Entdeckt habe ich Ebba Ende März in einem kleinen Gewerbegebiet im norwegischen Leira. Ebba heißt mit vollen Namen Ebba Warm. Sie versprach alles, was ich mir in diesem Moment gewünscht habe: Wärme. Kuscheln. Nähe. Schlicht: Geborgenheit. Am Ende unseres Urlaubs hätte ich sie fast mitgenommen, wäre meine Frau nicht so vehement dagegen gewesen.
Denn Ebba ist 2 Meter lang und 1,40 Meter groß. Selbst in ihre Packtasche gefaltet, hätte die Hohlfaserbettdecke nicht ins Handgepäck bei KLM gedurft. Dabei hatte ich Ebba so dringend nötig – was nur an einem Auto lag: einem bei Sixt gemieteten Toyota Elektro-SUV bz 4x.
Aber von vorn: Zu Beginn der Winterferien landeten wir in Oslo für unseren Winterurlaub in den Bergen Norwegens. Am Schalter von Sixt hätte ich misstrauisch werden sollen: Der Kundenbetreuer fragte, ob wir vielleicht lieber einen Benziner statt des zur Verfügung stehenden elektrischen Toyotas haben wollten. Immerhin seien bei Autos des gleichen Typs am Morgen schon zwei Reklamationen reingekommen, was zwar nichts heiße – aber man wisse ja nie. Dumm nur, dass der Benziner selbst bei 50 Prozent Rabatt noch 250 Euro mehr als der Toyota gekostet hätte. Meine Frau sagte: „Lass es uns mit dem Toyota wagen, der will uns nur etwas verkaufen.“
Sage keiner, wir wären nicht gewarnt worden.
Wir starteten mit 95 Prozent Batterieladung. 94, 93, 91, 83 Prozent. Schon aus Oslo raus, fiel mir auf, dass die Ladung schneller fiel als die auf dem Navi angegebene Entfernung. Man konnte zugucken. Minus 13 Grad Celsius Außentemperatur findet offensichtlich auch ein E-Auto anstrengend kalt. Unter diesen Umständen war es ein Glücksfall, dass wir im Regelfall kaum schneller als 70 km/h fahren konnten.
Als wir im Dunkeln nach drei Stunden Fahrt endlich in Aurdal ankamen, begann die Sucherei nach unserer Unterkunft. „Das GPS weiß den Weg“, sagte ich meiner Frau. Heute weiß ich, dass das GPS gar nichts weiß. Wie uns eine Norwegerin später erklärte, werden manche Straßen im Winter einfach zu Skipisten umfunktioniert. Das Navi hat davon natürlich keine Ahnung.
Schieben hält warm
Zunächst fuhren wir uns beim Abbiegen in die angezeigte Straße am Berg fest. Frau und Sohn mussten schieben, damit wir rückwärts wieder rauskamen. Das hält warm. Ladestand zu diesem Zeitpunkt 34 Prozent. Entfernung zum Ziel knapp vier Kilometer. Also alles eigentlich kein Problem, hätten wir nicht fünf Minuten später tatsächlich auf einer Skipiste breiten Straße festgesteckt.
Mühsam arbeiten wir uns auch da wieder raus, fuhren zurück auf die Straße und warteten. Auf unsere Wirtin, die hatten wir zwischenzeitlich in unserer Verzweiflung angerufen. Sie versprach, uns zu retten. Es würde allerdings 30 Minuten dauern. Das erwies sich als Problem. Eine halbe Stunde bei aufgedrehter Klimaanlage und Scheibengebläse kostet Strom, auf Dauer sogar richtig viel. Also schaltete ich das Auto ab. Bei minus 15 Grad Celsius.
Können Sie sich vorstellen, wie schnell die Temperatur im Innenraum des Wagens fällt? Haben Sie eine Ahnung, in welchem Tempo die Scheibe zunächst beschlägt und dann sogar von innen zufriert?
Eigentlich ist das alles kein Problem, dachte ich. Wenn man dann gleich wieder losfährt, dreht man die Innenraumklimatisierung einfach auf volle Pulle – und die Wärme ist zurück. Doch Irrtum. Als unsere Retterin nahte, hatte der Wagen noch 31 Prozent Ladestand. Als wird dann jedoch wieder losfuhren, um ihr ans Ziel zu folgen, verweigerte das Auto jegliche Wärmefunktionen. Heizung, Gebläse, Sitzheizung, Scheibenauftauanlage. Es blieb einfach kalt. Mühevoll und zitternd schlichen wir dem Benziner der Vermieterin zum Haus hinterher.
Ladevorgang nicht möglich
ChatGPT erklärte mir später: Das Auto habe sämtliche Innenraumverbraucher abgeschaltet, um die Batterie zu schonen. Das klang logisch. Nur was weiß schon eine Künstliche Intelligenz über einen Toyota bz 4x von Sixt? Am nächsten Morgen startete das Auto problemlos bei ebenfalls arktischen Temperaturen mit noch 25 Prozent Ladestand, Heizung, Gebläse, das Ganze Drum und Dran funktionierte hervorragend. Was mich in diesem Moment nicht störte.
Wir fuhren zur Ladesäule. Zu meiner Frau sagte ich später: „Mit Elton werde ich nicht mehr warm.“ Elton war weder Elton John noch der TV-Moderator Elton, sondern eine App, mit der man in Norwegen nahezu überall laden können soll. Allerdings nicht mit unserem Auto. Die erste Säule im Gewerbegebiet von Leira verweigert die Initialisierung, obwohl schon 500 norwegische Kronen von der Karte abgebucht waren, die zweite auch: „Ladevorgang nicht möglich“, stand da auf dem Display der Säule.
