Volkswagen hat die Hürde für volle Vorstandsboni offenbar deutlich gesenkt. Bereits bei einer Umsatzrendite von 3,8 Prozent sollen die Topmanager des Konzerns die volle Bonuskomponente erhalten. Im Vorjahr reichte derselbe Wert lediglich für die Hälfte. Das geht aus einem internen Dokument hervor, das der „Spiegel“ einsehen konnte. Die Entwicklung steht in auffälligem Kontrast zu den Sparzielen, die Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz für Europas größten Autobauer ausgegeben haben.

Der Konzern strebt bis 2030 eine Rendite von neun Prozent und einen operativen Gewinn von mehr als 30 Milliarden Euro an. Diese Ziele bilden laut einem im September beschlossenen Sparprogramm den übergeordneten Kern des Sanierungskurses. Dafür sollen Zehntausende Stellen wegfallen, zudem stehen die Schließung von bis zu vier Werken von Volkswagen und Audi in Deutschland im Raum.

Voller Bonus bei 5,8 Prozent Rendite in 2025 – dieses Jahr reichen 3,8 Prozent

Von solchen Vorgaben ist der Konzern derzeit weit entfernt. Im Sommerquartal erreichte Volkswagen lediglich eine Rendite von 3,8 Prozent. Finanzvorstand Antlitz bezeichnete diesen Wert bei der Vorlage der Zahlen als zu niedrig. Nach Berechnungen des „Spiegel“ ist die Rendite von 3,8 Prozent allerdings genau jene Schwelle, ab der das Management für diese Kennzahl den vollen Bonus erhält. Bei 2,8 Prozent gibt es demnach noch die Hälfte, bei 5,8 Prozent sogar 175 Prozent der vorgesehenen Bonuskomponente.

Die internen Unterlagen zeigen laut „Spiegel“, dass die Hürden im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschoben wurden. Damals hätten 3,8 Prozent Rendite nur für die Hälfte des Bonus gereicht. Die Schwelle für die volle Auszahlung lag bei 5,8 Prozent.

Der Aufsichtsrat legt die Erfolgsschwellen für die Manager jährlich neu fest. Ein Sprecher des Gremiums wollte sich zu den Dokumenten gegenüber dem „Spiegel“ nicht äußern.

Antlitz bestreitet, die Finanzen zugunsten seiner Vergütung beeinflusst zu haben

Die Vergütung hängt neben der Umsatzrendite auch vom Cashflow ab, also davon, wie viel Geld dem Unternehmen innerhalb eines Jahres netto zufließt. Bereits Anfang des Jahres hatte Volkswagen mit einem überraschend hohen Cashflow für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Konzern wies sechs Milliarden Euro mehr aus, als noch wenige Monate zuvor kommuniziert worden war. Damit überschritt er knapp die Schwelle, ab der Vorstand und obere Führungskräfte den maximalen Bonus für diese Kennzahl erhalten. Finanzvorstand Antlitz bestritt damals, die Kassenlage zugunsten seiner persönlichen Vergütung beeinflusst zu haben. Möglich wäre das dem Bericht zufolge, indem man Rechnungen erst im neuen Jahr bezahlt oder noch vor Silvester mehr Autos verkauft.

Bei der Rendite dürfte sich die Bonusfrage für das laufende Jahr allerdings anders darstellen. Für die Berechnung zählt laut „Spiegel“ die um Sondereffekte bereinigte Kennzahl. Nach den schwachen Zahlen des dritten Quartals könnte Volkswagen demnach im Gesamtjahr bestenfalls eine Rendite von etwa einem Prozent erreichen. Damit würde das Management die nun abgesenkte Schwelle von 3,8 Prozent deutlich verfehlen.

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