Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland müssen sich einer neuen Studie zufolge in den kommenden Jahren auf deutlich höhere Sozialabgaben einstellen. Bis 2035 könnte die Beitragsbelastung auf knapp 50 Prozent des Bruttolohns steigen. Das geht aus einer Untersuchung des IGES-Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hervor, über die „Bild“ berichtet.

Für 2026 setzt die Studie die Summe der Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung bei 42,8 Prozent an. Im mittleren Basisszenario steigt die Belastung demnach bereits bis 2028 auf 45,4 Prozent und bis 2035 auf 48,8 Prozent.

Die Beiträge werden grundsätzlich von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen. Bei einem Bruttolohn von 3000 Euro im Monat entspräche der prognostizierte Anstieg bis 2035 nach Berechnung der Studie insgesamt rund 180 Euro zusätzlich pro Monat beziehungsweise 2160 Euro im Jahr.

Auch die von der Bundesregierung geplanten Reformen könnten den Anstieg nach Einschätzung der Forscher nicht verhindern. Abhängig von der konkreten Ausgestaltung errechnet das Institut für 2035 eine Gesamtbelastung zwischen 47,5 und 49,3 Prozent. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung hält die Studie sogar eine Spannbreite zwischen 46,6 und 51,6 Prozent für möglich.

Als einen Grund nennt die Untersuchung die demografische Entwicklung. In der Rentenversicherung könnte der Beitragssatz demnach von derzeit 18,6 Prozent auf 20,9 Prozent im Jahr 2035 steigen. Bei den gesetzlichen Krankenkassen prognostizieren die Forscher einen Anstieg von derzeit 17,7 auf 18,8 Prozent.

Mehr Druck auf Pflegeversicherung

Auch bei der Pflegeversicherung rechnet das Institut mit zunehmendem Finanzierungsdruck. Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte der Studie zufolge von 5,9 Millionen im Jahr 2025 auf 8,3 Millionen im Jahr 2035 wachsen. Die geplante Pflegereform könne den Kostenanstieg zwar bremsen, die Finanzierungslücke aber nicht vollständig schließen.

Den stärksten prozentualen Zuwachs prognostiziert die Studie für die Arbeitslosenversicherung. Deren Beitrag könnte von derzeit 2,6 auf 4,4 Prozent steigen. Als Gründe werden schwache Beschäftigungsaussichten und Schulden der Bundesagentur für Arbeit genannt.

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben bezeichnete die Berechnungen als „Alarmsignal“. Sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber 2035 zusammen fast die Hälfte des Bruttolohns an die Sozialversicherung abführen, werde Arbeit in Deutschland teurer und Beschäftigten bleibe netto weniger übrig, sagte er.

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