Nach dem Angriff auf den Iran weitet sich das Chaos in Nahost aus, die Aktienmärkte fallen deutlich. Besonders Reiseaktien wie Lufthansa und Tui haben das Nachsehen.

Anleger dürfte am vergangenen Wochenende vor allem eine Frage umgetrieben haben: Wie reagieren die Aktienmärkte auf das neue Chaos im Nahen Osten nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran? Die Antwort fiel zum Wochenauftakt zunächst deutlich aus. Steigende Öl- und Gaspreise und die Sorge vor einer weiteren Eskalation setzten die Kurse unter Druck.

Der deutsche Leitindex Dax startete am Montag mit kräftigen Verlusten in den Handel. In den ersten Minuten fiel er um 2,3 Prozent auf rund 24.700 Punkte. Am Freitag hatte sich der Index noch in der Nähe seines Rekordhochs bewegt. Auch der MDax der mittelgroßen Unternehmen gab deutlich nach und verlor 2,7 Prozent. An europäischen Märkten zeigte sich ein ähnliches Bild: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rutschte um mehr als zwei Prozent ab. In Paris fielen die Kurse ebenfalls stark, während sich London etwas robuster zeigte.

Trotz der deutlichen Verluste blieb eine Panik an den Märkten jedoch zunächst aus. „Risikoanlagen wie Aktien werden nicht panikartig abgestoßen“, beobachtet Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. Die Reaktionen zeigten, dass viele Anleger bislang eher von einer kurzzeitigen militärischen Auseinandersetzung ausgingen. Angesichts der möglichen Tragweite des Konflikts seien die ersten Kursverluste sogar moderat ausgefallen.

Gefragt waren Anlagen, die als sicherer Hafen in Krisenzeiten gelten wie beispielsweise Gold. Der Preis des Edelmetalls stieg um 2,5 Prozent auf 5410 Dollar je Feinunze. Auch der Silberpreis legte zu. Der Dollar war ebenfalls gefragt, wohingegen der Kurs des Euro unter Druck geriet. Am Montagvormittag mussten für die Gemeinschaftswährung zuletzt 1,1703 Dollar gezahlt werden und damit über einen Cent weniger als vor dem Wochenende.

Aktien von Lufthansa und Tui tief im Minus

Wer Aktien von Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften im Depot hat, muss indes hohe Abschläge hinnehmen. Die Papiere der Lufthansa rutschten zeitweise um mehr als elf Prozent ab, die Aktien des Reisekonzerns Tui verloren in der Spitze knapp acht Prozent. 

Für die Branche ist der Nahost-Krieg eine doppelte Belastung. Zum einen verteuert der kräftige Anstieg der Kerosinpreise den Flugbetrieb. Zum anderen schrecken die geopolitischen Risiken viele Reisende ab. Mehrere Airlines strichen Verbindungen in die Region vorerst vollständig, wichtige Luftfahrtdrehkreuze wie Dubai sind betroffen. Dazu hängen große Kreuzfahrtschiffe in den Häfen fest.

Die Sorge vor höheren Ölpreisen und anziehender Inflation belastet besonders konjunkturabhängige Unternehmen. Neben Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern gehören dazu beispielsweise Autobauer und Chemiekonzerne, weil höhere Transport- und Rohstoffkosten ihre Margen schmälern. Die Aktien von BASF und VW sackten nach Handelsstart am Montag jeweils um rund drei Prozent ab. 

Banger Blick auf die Wall Street

„Die Märkte leiden unter der Verschärfung der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und deren möglichen Folgen für Energieflüsse und Lieferketten“, sagte John Plassard von der Cité Gestion Private Bank. Die Ölpreise zogen am Montag zeitweise um mehr als zwölf Prozent an.

Diese Sorgen spiegelten sich bereits an den asiatischen Börsen wider, die überwiegend mit Verlusten in die Woche starteten. In Japan gab der Nikkei-Index um 1,3 Prozent nach. Das Land sei wegen seiner starken Abhängigkeit von Ölimporten besonders anfällig für einen Preisschock, sagte Kazunori Tatebe, Chefstratege bei Daiwa Asset Management. Gefragt waren in Asien dagegen Energiewerte, die von den steigenden Ölpreisen profitierten.

Gold, Kupfer, Silber Wie Anleger von der Rohstoff-Bonanza profitieren

capital

Wie stark die Nervosität auf die internationalen Märkte übergreift, wird sich im weiteren Tagesverlauf auch an der Wall Street zeigen. Die US-Börsen öffnen erst am Nachmittag deutscher Zeit. Beobachter rechnen damit, dass die Entwicklung der Ölpreise und neue Nachrichten aus dem Nahen Osten den Ton angeben werden. Sollte sich der Konflikt weiter verschärfen, dürfte die Verwerfungen an den Aktienmärkten noch einmal zunehmen.

Capital ist eine Partnermarke des stern. Ausgewählte Inhalte können Sie mit Ihrem stern+ Abo sehen. Mehr aus Capital finden Sie auf www.stern.de/capital.

rtr/afp/dpa

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke