Die Umweltverbände Nabu und BUND prüfen eine erneute Klage am Bundesverwaltungsgericht gegen den ersten Bauabschnitt der geplanten Autobahn A26 Ost südlich des Hamburger Hafens. Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hat dafür den sogenannten Planergänzungsbeschluss vorgelegt. Dieser war nötig geworden, weil das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Oktober 2025 nach einer Klage von Nabu und BUND gegen den Planfeststellungsbeschluss den Bau der Autobahn zunächst gestoppt hatte.
„Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hat den Planergänzungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt der A26 Ost (Abschnitt 6a) erlassen. Nabu und BUND werden diesen eingehend prüfen und behalten sich weitere rechtliche Schritte vor“, teilten die Verbände am Donnerstag mit. „Das Gericht hatte den Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt, weil unter anderem die Klimawirkungen der verschiedenen Trassenvarianten nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. Aus Sicht von Nabu und BUND bestehen auch nach der nun erfolgten Planergänzung erhebliche Zweifel daran, ob die Planung den gesetzlichen Anforderungen gerecht wird.“
Der Hauptkonflikt in dem insgesamt komplexen Klageverfahren betrifft den von der Fernstraßengesellschaft Deges vorgesehenen Verlauf des Abschnitts 6a durch ein intaktes Restmoorgebiet südlich des Hamburger Hafens. Die Umweltverbände drängen bei diesem ersten Bauabschnitt auf einen Trassenverlauf etwas weiter nördlich, näher am HHLA-Containerterminal Altenwerder. Grundsätzlich wären die Verbände im Rahmen eines solchen Kompromisses bereit, ihren juristischen Widerstand gegen die insgesamt 9,7 Kilometer lange A26 Ost aufzugeben. Die geplante Fernstraße soll südlich des Hamburger Hafens die Autobahnen A7 und A1 miteinander verbinden und die überregionalen Hafenverkehre wie auch das südliche Hamburger Stadtgebiet entlasten.
Die Deges, die dem Bund und den Ländern gehört, hatte nach der vom Bundesverwaltungsgericht auferlegten, vertieften Prüfung der Trassenverläufe erneut den ursprünglichen Verlauf durch das Moorgebiet als Vorzugsvariante ausgewählt. Dieser ist die Grundlage für den Planergänzungsbeschluss der Wirtschaftsbehörde. „Das Bundesverwaltungsgericht hat uns in unserer Kritik an der A26 Ost ausdrücklich bestätigt. Statt die Chance zu nutzen, die Planung grundsätzlich zu überdenken und den Klimaschutz ernsthaft in den Mittelpunkt zu stellen, kann die Deges mit freundlicher Unterstützung der Planfeststellungsbehörde an ihrer bisherigen Vorzugsvariante festhalten“, schreiben Nabu und BUND. „Dass gleich mehrere Trassenalternativen weniger klimaschädlich wären, macht dieses Vorgehen umso fragwürdiger. Wir werden deshalb genau prüfen, ob die nun erfolgte Planergänzung den Vorgaben des Gerichts tatsächlich gerecht wird.“
Obwohl die Verbände bei der A26 Ost zu einem Kompromiss bereit wären, lehnen sie den Neubau weiterhin grundsätzlich ab: „Wir können es uns weder ökologisch noch finanziell leisten, immer weiter an einer derart problematischen Autobahnplanung festzuhalten“, schreiben Nabu und BUND, die eine verstärkte Sanierung von Straßen und vor allem auch den Ausbau von Schienenwegen fordern. „Die A26 Ost ist ein Projekt aus der Vergangenheit, das den Herausforderungen unserer Zeit nicht gerecht wird. Hamburg braucht Investitionen in eine zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur, statt Milliarden für die Zerstörung wertvoller Naturflächen auszugeben. Wir werden den Beschluss jetzt sorgfältig prüfen und, wenn nötig, erneut vor Gericht ziehen, um Natur und Klima vor den Folgen dieses Projekts zu schützen.“
Über die – früher „Hafenquerspange“ genannte – A26 Ost wird schon seit Jahrzehnten debattiert und gestritten. Hohe Dringlichkeit besitzt das Projekt aus Sicht der Hamburger Wirtschaft und Verwaltung heutzutage auch, weil zugleich die in ihrer Substanz marode Köhlbrandbrücke als wichtigste Querung innerhalb des Hafens durch eine neue Brücke ersetzt werden muss. Die Baufälligkeit der Köhlbrandbrücke und die Errichtung von deren Ersatzbauwerk werden den Verkehr im größten deutschen Seehafen bis weit in die 2030er-Jahre hinein stark belasten.
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit vielen Jahren unter anderem über die Entwicklung der Verkehrs-Infrastruktur.
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