80 Prozent der Syrer sollen wieder nach Hause gehen, heißt es nach dem Besuch von Syriens Präsidenten. Viele dürften wir schmerzlich vermissen. Zehntausende arbeiten in gefragten Berufen.

Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa haben ihr Treffen in Berlin für eine zentrale Botschaft genutzt: 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer sollen das Land binnen drei Jahren verlassen. Das sei der Wunsch des syrischen Präsidenten gewesen, betonte Merz. Sie würden dort für den Wiederaufbau benötigt. Und: „Diese Menschen (…) sind Ihnen willkommen.“

Die Folgen dürften auch den deutschen Arbeitsmarkt treffen. Denn die in den Kriegsjahren aus Syrien geflüchteten Menschen arbeiten mittlerweile in wichtigen Berufen, in denen Personal knapp ist. Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, erklärte am Dienstag, „dass sich die syrischen Geflüchteten gut in den Arbeitsmarkt integriert haben“. Syrische Staatsangehörige arbeiteten vor allem im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handel und in der Logistik. „Das sind durchaus Branchen, die Arbeitskräftebedarf offensichtlich durchaus auch haben“, sagte Nahles.

Wenn 80 Prozent der Syrerinnen und Syrer – also rund 750.000 Menschen – bald nicht mehr da wären, dann würde dem deutschen Arbeitsmarkt einiges fehlen, wie folgende Zahlen zeigen.

Wie viele syrische Beschäftigte gibt es?

Von den mehr als 900.000 Syrerinnen und Syrern sind laut Arbeitsagentur 320.000 in Deutschland beschäftigt, davon 266.000 sozialversicherungspflichtig. Das klingt erstmal nicht viel, ist aber gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass nicht alle sofort arbeiten können oder dürfen. Allein mehr als ein Drittel der Syrer ist minderjährig.

Laut Arbeitsagentur liegt die Beschäftigungsquote für alle syrischen Geflüchteten – also auch derjenigen, die erst kurz hier sind – derzeit bei 47 Prozent. Betrachtet man nur diejenigen, die schon seit 2015/2016 da sind, liegt die Quote bei 60 Prozent. Das ist gar nicht soweit von der Beschäftigungsquote deutscher Staatsbürger entfernt, die bei 71 Prozent liegt.

Zudem leben in Deutschland auch rund 250.000 Zuwanderer aus Syrien, die seit 2015 eingebürgert wurden und in der Statistik daher als Deutsche gelten.

In welchen Berufen arbeiten die Syrer?

Laut einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) arbeiten 80.000 syrische Beschäftigte in sogenannten „Engpassberufen“. Das sind Jobs, in denen Unternehmen sich besonders schwertun, offene Stellen zu besetzen. Am stärksten vertreten seien sie in der Kfz-Branche, in Transport und Logistik, im Gastgewerbe sowie im Gesundheitswesen. 

Besonders im Fokus sind syrische Ärzte. Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) arbeiteten Ende 2024 allein 5745 syrische Ärzte in deutschen Kliniken. Das sei die größte Gruppe ausländischer Ärzte in Deutschland. Dazu kommen noch mehr als 2000 syrische Pflegekräfte. 

Rund die Hälfte aller syrischen Beschäftigten ist laut IW auf Fachkraftniveau tätig. Zehn Prozent sind „Spezialisten“ (Meister, Techniker und ähnlich) oder „Experten“ (Akademiker). Außerdem studieren derzeit 21.000 Syrerinnen und Syrer in Deutschland und 7000 absolvieren eine Berufsausbildung – auch darunter seien viele Engpassberufe wie Zahnmedizin, Sanitär- und Heizungstechnik sowie Bauelektrik.

Was wären die Folgen einer Massen-Auswanderung?

Am Arbeitsmarkt würde man syrische Arbeitskräfte schmerzlich vermissen. Syrische Ärzte und Pflegekräfte etwa hätten „eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung“, sagte Henriette Neumeyer von der DKG dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Würden diese Fachkräfte wieder das Land verlassen, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Versorgung.“

Dazu kommt: Auch aus demografischer Sicht sind die Syrer ein Gewinn für die alternde Bevölkerung des Landes. Das Durchschnittsalter liegt bei 27 Jahren. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines erwarteten Rückgangs des Arbeitskräftepotenzials ist diese Gruppe ein erhebliches Reservoir für den Arbeitsmarkt“, schreibt IW-Ökonom Fabian Semsarha.

Eine pauschale Rückkehrforderung berge das Risiko, dass auch Qualifizierte und gut integrierte Personen freiwillig abwandern, erklärt Semsarha. „Statt die Integration generell infrage zu stellen, sollte die Politik die Interessen Syriens beim Wiederaufbau mit den Bleibewünschen gut integrierter Menschen in Deutschland austarieren.“

mit Agenturmaterial

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