20 Uhr) "das Angebot eines europäischen Klubs für einen sofortigen Transfer von Nick Woltemade zugegangen" sei. "Die Rahmenbedingungen dieses Angebots" hätten die Verantwortlichen veranlasst, Woltemade "vom Trainings- und Spielbetrieb freizustellen, um Gespräche mit dem Interessenten über einen möglichen Wechsel zu führen".
Newcastle verfügt über Saudi-Millionen
Das ist ein deftiger Nackenschlag für den FC Bayern. Der deutsche Rekordmeister wollte Top-Talent Florian Wirtz von Bayer Leverkusen holen. Der aber ging lieber zum FC Liverpool - für eine Ablösesumme von angeblich 150 Millionen Euro. Kurz trauern, Mund abputzen und auf den nächsten schielen, auf Woltemade, so die Devise beim FC Bayern. Doch der VfB Stuttgart will viel Geld für den Stürmer. 75 Millionen Euro sollen aufgerufen werden. Die Münchner aber wollen das nicht zahlen, bieten viel weniger. Zum Schluss wohl immerhin 63 Millionen Euro, doch der VfB winkt ab. Der Stuttgarter Vertrag von Woltemade, der sich mit den Bayern bereits einig gewesen sein soll, läuft noch bis 2028 und enthält keine Ausstiegsklausel. Da soll also ein Klub mit mehr Scheinen im Portemonnaie um die Ecke kommen. Bayerns Sportvorstand Max Eberl fragte nur leicht lästerlich: "Ist Woltemade 80 Millionen wert?"
Und als alle Beteiligten und alle Interessierten dachten, der Drops sei gelutscht, da kommt plötzlich ein Klub mit sehr vielen Scheinen im Portemonnaie um die Ecke: Newcastle United. Im Jahr 2021 ist dort der staatliche Investmentfonds PIF aus Saudi-Arabien als Geldgeber eingestiegen. Das Konsortium hat dem Verein seitdem ermöglicht, ein Transferminus von 500 Millionen Euro anzuhäufen. Da sind die 90 Millionen Euro für Woltemade noch nicht inkludiert. Mit diesem Background kann es sich der Klub leisten, mal eben alle hohen Forderungen des VfB zu erfüllen.
Der FC Bayern dürfte sich einigermaßen vorgeführt vorkommen, mindestens desillusioniert - wieder einmal: Wochenlang hechelte man ungewöhnlich öffentlich dem ersehnten Transfer hinterher, kabelte immer wieder frische Angebote nach Stuttgart, nur um immer wieder vor verschlossenen Türen zu stehen und sich Absage um Absage abzuholen. Es war ein Schauspiel, das den FC Bayern, der es für Jahrzehnte gewohnt war, zumindest national die Spieler zu bekommen, die er wirklich bekommen wollte, auf offener Bühne auf ein Maß zurechtstutzte, das noch weit von der eigenen Selbstwahrnehmung entfernt ist.
Am Tegernsee, von wo Patron Uli Hoeneß die ganz großen Linien des Klubs nicht mehr offiziell bestimmt, aber doch mindestens aufmerksamkeitsstark kommentiert, dürfte die Laune nach der Nachricht von gestern Abend auf dem Nullpunkt angekommen sein. Wenn der FC Bayern anklopft, löst das keine Eruptionen mehr aus und schon gar keine Kette an Selbstverständlichkeiten, bis das gewohnte Ergebnis dann eingetreten ist. Der Rekordmeister ist für deutsche Klubs nur noch ein Verhandlungspartner von ganz vielen.
Die Forderungen des VfB Stuttgart wollten sie dabei nicht erfüllen, der Klub wollte sich nicht mal zu echten Verhandlungen herablassen. Die Forderungen der Schwaben waren gewaltig. Und wohl nach den alten Maßstäben, die noch vorgestern galten, eigentlich überzogen. Denn Woltemade ist zwar zweifelsohne ein talentierter Stürmer, aber eben auch noch nicht mehr als das. Gerade mal eine gute Saison, eine gute Europameisterschaft - aber mit der U21 -, 105 Minuten für das A-Team des DFB, Pokalsieger. Das war's. Vor einem Jahr war nicht mal der VfB selbst von seinem Transfer so überzeugt, für den europäischen Wettbewerb nominierten die Verantwortlichen Woltemade jedenfalls nicht.
Coup für VfB Stuttgart, Schaden für Bundesliga
Es ist also durchaus ein Coup für die Stuttgarter, den Stürmer für so viel Geld zu verkaufen. Es ist vermutlich besser, einen Spieler, der eigentlich gar nicht mehr da sein will, ziehen zu lassen. Noch dazu wenn dieser erst einmal beweisen muss, dass er das Geld wert ist. Aber im modernen Fußball gibt es offenbar eben immer einen ausländischen Klub, der sich das gewagte Geschäft leisten kann.
Der FC Bayern, das wird hier einmal mehr offensichtlich, kann und will die irre Spirale nicht mitgehen. Die Bundesliga ist längst abgeschlagen, was die Gaga-Investitionen betrifft. Und so müssen alle - auch die Fans - mitansehen, wie Stars und mögliche kommende Stars nach und nach abwandern. Wenn nicht gleich nach Saudi-Arabien, dann eben zu Klubs, die Verbindungen dahin haben.
Für die Bundesliga bleiben die Jungen, die noch wachsen können und müssen. Das ist für Hochgelobte nicht das beste Argument, zu bleiben oder hierherzuwechseln. Weniger Geld, weniger Topstars, noch weniger Geld, noch weniger Topstars - die Spirale scheint eindeutig. Im internationalen Wettbewerb wird die Luft immer dünner.
Fan Toni Kroos
Nur vereinzelt kommen Topstars. Luis Diaz etwa, für den der FC Bayern bereit war, 75 Millionen Euro an den FC Liverpool zu zahlen. Eben jenen Klub, der ihnen Wirtz wegschnappte. Der sich wohl auch die Dienste von Alexander Isak noch sichern wird. Und da sind wir wieder bei Woltemade. Denn noch steht Isak bei Newcastle unter Vertrag, doch der Stürmer will unbedingt weg. Der Schwede beschwerte sich öffentlich, dass die Vereinsführung Absprachen nicht eingehalten habe, er sprach von "verlorenem Vertrauen" und davon, dass eine Veränderung "im besten Interesse aller Beteiligten" sei. Womöglich müssten bei Woltemade die Alarmglocken klingeln. Es klingt nicht nach heiler Welt und eitel Sonnenschein für Fußballer. Aber das scheint egal, denn das Geld regiert die Fußballwelt.
Und einen Fan hat Woltemade sicher: Toni Kroos. Der Ex-DFB-Star hatte sich erst vergangene Woche im Podcast "Einfach mal Luppen" mit seinem Bruder Felix als Fan von Newcastle United geoutet. Der aufopferungsvolle Kampf des Teams gegen den FC Liverpool (2:3) hatte ihm so imponiert, dass er scherzhaft sagte, Mitglied werden zu wollen.
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