Nach Wochen der Unsicherheit gibt es für die rund 1200 Beschäftigten des insolventen Autohauses König gute Nachrichten: Ihre Gehälter können offenbar auch im November gezahlt werden. Das gab die Führung der Autohaus-Kette in einer internen Mitarbeiterversammlung bekannt, deren Mitschnitt WELT vorliegt. Das reguläre Insolvenzverfahren soll nun erst zum 1. Dezember eröffnet werden.

„Wir werden noch einen weiteren Monat Insolvenzgeld zur Verfügung stellen können“, erklärte der Berliner Insolvenzverwalter Rainer Eckert. Eine endgültige schriftliche Bestätigung der Bundesagentur für Arbeit habe zum Zeitpunkt der Besprechung allerdings noch nicht vorgelegen. Jedoch sei die Behörde im Gläubigerausschuss vertreten und habe dort bereits zugestimmt. Deshalb gehe er davon aus, dass auch die schriftliche Bestätigung folgen werde.

Den Mitarbeitern wurde zugesagt, dass sie den Novemberlohn erneut über das Insolvenzgeld erhalten sollen. Dafür müssten sie voraussichtlich weitere Abtretungserklärungen unterschreiben.

Bislang war unklar, wie die Gehälter nach Oktober finanziert werden können. Noch vor wenigen Tagen hatte Eckert mit Banken über eine Lösung verhandelt, die eine weitere Finanzierung des Geschäftsbetriebs ermöglichen sollte, wie das Portal T-Online berichtete.

Die angekündigte Verlängerung verschaffe zudem „mehr Zeit für den anstehenden Investorenprozess“, so Eckert. Man habe mit „einer ganzen Reihe von Interessenten“ Gespräche aufgenommen. „Das sieht sehr positiv aus und läuft in die richtige Richtung“, so Eckert.

Angeblich positive Verhandlungen mit Fahrzeugherstellern

Doch die Zeit drängt. Die Autohausgruppe mit Sitz in Berlin hatte Ende August Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen betreibt bundesweit rund 82 Standorte, viele davon im Osten des Landes. Nach Recherchen von WELT hatte die Gruppe bei der Insolvenzanmeldung mehr als 212 Millionen Euro Schulden angehäuft.

Eckert gab in der Besprechung auch Einblicke in die Verhandlungen mit den großen Fahrzeugherstellern. Demnach hat man mit Stellantis und Renault bereits Lösungen gefunden, um wieder Fahrzeuge ausliefern beziehungsweise zurückgeben zu können. Mit Stellantis sei bereits eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet worden. Zuletzt hatten Kunden wegen nicht ausgelieferter Fahrzeuge und bereits geleisteter Anzahlungen um ihr Geld gebangt. Wie WELT berichtete, gab es zudem Streit über die Herausgabe von Fahrzeugbriefen. Jetzt klingt alles plötzlich sehr viel positiver.

Geschäftsführer Dirk Steeger zufolge komme man langsam wieder ins „Daily Business“. „Wir kriegen die Autos auf die Straße“, verspricht er in der Besprechung. Auch die absatzfinanzierenden Banken seien wieder an Bord. Dadurch könnten die Autohäuser wieder Fahrzeuge auf Kredit verkaufen und Leasinggeschäfte abwickeln. Das Unternehmen wolle mehrere Hundert Fahrzeuge möglichst schnell ausliefern, so Steeger.

„Wir haben mehr Interessenten als Autohäuser“

Glaubt man der Geschäftsführung, läuft auch die Suche nach einem Käufer für die angeschlagene Autohaus-Gruppe gut, sogar „besser als gedacht“, wie Steeger mitteilte. „Wir haben mehr Interessenten als Autohäuser“. Jedoch müsse man den Verkauf eng mit den Fahrzeugherstellern abstimmen und beraten, „wer hier der Richtige ist, beziehungsweise in welcher Art und Weise das über die Bühne gebracht werden kann“. So etwas brauche Zeit. Steeger aber ist sich sicher: „Es wird weitergehen mit uns als Autohausgruppe.“

WELT hatte zuletzt berichtet, dass vor allem drei große Unternehmen Interesse an der Übernahme bekundet haben. Dazu zählt unter anderem die Autohandelsgruppe „AVAG Holding“ aus Augsburg, die mit 190 Standorten zu den größten Anbietern in Europa zählt. Auch die niederländische „Van Mossel Automotive Group“ ist unter den möglichen Käufern. Dem Vernehmen nach ist ihr Interesse zuletzt aber zurückgegangen.

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