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Weil er bereits frühmorgens keinen freien Liegestuhl am Pool mehr fand, zog David Eggert gegen seinen Reiseveranstalter vor Gericht – mit Erfolg. Jetzt will er noch mehr.

Herr Eggert, Sie haben Ihren Reiseveranstalter verklagt, weil in Ihrem Urlaub die Liegestühle am Pool mit Handtüchern besetzt waren. 
Ja, das war ein seltsamer Anblick. Das war immerhin ein riesiges Hotel mit sechs Pools und rund 400 Liegestühlen. Ich kam da morgens an, nur drei Menschen lagen auf den Liegen und alle anderen waren mit Handtüchern reserviert. Da fragt man sich: Wo sind die denn alle? Im Laufe der Ferien zeigte sich dann, dass viele Gäste die Liegen zwar um sechs Uhr morgens reservierten, danach aber erst einmal Ausflüge machten, in die Stadt gingen oder sogar nochmal schlafen gingen – nur, um später am Nachmittag sicher eine Liege zu haben. Das hat mich extrem geärgert. Auch wenn es das Phänomen sicher schon seit 20 oder 30 Jahren gibt.

Wie haben die anderen Gäste im Hotel darauf reagiert?
Manche gingen einfach nicht an den Pool, andere setzten sich irgendwo an den Rand oder legten ihre Handtücher direkt auf den Boden. Und wenn man tatsächlich einmal eine Liege ergattern konnte, wurde sie oft geteilt. Bei uns war das auch so: Wir saßen meist zu viert auf einer Liege. Gemütlich, geschweige denn erholsam, war das sicher nicht.

Wann haben Sie gedacht: „So, jetzt reicht's!“? 
Direkt nach dem ersten Tag. Ich ging zur Rezeption, beschwerte mich und fragte nach einer Lösung. Das Hotel verwies mich allerdings an den Reiseveranstalter. Also rief ich dort an, habe aber natürlich niemanden erreicht. Ich schrieb schließlich ich eine E-Mail und bekam erst einen Tag später eine Antwort mit dem Hinweis: Bitte wenden Sie sich an das Hotel. So fing dieses Hin und Her an. Am Ende geschah nichts, weil sich niemand zuständig fühlte, und alle sagten nur: „Tut uns leid, wir können da gerade nichts machen.“

Das wollten Sie nicht einfach so hinnehmen.
Je länger das dauerte – und wir sprechen immerhin von zwölf Tagen –, desto mehr ärgerte es mich. Ich glaube, einzig an ein oder zwei Tagen hatten wir tatsächlich einmal zwei Liegen. Ich dokumentierte direkt alles, damit ich später rechtlich dagegen vorgehen konnte. Nach den Ferien konfrontierte ich den Reiseveranstalter damit. Dort hieß es zunächst, man sehe eigentlich keinen Reisemangel, wolle mir aber trotzdem etwas erstatten. Am Ende bekam ich 350 Euro zurück, bei Reisekosten von über 7000 Euro. Für mich stand das in keinem Verhältnis. Als ich mehr Entschädigung forderte, bekam ich die Antwort, ich solle das Ganze doch als eine Art „Challenge“ sehen. In anderen Hotels sei es schließlich auch üblich, morgens den Wecker auf sechs Uhr zu stellen und um eine Liege zu kämpfen.

Sie sollten das als Wettkampf sehen?
Genau. Darüber musste ich erst einmal lachen. Danach habe ich aufgelegt und nochmal darüber nachgedacht. Da wurde mir erst klar, wie frech diese Antwort eigentlich war. Ab diesem Punkt ging es mir auch nicht mehr primär ums Geld, sondern ums Prinzip. Deshalb entschied ich, juristisch dagegen vorzugehen und den Reisekonzern zu verklagen.

Hat es Sie überrascht, dass Sie vor Gericht tatsächlich gewonnen haben?
Definitiv. Recht haben und Recht bekommen sind schließlich zwei verschiedene Dinge. Ich bin kein Jurist und konnte deshalb überhaupt nicht einschätzen, wie das Gericht den Fall bewertet. Natürlich hatte ich das Gefühl, im Recht zu sein. Aber dass das Gericht mir tatsächlich die maximal möglichen 15 Prozent zugesprochen hat, damit hatte ich nicht gerechnet. Rechtlich hat man zwar keinen Anspruch darauf, dass es für jedes Hotelbett auch eine Liege gibt. Aber das Verhältnis muss stimmen. In unserem Fall wären eigentlich genug Liegen vorhanden gewesen. Das Problem war nur, dass sie stundenlang reserviert waren, obwohl niemand dort lag. Für den Reiseveranstalter ist das eine absolute Niederlage. 

Wie viel Geld bekommen Sie nun?
Rund 900 Euro. Das macht finanziell für so einen Konzern vermutlich keinen großen Unterschied. Der eigentliche Schaden ist wohl die enorme Aufmerksamkeit, die der Fall bekommen hat. Es wurde inzwischen in ganz Europa und sogar international über meinen Fall berichtet – etwa in den USA oder in Katar. Offenbar trifft das Thema einen Nerv, weil reservierte Liegen ein Problem sind, das Feriengäste weltweit kennen.

Vielleicht haben Sie einen Stein ins Rollen gebracht?
Möglich. Andere Feriengäste könnten sich nun ebenfalls sagen: „Moment mal, ich hatte doch das gleiche Problem“ Wenn Hunderte oder Tausende Urlauber diesen Gedanken aufgreifen, könnten auf die Reiseanbieter Millionenbeträge an Schadensersatzforderungen zukommen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Branche reagieren wird. 

Kamen Sie denn nie auf die Idee, das System einfach zu übernehmen, und selbst ein Handtuch zu reservieren?
Natürlich kann ich verstehen, warum viele Gäste Liegen reservieren – oft sieht man schlicht keine andere Möglichkeit, überhaupt eine zu bekommen. Aber das kann ja nicht die Lösung sein. Es braucht irgendein System seitens der Hotels oder der Reisebranche. Eigentlich bin ich niemand, der nach noch mehr Regeln ruft. Aber hier funktioniert es ohne klare Vorgaben nicht. 

Haben Sie einen Vorschlag?
Eine Person hat mir auf Instagram geschrieben, dass es in ihrem Urlaub ein System gab, bei dem alle 30 Minuten eine Sirene ertönte. Dann mussten alle Gäste kurz aus dem Wasser zurück auf ihre Liegen, damit man sehen konnte, welche tatsächlich belegt waren und welche nicht. Das ist aber eher eine Anekdote, die mich zum Schmunzeln gebracht hat. Ich weiß nicht, ob das ernsthaft eine Lösung wäre. Genau dafür wären eigentlich die Reiseveranstalter und Hotels zuständig: gemeinsam ein System zu entwickeln, das dieses Problem sinnvoll löst.

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