Der Berg beginnt nicht erst dort, wo die Felsen steil nach oben ragen, sondern schon unten am Fuß. Wer bergauf unterwegs ist, spürt schnell, wie entscheidend das richtige Schuhwerk für Sicherheit, Ausdauer und Komfort wird. Die Schuhe bilden die entscheidende Schnittstelle zwischen Körper und Gelände. Sie müssen Kräfte übertragen, vor Kälte und Nässe schützen und zugleich Beweglichkeit erlauben. Ohne sie wäre kaum eine längere Tour im alpinen Gelände möglich, denn falsches Schuhwerk führt nicht nur zu Blasen und Schmerzen, sondern kann im Ernstfall zu gefährlichen Fehltritten oder Stürzen beitragen. Viele Freizeitwanderer unterschätzen diese Tatsache, solange sie auf einfachen Forstwegen bleiben. Doch sobald der Weg schmaler, steiler oder steiniger wird, reicht gewöhnliches Schuhwerk nicht mehr aus. Der Bergschuh muss hier eine stabile Einheit bilden, die sowohl Knöchel als auch Fußsohle entlastet und in anspruchsvollen Passagen die nötige Sicherheit vermittelt.
Gerade im Hochgebirge, wo Geröll, Schnee und wechselnde Wetterlagen den Untergrund unberechenbar machen können, hängt das Gelingen einer Tour entscheidend von der Qualität und Passform des Schuhs ab. Er ist kein Zubehör wie Stöcke oder Handschuhe, sondern gehört zur elementaren Grundausstattung. Mit dem entsprechenden Ernst sollte er ausgewählt werden.
Schuhe fürs Bergsteigen und ihre Bauarten
Schuhe zum Bergsteigen sollten nach ihrem Einsatzbereich unterschieden werden. Leichte Modelle orientieren sich an Trekkingstiefeln, sind aber stabiler und steifer. Sie eignen sich für mehrtägige Touren im Mittelgebirge oder auf alpinen Pfaden ohne dauerhaftes Eis. Klassische Hochtourenschuhe dagegen setzen auf eine steife Sohle, die Kipphebelbindungen für Steigeisen aufnehmen kann. Sie sind für Gletscherquerungen und felsige Grate gedacht. Wer im Fels klettert, braucht wiederum Schuhe mit präziser Kletterzone im Vorderfuß, die auf Reibung und Trittfläche optimiert sind. Allen Bauarten gemeinsam ist der hohe Schaft, der die Sprunggelenke schützt und stabilisiert. Bei vielen Modellen kommt im Obermaterial eine Kombination aus Leder und modernen Kunstfasern zum Einsatz: Leder bietet Robustheit und Haltbarkeit, Kunstfasern reduzieren Gewicht und trocknen schnell.
Materialien, die Halt geben
Tatsächlich spielt das Obermaterial bei der Auswahl des richtigen Bergschuhs eine entscheidende Rolle. Vollleder ist nach wie vor die langlebigste Variante, wird aber schwerer und trocknet langsamer, wenn es einmal durchfeuchtet ist. Mischkonstruktionen mit Cordura oder Synthetikgewebe bieten Vorteile beim Gewicht und bei der Belüftung, sind aber anfälliger für Abnutzung. Die Sohle besteht fast immer aus Gummi mit speziell profilierten Vibram-Mustern, die je nach Modell für Fels, Eis oder Mischgelände optimiert sind. Innen sorgen herausnehmbare Einlegesohlen für Anpassung an die individuelle Fußform, während wasserabweisende Membranen wie Gore-Tex den Spagat zwischen Dichtigkeit und Atmungsaktivität meistern. Gerade diese Membranen sind entscheidend, um auch bei langen Regenphasen oder dem Passieren von Schneefeldern die Füße trocken zu halten.
Passform und Anprobe
Entscheidender als jedes Detail ist am Ende die Passform. Ein Schuh für Bergsteigerinnen und Bergsteiger muss fest sitzen, ohne zu drücken. Im Vorderfuß sollte etwas Platz bleiben, damit die Zehen bei Abstiegen nicht anschlagen. Gleichzeitig darf die Ferse nicht aus dem Schuh rutschen, sonst entstehen Blasen. Viele Fachhändler bieten Anproben mit künstlich angelegten Steigungen an, um ein Gefühl für Druckstellen zu bekommen. Wichtig ist zudem, den Schuh mit denselben Socken zu testen, die später auch auf Tour getragen werden. Dünne Alltagssocken verfälschen den Eindruck und führen leicht zu Fehlkäufen.
Im Alltag von Bergsportlern zeigt sich, dass ein Schuh nicht nur für extreme Passagen taugen muss, sondern auch auf langen Zustiegen angenehm bleiben sollte. Wer stundenlang auf Forststraßen läuft, bevor er den Gletscher erreicht, braucht Modelle, die ausreichend Dämpfung bieten und nicht schon vor der eigentlichen Tour ermüden. Gleichzeitig sind diese Schuhe oft schwer und massiver gebaut als normale Wanderschuhe, was sie für einfache Spaziergänge unpraktisch macht. Sie entfalten ihren Wert vor allem dort, wo gewöhnliches Schuhwerk an seine Grenzen stößt.
Welche Modelle eigenen sich also für wen?
Ein robustes Allround-Modell findet sich etwa im Hanwag Friction II GTX, einem Schuh, der durch seine Vibram-Sohle und die stabile Sohlenkonstruktion auch für Klettersteige und leichtere Hochtouren taugt. Sein Obermaterial aus Leder und Kunstfaser macht ihn langlebig. Für Gletscher- und Hochgebirgstouren empfiehlt sich der La Sportiva Nepal Cube GTX, der zu den Klassikern der Hochtourenschuhe gehört. Er nimmt vollautomatische Steigeisen auf, bietet thermische Isolierung und bleibt dank Gore-Tex-Membran zuverlässig wasserdicht. Wer einen leichteren Schuh für gemischte Touren sucht, kann zum Scarpa Ribelle Lite HD greifen, der mit seiner Hybrid-Sohle Steigeisen aufnimmt, zugleich aber für lange Zustiege bequemer bleibt als klassische Vollsteif-Modelle.
Für all jene, die auch im Fels klettern wollen, bieten sich präzise Modelle wie der La Sportiva Trango Tower Extreme GTX an, der eine ausgeprägte Kletterzone im Vorderfuß besitzt. Er kombiniert die notwendige Steifigkeit mit guter Haftung und einem Schaft, der Bewegungsfreiheit lässt. Auch der Meindl Air Revolution 4.1 hat sich bei vielen Touren bewährt. Er bietet eine durchdachte Belüftung und eignet sich damit auch für warme Sommerregionen, in denen schwere Lederstiefel schnell zu Schweißfüßen führen würden. Schließlich gibt es auch explizite Frauenmodelle wie den Mammut Kento Advanced High GTX Women, der in Leistenform und Gewicht speziell auf weibliche Füße abgestimmt ist.
Die Auswahl verdeutlicht, wie stark sich der Markt ausdifferenziert hat. Während früher wenige Standardmodelle den gesamten Bedarf abdecken mussten, lassen sich heute Schuhe für fast jeden Einsatzzweck finden. Der Schlüssel liegt darin, das richtige Gleichgewicht aus Stabilität, Komfort und Einsatzbereich zu wählen. Ein zu leichter Schuh kann auf vereisten Passagen lebensgefährlich werden, ein zu schweres Modell macht einfache Wanderungen unnötig anstrengend.
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