Es ist nicht bekannt, was der Ex-US-General Ben Hodges über die jüngsten Äußerungen und Pläne von Rheinmetall-Chef Armin Papperger denkt. Der 67-jährige Amerikaner soll auf der Hauptversammlung des größten deutschen Rüstungskonzerns am 12. Mai als erster Ex-Militär in der Unternehmensgeschichte in den Aufsichtsrat gewählt werden und dort beraten und kontrollieren. Womöglich kommen dann noch geringschätzende Äußerungen des Rheinmetall-Chefs über ukrainische Drohnenhersteller zur Sprache oder das soeben verkündete Bündnis mit Boeing für eine Ausschreibung der Bundeswehr für Jagdbomberdrohnen.

Am Sonntag wurden in einem Artikel des US-Magazins „The Atlantic“ abwertende Äußerungen Pappergers über ukrainische Drohnenhersteller bekannt. Die Drohnenproduktion sei „wie mit Lego-Steinen spielen“. Wichtige ukrainische Drohnenhersteller bezeichnete er als „ukrainische Hausfrauen“, die mit 3D-Druckern in der Küche Bauteile für Drohnen herstellen. Das sei keine Innovation. Er räumte ein, dass die Drohnen gegen russische Panzer und Artillerie sehr effektiv seien, wertete die Produktionsweise aber als improvisiert, einfach und nicht skalierbar im Sinne moderner Hightech-Rüstung.

Rheinmetall betreibt Schadensbegrenzung

Sogar Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete sich zu Wort. „Wenn jede ukrainische Hausfrau Drohnen bauen kann, dann kann auch jede ukrainische Hausfrau Chef von Rheinmetall sein“, erklärte Selenskyj. Rheinmetall versuchte, die Papperger-Äußerungen zu relativieren und sprach von „höchstem Respekt“ vor den „immensen Anstrengungen des ukrainischen Volkes“. Einige Beobachter werteten die Äußerungen Pappergers als arrogant. Der ukrainische Industrieminister Oleksandr Kamyshin verwies darauf, dass die „Lego-Drohnen von Hausfrauen“ bereits über 11.000 russische Panzer zerstört hätten – ein klarer Verweis auf die reale militärische Wirksamkeit trotz „einfacher“ Produktion.

Die nächste technische Zusammenarbeit von Rheinmetall basiert keineswegs auf simpler Produktion und bedeutet eine weitere Vernetzung mit einem US-Rüstungskonzern in der Luftfahrt. Im kommenden Herbst etwa ist die Lieferung des ersten Rumpfmittelteils für den US-Kampfjet F-25 aus Rheinmetall-Produktion an Lockheed Martin geplant. Vereinbart wurde jetzt eine strategische Partnerschaft des deutschen Konzerns mit Boeing Australia für die geplante Bundeswehr-Beschaffung von Hunderten Jagdbomberdrohnen bis 2029 – auf der Basis des Modells MQ-28 Gost Bat, falls das Duo Boeing-Rheinmetall den Zuschlag erhält.

Die unbemannte, fast zwölf Meter lange Drohne wurde in Australien für die dortige Luftwaffe und verbündete Nationen entworfen, entwickelt und hergestellt. Das Modell hat als sogenanntes Collaborative Combat Aircraft, also Begleitflugzeug für Kampfjets, bereits über 150 Flüge absolviert und wurde jüngst von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei seinem Australien-Besuch in Augenschein genommen. Rheinmetall will nach Angaben von Papperger als Systemintegrator des Modells fungieren und die operative, wartungstechnische und logistische Unterstützung sicherstellen. Rheinmetall könnte damit einen Umsatz im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erzielen.

Das Bündnis Boeing-Rheinmetall ist allerdings nicht der einzige Bewerber um den Auftrag für die Jagdbomberdrohne. So bewirbt sich beispielsweise auch Airbus mit umgebauten Drohnen des US-Rüstungskonzerns Kratos. Daneben will auch das auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Rüstungs-Start-up Helsing in einer Kooperation mit dem Sensorspezialisten Hensoldt in den Kampfjetdrohnenmarkt einsteigen und eine deutsche Lösung anbieten. Ende September 2025 präsentierte Helsing ein Modell seiner elf Meter langen Drohne CA-1 Europa. Ein weiterer Interessent ist der US-Rüstungskonzern General Atomics mit einer Drohne aus der Gambit-Serie.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.

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