Weltweit wird zu viel Hopfen angebaut. Seit 2020 gibt es mit nur einem Ausnahmejahr eine Überversorgung des Marktes, bilanziert der global größte Hopfenhändler BarthHaas aus Nürnberg. „Die Branche steht deutlich unter Druck“, sagt Geschäftsführer Thomas Reiser. „Viele Brauereien haben mit Mehrabsatz gerechnet und daher langfristige Lieferverträge geschlossen. Nun werden diese Mengen aufgrund des sinkenden Bierkonsums aber nicht gebraucht.“

Gut 109. 000 Tonnen Hopfen haben die Pflanzer im vergangenen Jahr rund um den Globus geerntet. Wichtigster Anbieter ist Deutschland, wo es mit der Hallertau auch das weltweit größte zusammenhängende Anbaugebiet gibt. Allein 30 Prozent der globalen Versorgung werden von dem Gebiet eine Autostunde nördlich von München getragen. Zusammen mit den Regionen Tettnang, Elbe-Saale, Spalt und Bitburg lag das Erntevolumen 2025 bei 43.100 Tonnen.

Zweitgrößter Produzent sind die USA mit knapp 38.500 Tonnen. Damit stehen beide Nationen für zusammen 83 Prozent der weltweiten Hopfenmenge. Zwar werden die Anbauflächen bereits Jahr für Jahr reduziert. 2025 zum Beispiel haben die aktuell 904 Pflanzer in Deutschland nur gut fünf Prozent der Flächen gerodet, wie der BarthHaas-Bericht zeigt, ein jährlicher Hopfen- und Bier-Almanach.

Auch 2026 gibt es einen Rückgang. „Trotzdem ist der Markt noch immer nicht im Gleichgewicht“, sagt Reiser. Auf rund 5100 Hektar schätzt er die strukturelle Überproduktion, das sind knapp zehn Prozent der weltweiten Flächen von zuletzt 51.350 Hektar. Insgesamt 340 Hopfensorten werden rund um den Globus angebaut, darunter etliche neue Züchtungen, die mit den immer extremer werdenden klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen.

Die volumenstärksten sind hierzulande Herkules, Perle, Tradition und Magnum. Im Bier sorgt Hopfen für Haltbarkeit und für die Stabilität des Schaums. Vor allem aber gibt der Hopfen Geschmack. Die sogenannten Alphasäuren sind verantwortlich für Herbheit und Bittergrad, Aromasorten wiederum bringen über ätherische Öle Noten von etwa Kräutern, Blumen und Zitrusfrüchten ins Bier. Genutzt werden sie vorwiegend von Craft-Bier-Brauern. Der Wirbel um deren stark hopfenbetontes Bier ist allerdings vorbei.

Im Trend liegen stattdessen leichte Lager-Biere. Es ist aber nicht nur die geringere Hopfengabe, die für ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sorgt. Auch der Bierkonsum insgesamt ist rückläufig. 2025 wurden weltweit rund 1,9 Milliarden Hektoliter gebraut, knapp ein Prozent weniger als im Vorjahr. Biernation Nummer eins ist mit weitem Abstand China, gefolgt von den USA, Brasilien, Mexiko und Russland.

Deutschland folgt auf Platz sechs mit im vergangenen Jahr erstmals weniger als 80 Millionen Hektolitern. 2026 geht es hierzulande weiter bergab. Zum Halbjahr lag der Bierabsatz bei 38,5 Millionen Hektolitern und damit 2,2 Prozent unter dem Vorjahr, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

„Die globale Hopfen- und Bierbranche befindet sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen“, sagt BarthHaas-Geschäftsführer Reiser. Hoffnungsträger ist für Brauer wie Hopfenpflanzer alkoholfreies Bier, bei dem eine höhere Gabe von Aromahopfen für einen intensiveren Geschmack sorgen soll.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.

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