Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd in Hamburg verzeichnet wieder einen Quartalsverlust. Das Konzernergebnis betrug minus 219 Millionen Euro, im ersten Quartal des Vorjahres hatte Hapag-Lloyd unter dem Strich 446 Millionen Euro verdient. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Zuletzt war das Quartalsergebnis von Hapag-Lloyd im vierten Quartal 2023 negativ. Insgesamt waren die Jahre während und kurz nach der Pandemie bei der Reederei von teils exorbitant hohen Gewinnen geprägt, wie auch bei anderen führenden Linienreedereien. Das hat sich in jüngerer Zeit wieder deutlich geändert. Die Stadt Hamburg ist an Hapag-Lloyd mit 13,8 Prozent beteiligt.

Wichtigster Faktor für die schlechte Bilanz des ersten Quartal sind die stark gestiegenen Brennstoffkosten für die derzeit 302 Schiffe umfassende Flotte von Hapag-Lloyd. Die Mehrkosten der Reederei liegen je Woche bei 50 bis 60 Millionen Dollar (43 bis 51 Millionen Euro) und dürften sich damit seit Kriegsbeginn allmählich auf eine halbe Milliarde Euro Belastung für das Unternehmen addieren.

Hinzu kommen gesunkene Frachtraten für die Container: Im ersten im Durchschnitt 1330 US-Dollar je Containereinheit (TEU), im ersten Quartal 2025 waren es 1471 Dollar. „Mit dem Verlauf des ersten Quartals können wir nicht zufrieden sein, denn wetterbedingte Störungen der Lieferketten und der Druck auf die Frachtraten führten zu einem deutlichen Ergebnisrückgang“, sagte Konzernchef Rolf Habben Jansen in einer Präsentation mit Journalisten.

Hapag-Lloyd werde versuchen, einen so hohen Anteil der Mehrkosten wie möglich von den Kunden zurückzuholen. „Die Diskussionen darüber sind sehr sensibel“, sagte Habben Jansen. „Die stark gestiegenen Energiekosten sind das ganz spezielle wirtschaftliche Problem dieses Krieges, denn sie betreffen alle Akteure in der Transportkette.“

Im Persischen Golf sitzen wegen der blockierten Straße von Hormus weiterhin vier Frachter von Hapag-Lloyd fest, sagte Habben Jansen. Die Versorgung der Seeleute an Bord sei zwar gesichert. Es sei aber derzeit noch immer „schwierig zu sagen“, wann man die Schiffe und ihre Besatzungen wieder freibekommen könne.

Das globale Volumen des Containertransports wächst 2026 und 2027 gemäß Marktanalysen langsamer als die Transportkapazität der Container-Linienreedereien. Eine daraus resultierende, mögliche Überkapazität am Markt sieht Habben Jansen allerdings gelassen. Anhaltend hohe Brennstoffkosten könnten dazu führen, dass Reedereien wie Hapag-Lloyd ihre Schiffe langsamer laufen lassen und dafür mehr Frachter in die einzelnen Linien einfädeln. Üblicherweise hat dieses „slow steaming“ mit mehr Schiffen positive Effekte auf die Brennstoffkosten und zugleich auf die Pünktlichkeit.

Habben Jansen räumte ein, dass Hapag-Lloyd in seiner Allianz Gemini gemeinsam mit der dänischen Reederei Maersk das selbstgesetzte Ziel von 90 Prozent Pünktlichkeit im ersten Quartal nicht durchgehend einhalten konnte. Ursache dafür sei unter anderem auch eine Betriebsunterbrechung am wichtigen Terminal Tanger Med von acht Tagen gewesen.

Gut entwickelt sich unterdessen die relativ junge Terminalsparte von Hapag-Lloyd, durch Übernahmen und den Bau neuer Anlagen. Der Terminal im ägyptischen Damietta, den Hapag-Lloyd gemeinsam mit dem norddeutschen Terminalbetreiber Eurogate errichtet hat, habe im Februar den Betrieb aufgenommen, sagte Habben Jansen. Allerdings ist der neue Unternehmensteil mit derzeit international 23 Terminalbeteiligungen noch klein. Der Umsatz ist im ersten Quartal auf 144 Millionen Euro gestiegen, von 104 Millionen Euro im ersten Quartal 2025. Der operative Gewinn (Ebit) stieg im Vorjahresvergleich um eine Million Euro auf 15 Millionen Euro.

Bei der geplanten Übernahme der israelischen Reederei ZIM ist Habben Jansen zuversichtlich, das Geschäft nach der nötigen Zustimmung der Eigner und der israelischen Behörden zum Jahresende abschließen zu können. Er rechne mit jährlichen Einsparungen durch „Synergien von 300 bis 500 Millionen Dollar“ im Rahmen eines Zusammenschlusses beider Reedereien.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften.

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