Haben Sie schon einmal bei minus 13 Grad vor ihrem Auto gestanden, ohne Handschuhe über eine Viertelstunde auf dem Handy rumgewischt, in der Hoffnung, die Karre möge endlich laden? Blau-rote Fingerspitzen sind das erste Anzeichen von Erfrierungssymptomen, las ich kürzlich.
Irgendwann fanden wir eine Säule, sie verband sich problemlos mit dem Auto und funktionierte sogar ohne Elton, nur mit meiner Kreditkarte. Beim ersten Mal brauchte das Auto anderthalb Stunden, um von 21 auf rund 65 Prozent zu laden. Anderthalb Stunden in einem kleinen Gewerbegebiet, wo außer einem Geschäft von Intersport, zwei Discountern und dem besagten Ausstatter mit der Ebba Warm nicht viel war.
Eiskalt laden dauert länger
Meine Frau meinte damals noch, vielleicht läge es an unserer Unerfahrenheit. Heute weiß ich: Es lag an Toyota und Sixt. Beim zweiten Mal Laden fuhren wir in ein größeres Gewerbegebiet. Wir brauchten mehr Läden. Am nächsten Tag sollte es nämlich weiter ins Land gehen. 80 Prozent Ladung brauchten wir mindestens nach den Erfahrungen. An der Tankstelle in Fagernes allerdings wollten sich die Ladesäulen wieder nicht mit dem Auto verbinden. Bei minus 17 Grad. Noch Fragen? Irgendwann fanden wir dann eine Station im Ort, einen Kilometer weiter. Sie rechnete 1 Stunde und 40 Minuten, um auf 80 Prozent zu kommen.
Erkenntnis nach dem Ladevorgang? Es lag nicht an der geringen Restladung des ersten Tages, dass Heizung und der ganze Wohlfühlkram nicht mehr funktionierten. Selbst bei gut 87 Prozent blieb der Ofen aus. Das Auto fuhr gen Unterkunft, aber die Scheibe fror von innen zu. Dick eingemummelt musste meine Frau die Frontscheibe von innen immer wieder freikratzen, was bei einem so großen Auto gar nicht so einfach ist. Spätestens an diesem Punkt hätte mein Herausgeber und E-Auto-Skeptiker Ulf Poschardt gesagt: selbst schuld, wer nimmt auch in Norwegen dieses Auto?
Oben am Berg wieder angekommen, hatte das Auto nur noch 81 Prozent Ladung. Strom verfliegt bei Kälte wohl schneller als Wasserstoff in herkömmlichen Leitungen. Mich erinnerte das an den alten Werbeslogan von Sixt: „Das einzige, was hier klappert, sind die Zähne ihrer Frau“.
Von da an lief das Auto tagelang fast problemlos, sieht man davon ab, dass ich während des letzten großen Ladevorgangs fast die Bettdecke gekauft hätte, weil es so ewig gedauert hat. Wir waren noch im Geschäft, als die schon die Jalousien runter ließen, weil Feierabend war. Aber wir brauchten doch noch so viele Prozente.
Sixt, ihr habt ein Problem
Am letzten Morgen unseres Aufenthalts starteten wir um 7:30 Uhr gen Oslo. Von einst 96 Prozent Ladestand waren da noch gut 87 übrig. Das Navi sagte: Mit der Ladung schafft ihr das nie. Irgendwo, eine knappe Stunde vor Oslo, führte es uns an eine kommunale Ladesäule. Da hatten wir noch 51 Prozent. Auch hier bestätigte sich unsere Erfahrung: Dieser Mietwagen war wählerisch. Er akzeptierte im Schnitt nur jede dritte Säule. 15 Minuten später fuhren wir weiter – mit 47 statt 51 Prozent, trotz zehn Minuten Ladevorgang. Warum auch immer.
Gut, dass der Sixt-Toyota für uns entschied, den Innenraum kalt zu lassen und die Scheibe zugefroren, sonst hätte es vielleicht nicht gereicht. Fast erfroren erreichten wir den Flughafen.
Natürlich habe ich Toyota mit den Erlebnissen konfrontiert. Anhand des Kennzeichens sagte man mir in der Pressestelle, dass dies ein älteres Modell sei mit bekannten Schwierigkeiten. Allerdings seien die Wagen bei einem Sicherheitsrückruf für ein Update in die Werkstatt gerufen worden, meiner konkret irgendwann Ende September 2025. Das Problem: Sixt habe den Wagen nicht zum Update gebracht. Hatte das der Sixt-Vertreter am Flughafen etwa geahnt, als er uns den Benziner anbot?
Die Sixt-Pressestelle gibt sich unter Verweis auf die norwegischen Kollegen zerknirscht: „Wir bedauern, dass das Mieterlebnis durch diese Angelegenheit beeinträchtigt wurde, und nehmen solche Vorfälle sehr ernst. Sixt Norwegen war sich der Rückrufbenachrichtigung für das betreffende Fahrzeug nicht bewusst und hat eine interne Überprüfung eingeleitet, um den Prozess mit dem OEM (Hersteller) zu klären und solche Fälle in Zukunft auszuschließen.“
Ich wünschte, ich hätte mir Ebba Warm mitgenommen, weil es in Berlin noch immer kalt ist.
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